2008.05.19 Neuss : EM-Vorbereitung geht in die heiße Phase

Drei von 26 müssen noch weichen: Bundestrainer Joachim Löw will im Trainingslager auf Mallorca herausfinden, mit welchen Spielern er das Projekt EM-Sieg angehen wird.

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Das DFB-Team ist in Mallorca angekommen

Zwar mutete das Wetter bei Nieselregen und 16 Grad eher deutsch als spanisch an, dafür bereiteten 50 Fans der DFB-Elf einen stimmungsvollen Empfang. Um 17.32 Uhr wurde mit der Ankunft im Trainingslager auf Mallorca die heiße Vorbereitungsphase der deutschen Nationalmannschaft 20 Tage vor dem Auftaktspiel gegen Polen endgültig eingeleitet.

"Wir freuen uns, dass es jetzt endlich richtig los geht. Wir hoffen auf eine gute Vorbereitung ohne Verletzte, damit wir gleich gut in das Turnier starten können", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Montag beim Treffpunkt der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt.

"Konkurrenzkampf erhöht die Spannung

Als die Mannschaft im luxuriösen Arabella Sheraton Golfhotel eintraf, wurde sie bereits von acht Kamera-Teams und 50 Fans erwartet. Die Hotel-Crew stand geschlossen Spalier und über dem Eingang hing ein großes Begrüßungsschild. Bis zum 30. Mai soll auf Mallorca der Grundstein zu einer erfolgreichen EM gelegt werden.

Während das Trainerteam um Löw vor dem Trip an den Ballermann große Gelassenheit ausstrahlte, war den Nationalspielern die Anspannung wegen der in zehn Tagen anstehenden Ausbootung von drei weiteren Akteuren deutlich anzumerken.

"Es fahren noch drei Spieler nach Hause. Deshalb wird jeder Spieler kämpfen und richtig Gas geben. Es erhöht die Spannung im Team, vor einem Turnier so einen Konkurrenzkampf zu haben. Ich werde es den Trainern so schwer wie möglich machen und alles tun, um im Kader zu bleiben", meinte der Schalker Profi Jermaine Jones, der sowohl im Spiel als auch im Training immer an die Grenzen geht.

Während auch die für den endgültigen EM-Kader von 23 Akteuren, der am 28. Mai der UEFA gemeldet werden muss, gesetzten Spieler wie Philipp Lahm, Kevin Kuranyi und Arne Friedrich nach den ersten drei Regenerationstagen heftige Trainingseinheiten erwarten, will Löw jegliches Überengagement seiner Wackelkandindaten unterbinden.

Ballack und Metzelder reisen nach

Falls sich die Spieler vor dem vorletzten Länderspiel gegen Weißrussland in Kaiserslautern am Dienstag in einer Woche in Hüfthöhe abgrätschen sollten, will Löw eingreifen. "Das wird nicht passieren. Und wenn, dann werden wir das unterbinden", meinte der 48-Jährige, der vor seiner ersten Turnierteilnahme als DFB-Chefcoach steht.

Allerdings fehlten Löw im vorläufigen, insgesamt 26 Spieler umfassenden Kader bei der Abreise auf die Ferieninsel zwei wichtige Führungsspieler. Kapitän Michael Ballack, der am kommenden Mittwoch in Moskau mit dem FC Chelsea das Finale in der Champions League gegen Manchester United bestreitet, und Christoph Metzelder, der mit Spaniens Meister Real Madrid am Dienstag in Saudi-Arabien im Einsatz ist, werden erst verspätet im Luxushotel Son Vida eintreffen.

Während Metzelder spätestens am Freitag zur Mannschaft stoßen soll, muss Löw wohl länger als geplant auf Ballack verzichten. "Ich kann noch nicht sicher sagen, ob er Freitag kommt. Es könnte sein, dass er mit Chelsea einen weiteren Regenerationstag einlegt. Es wäre uns lieber gewesen, wenn wir schon jetzt eine Entscheidung gehabt hätten", sagte Löw, der aber auch ohne Ballack und Metzelder den "Luxus" genießt, zum ersten Mal seit langem wieder mehrere Trainingseinheiten mit den Spielern absolvieren zu können.

Ab Freitag steigt der Konkurrenzkampf

Der DFB-Tross startete am Montag mit insgesamt 24 Spielern, 17 Spielerfrauen und acht Kindern gen Mallorca. Auf seine Freundin verzichten musste unter anderem Neuling Marko Marin, die Überraschung im Kader. "Sie geht noch zur Schule, deshalb kann sie leider nicht mitkommen", sagte der 19 Jahre alte Gladbacher, der von seinem Vater zum Treffpunkt der DFB-Auswahl gefahren wurde: "Ich will dem Trainer unbedingt zeigen, dass ich in den EM-Kader gehöre. Dafür werde ich im Training alles geben."

Zunächst sollen die 24 Spieler in den ersten drei Tagen aber abschalten. In drei verschiedenen Gruppen, abhängig von der Belastung der letzten Wochen, wird zweimal täglich locker trainiert. Ab Freitag, wenn die Spielerfrauen und die Kinder wieder abreisen, geht es dann vor allem für die Wackelkandidaten wie Jones, Piotr Trochwoski, David Odonkor und Patrick Helmes um alles oder nichts. "Wer nach Hause fährt, das hat nichts mit fehlender Qualität zu tun, es ist einfach nur eine Momentaufnahme", beschwichtigte Löw.