2008.05.14 Neuss : St. Petersburg plant den großen Coup im UEFA-Cup

Ganz Russland fiebert dem UEFA-Cup-Finale (20.45 Uhr) zwischen Zenit St. Petersburg und den Glasgow Rangers entgegen. Ein Erfolg würde den zweiten russischen Titelgewinn bedeuten.

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Zenit St. Petersburg will den großen Coup landen

Nach Bayern München will Zenit St. Petersburg nun auch die Beton-Abwehr der Glasgow Rangers überrennen. Mit einem Sieg im heutigen Finale von Manchester (20.45 Uhr/live bei Premiere und Sat.1) würde der Klub den UEFA-Cup zum zweiten Mal nach Russland holen. Dass mit Torjäger Pawel Pogrebnjak der wichtigste Spieler gesperrt fehlt, soll den Coup im Finale nicht verhindern.

"Die Rangers haben eine starke Defensive, aber unsere Chancen stehen gut. Wir haben sicher schon bessere Mannschaften geschlagen. Es gibt also überhaupt keinen Grund, nervös zu sein", sagte Trainer Dick Advocaat vor dem Endspiel im Stadion City of Manchester.

Auch das jüngste "Opfer" der Truppe aus der Zarenstadt sieht Zenit klar im Vorteil. "St. Petersburg ist der Favorit", sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, Kapitän Oliver Kahn nannte den russischen Meister "den einzigen Klub im UEFA-Cup mit Champions-League-Format".

Zenit begeistert ganzen Kontinent

Neben den Bayern hat Zenit auf dem Weg ins Endspiel auch Bayer Leverkusen, Olympique Marseille und den FC Villarreal ausgeschaltet - und die Fußball-Fans des Kontinents begeistert. "Ganz Europa lobt unsere Spielweise, das ist sensationell", sagte Advocaat mit Stolz auf den zweitbesten Angriff im UEFA-Cup (24 Tore) nach den Bayern.

An der offensiven Spielweise soll der Ausfall Pogrebnjaks, der mit zehn Toren neben Bayerns Luca Toni UEFA-Cup-Torschützenkönig ist, nichts ändern. "Pawel ist gut drauf. Dass er nicht spielen darf, ist ein schwerer Verlust, aber definitiv keine Tragödie für uns", sagte der frühere Gladbach-Coach Advocaat. Der Türke Fatih Tekke wird wohl im Sturmzentrum beginnen, doch die Hoffnungen ruhen vor allem auf dem vielseitigen Offensivspieler Andrej Arschawin (vier Tore).

Rangers ohne Stürmer Cousin

Bei den Rangers fehlt Stürmer Daniel Cousin rotgesperrt - doch der schottische Rekordchampion baut ohnehin auf die Defensive, die nach der Relegation aus der Königsklasse in acht UEFA-Cup-Spielen nur zwei Gegentore kassierte. "Die Leute sagen, dass wir hässlichen Schrottfußball spielen. Aber wenn die Kritiker so gut sind, warum sind sie dann nicht hier?", fragte Teammanager Walter Smith trotzig.

Smith erlebt seine zweite Amtszeit in Glasgow, 1998 folgte ihm Advocaat, der in seiner ersten Saison gleich das Triple gewann. Nun will er mit dem "Quadruple" aus den nationalen Pokalen, dem UEFA-Cup und der Meisterschaft kontern. In der Premier League sind die "Gers" auf Kurs, den Ligapokal haben sie gewonnen und im FA-Cup sind sie im Finale. "Wir wollen am Ende nicht sagen müssen: "Es war eine gute Saison, aber gewonnen haben wir nichts"", meinte Smith.

Glasgow erwartet Heimspiel-Stimmung

Auch die Fans sollen helfen, dass es nicht so weit kommt. Smith erwartet "ein Heimspiel mit prächtiger Stimmung wie im Ibrox-Park", schließlich liegt Glasgow nur 350km nördlich von Manchester. Die russichen Anhänger aus St. Petersburg müssen 2000km zurücklegen.

Doch das Vorhaben, den Fans nach dem Europacup der Pokalsieger im Jahr 1972 zum zweiten Mal einen Europapokal zu präsentieren, könnte an mangelnder Frische scheitern. Die Rangers stehen vor dem 64. Spiel der Saison, Zenit dagegen hat dank des Wohlwollens des russischen Verbandes seit dem 19. April keine Ligapartie mehr bestritten.

Beim Testspiel am Samstag bei AZ Alkmaar (2:2) hat Advocaat zudem seine Elf gegen einen defensiv eingestellten Gegner getestet. "Die Rangers können in fünf Spielen alles gewinnen, aber auch alles verlieren. Das macht sie nervös", prophezeite er.