2008.05.17 Neuss : Der Zahnarzt aus Otterbach tritt ab

Nach 20 Jahren und 339 Erstliga-Begegnungen geht Markus Merk heute in den Ruhestand. "Ich hatte tolle 25 Jahre Profifußball", blickt der dreimalige Weltschiedsrichter zurück.

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Markus Merk verlässt die Fußball-Bühne

Markus Merk steht kurz vor seinem letzten Pfiff auf dem Fußball-Platz. Wenn der dreimalige Weltschiedsrichter heute die von ihm geleitete Bundesliga-Partie zwischen Bayern München und Hertha BSC Berlin abpfeift, dann bedeutet dies gleichzeitig das Ende der einmaligen Karriere des Unparteiischen aus dem pfälzischen Otterbach. Nach 20 Jahren und der Rekordzahl von 339 Erstliga-Begegnungen tritt der 46-Jährige ein Jahr vor dem Erreichen der Altersgrenze auf eigenen Wunsch ab.

"Es war immer eine meiner Visionen, meine Laufbahn selbst zu beenden und mich nicht durch eine Altersgrenze in den Ruhestand versetzen zu lassen. Ich hatte tolle 25 Jahre Profifußball, 20 Jahre Bundesliga, 15 Jahre international", erklärte Merk: "Ich finde es spannend, auf dem Höhepunkt abzutreten, auch wenn ich von der körperlichen Konstitution her sicher noch vier, fünf Jahre weitermachen könnte."

"In meiner Karriere hat mir nichts gefehlt"

Seinem Abschied sieht Merk, der bei zwei Weltmeisterschaften (2002 und 2006) und den Olympischen Spielen 1992 im Einsatz war, das EM-Endspiel 2004, das Finale der Champions League 2003, das Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger 1997, 50 Länderspiele sowie 78 Europapokal-Partien leitete, mit großer Freude entgegen.

"Der Samstag wird ein emotionaler Tag werden. Ich pfeife seit 34 Jahren, da lässt man in den letzten Tagen viel mehr Revue passieren. Aber ohne ein weinendes Auge, sondern nur mit positiven Gedanken", meinte der Zahnarzt: "Ich habe meine Emotionen auch immer auf dem Platz gelebt, und so wird es auch am Wochenende sein. In meiner Karriere hat mir nichts gefehlt."

In der Tat erlebte Merk in seiner Laufbahn viele Höhen. "Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich so viel Positives erleben durfte", sagte der Hobby-Triathlet: "Natürlich kann ich mich auch noch an mein erstes Spiel überhaupt als Schiedsrichter erinnern. Am 21. September 1974 in Kaiserslautern, ein E-Jugend-Spiel. Das war mein schnellster Aufstieg, weil anschließend zum D-Jugend-Spiel der Schiedsrichter nicht kam und ich das dann gleich auch noch gepfiffen habe."

Schwerster Moment 2003 in Frankreich

Allerdings musste Merk, der 1988 bei der Partie VfL Bochum gegen Bayer Uerdingen in der Bundesliga debütierte, auch Tiefen auf dem Platz überstehen: "Der schwerste Moment für mich überhaupt war im Jahr 2003, als beim Konföderations-Cup in Frankreich der Kameruner Marc-Vivien Foe auf dem Platz starb. In den Spielen danach hatte ich schon beim Betreten des Stadions ein ungutes Gefühl."

Nach dem letzten Spiel am Samstag will Merk seine Energie den Management-Seminaren widmen, die er seit dem Verkauf seiner Zahnarztpraxis 2004 leitet. Auch das große Engagement für sein Hilfsprojekt "Indienhilfe", das sich der Errichtung und Betreuung von Schulen, Waisenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen im südindischen Sogospatty widmet, möchte Merk beibehalten.

Der Flug nach Ecuador ist schon gebucht

"Wenn man allein das Zeitfenster misst, ändert sich in meinem Leben zunächst nicht viel. 80 Prozent bleibt gleich, nur 20 Prozent ändern sich", erklärte der Pfälzer: "Ich werde auch weiterhin Seminar-Vorträge halten und will noch ein paar hohe Berge besteigen. Im August bin ich in Ecuador, wo ich einen Sechstausender besteigen will. Der Flug ist schon gebucht."

Nicht ausgeschlossen ist auch, dass Merk in den kommenden Jahren als Mitglied im DFB-Schiedsrichterausschuss für sein "Vermächtnis", die Einführung des Videobeweises, kämpfen wird. Auch Merks Heimatklub 1. FC Kaiserslautern könnte die Dienste des Bundesverdienstkreuz-Trägers in Anspruch nehmen. Merk ist jedenfalls "für alle Seiten" offen: "Die Frage ist jetzt, wie die 20 Prozent ersetzt werden. Ich werde das mit Ruhe und Gelassenheit angehen."