2008.05.14 Neuss : Volleyball-Weltverbandschef Acosta tritt zurück

Nach 24 Jahren an der Spitze des Volleyball-Weltverbandes FIVB hat der Mexikaner Ruben Acosta genug. Der 74-Jährige wird sein Mandat vorzeitig niederlegen.

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Ruben Acosta will zurücktreten

Der Mexikaner Ruben Acosta zieht sich nach 24 Jahren von der Spitze des Volleyball-Weltverbandes FIVB zurück. Der als eine der umstrittensten Figuren des Weltsports geltende Acosta erklärte, dass er sein bis 2010 geltendes Mandat beim nächsten Kongress am 16. und 17. Juni in Dubai vorzeitig niederlegen werde. Nach den geltenden FIVB-Statuten würde der erste Vizepräsident Mei Jizhong aus dem Olympia-Gastgeberland China vorerst den Präsidentenposten übernehmen.

"Ich plane meine Position zu verlassen, weil unser Verband stärker als jemals zuvor ist. Ich will meine Zeit nun meiner Familie und dem Privatleben widmen", kündigte der 74-Jährige Acosta bei einem außerordentlichen Meeting des FIVB-Exekutivkomitees an: "Ich denke, es ist nach 24 Jahren der richtige Zeitpunkt, das Ruder zu übergeben."

Er werde sich bis Dubai die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen, aber es sei sehr unwahrscheinlich, dass er seine Meinung ändere. Auf dem Kongress will die Führungsriege vorschlagen, die Wahlen künftig wieder im Olympiazyklus durchzuführen. Damit könnte ein neuer FIVB-Chef bis 2012 gewählt werden. "Ich bin über die Ankündigung von Acosta sehr überrascht. Als ich ihn kürzlich sah, wirkte er noch tatkräftig und fit", sagte der deutsche Verbandschef Werner von Moltke dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Vorwürfe: Unterschlagung und Steuerhinterziehung

Dem seit Olympia 1984 in Los Angeles amtierenden Acosta waren bei Prozessen Unterschlagung und Steuerhinterziehung vorgeworfen worden. Für einige Sponsorenverträge hatte der FIVB-Chef seiner Meinung nach ganz legal Provision kassiert. Die Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees ermittelte gegen ihn, der Mexikaner kam mit seinem Rücktritt aus dem IOC 2004 aus Altersgründen jedoch einer Entscheidung zuvor.

Acosta hatte vor seiner Ankündigung den neuen FIVB-Sitz "Chateau Les Tourelles" am Genfer See eröffnet. Laut von Moltke habe IOC-Präsident Jacques Rogge dabei Acosta als einen der innovativsten Figuren im Weltsport gelobt. Er übergibt einen der mitgliedsstärksten Sportverbände der Welt mit über 200 Föderationen und einem Vermögen, das im Jahr 2006 stolze 361 Millionen Schweizer Franken betrug.