2008.05.20 Neuss : Doll wollte Neuanfang "nicht im Wege stehen"

Einen Tag nach seinem Rücktritt hat Trainer Thomas Doll Kritik an seinem Ex-Arbeitgeber Borussia Dortmund geübt. Einem Neuaufbau beim BVB wollte er aber "nicht im Wege stehen".

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Ernüchtert: Thomas Doll

Der zurückgetretene Trainer Thomas Doll wollte einem Neuanfang beim Bundesligisten Borussia Dortmund "nicht im Wege stehen", hat aber einen Tag nach seinem freiwilligen Abschied Kritik an seinem früheren Arbeitgeber geübt.

Sein Rücktritt habe damit zu tun gehabt, "dass ständig darüber geredet wurde, die Mannschaft müsse eigentlich ganz anders dastehen. Dass da immer von den UEFA-Pokal-Plätzen die Rede war. Obwohl jeder weiß, der sich ernsthaft mit Dortmund beschäftigt, dass dieser Kader - ohne irgendeinem Spieler zu nahe treten zu wollen - dies einfach nicht hergegeben hat", sagte Doll in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt (Mittwoch-Ausgabe): "Wir hätten vielleicht zwei, drei Plätze höher stehen können. Aber mehr nicht."

Er selbst sei bei der Zusammenstellung der Mannschaft, die mit den meisten Gegentoren der Bundesliga als 13. die schlechteste Dortmunder Platzierung seit 20 Jahren erreicht hatte, nicht entscheidend beteiligt gewesen, meinte der Ex-Profi. "Die meisten Spieler sind vor meiner Zeit verpflichtet worden. Die einzige Verpflichtung, an der ich mitgewirkt habe, war die von Mladen Petric", sagte Doll, der den BVB im vorigen Jahr vor dem drohenden Abstieg bewahrt hatte.

Danach seien zu schnell wieder zu hohe Erwartungen in Dortmund aufgekommen. "Man schwebte in ganz anderen Sphären, sprach fast schon mehr von der Champions League als vom UEFA-Cup", sagte Doll: "Da hat mir im gesamten Umfeld eine gewisse Demut gefehlt." Auch innerhalb des Vereins seien die Erwartungen "mit angeschoben" worden anstatt die Euphorie der Fans zu bremsen: "Ich denke, wir hätten frühzeitig sagen sollen, dass keine Wunderdinge zu erwarten sind."

Die zuletzt immer häufigeren Spekulationen um seine Ablösung, unter anderem auch am Tag des DFB-Pokalfinales, hatten Doll mürbe gemacht und unter anderem seine Wutrede ausgelöst. "Ich bereue die Rede nicht, höchstens das eine oder andere Wort. Aber ich würde in einer vergleichbaren Situation wieder so reagieren", sagte er.