2008.05.21 Neuss : Ballack als Hoffnungsträger im "Battle of Britain"

Mit Hoffnungsträger Michael Ballack greift der FC Chelsea in Moskau im "Battle of Britain" nach dem Champions-League-Titel. Gegen Manchester United soll ab 20.45 Uhr ein Sieg her.

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Michael Ballack soll es richten

Ausgerechnet in Moskau findet "The Battle of Britain" statt. Dabei wird Michael Ballack im Champions-League-Finale einer der großen Hoffnungsträger auf Seiten des FC Chelsea sein. Der deutsche Nationalmannschaftskapitän greift heute (20.45 Uhr MESZ/live bei Premiere und Sat.1) in der russischen Hauptstadt nach seinem ersten internationalen Titel und will die Blues in der alten Heimat von Klubeigner Roman Abramowitsch im englischen Endspiel gegen Manchester United auf Europas Thron hieven.

Franz Beckenbauer traut Ballack zu, am Mittwoch im Luschniki-Stadion zum Matchwinner zu werden. "Ich tippe auf einen 1:0-Sieg von Chelsea nach Verlängerung. Und Ballack macht das entscheidende Tor. Dann ist er endlich da, wo er immer hin wollte", sagte der "Kaiser" dem Sport-Informations-Dienst (sid). Das Finale in der 10,4 Millionen Einwohner zählenden Metropole ist allgegenwärtig. 45.000 Fans aus beiden Lagern bestimmen das Bild im Zentrum und um das Stadion. Ein Sportartikelhersteller warb in den Straßen rund um den Kreml mit riesigen Plakaten, auf ihnen die Konterfeis von Ballack, Frank Lampard oder Didier Drogba. Auf dem Roten Platz konnten sich die Anhänger schon einmal mit einer Nachbildung des begehrten Pokals fotografieren lassen.

Ballack strotzt vor Selbstvertrauen

Der 31-jährige Ballack selbst strotzt vor dem Prestigeduell (20.45 Uhr/live bei Premiere und Sat.1) vor Selbstvertrauen und könnte an der Moskwa auch endlich den Makel des ewigen Zweiten ablegen. "Nachdem wir ja den Meistertitel in England verpasst haben, spüre ich eine gesunde Aggressivität in der Mannschaft. Mit dem Einzug ins Finale haben wir bereits ein Stück Klubgeschichte geschrieben. Jetzt wollen wir das Ding auch gewinnen, das ist klar", sagte Ballack dem Pay-TV-Sender Premiere.

Der gebürtige Görlitzer hat sich nach Ende seiner monatelangen Verletzungspause im Dezember Schritt für Schritt gesteigert und ist spätestens seit seinem Doppelpack zum 2:1-Sieg in der Liga Ende April gegen "ManU" zum Schlüsselspieler aufgestiegen. Auch in der englischen Presse wurden die Lobeshymnen lauter, die Medien sprachen in Anlehnung an Franz Beckenbauer sogar vom "Junior Kaiser".

Mehr und mehr fühlt sich Ballack auch für das Kollektiv der "Blues" verantwortlich. Für ihn persönlich sei das Finale eine "goldene Gelegenheit", die Verhältnisse nach 2002 zurechtzurücken. Damals blieb dem Star von Bayer Leverkusen in Champions League (Endspiel gegen Real Madrid), Meisterschaft und Pokal nur Blech, und bei der folgenden WM in Südkorea und Japan blieb ihm der Titel versagt.

Ballack: "Diesmal will ich gewinnen"

"An mein letztes Champions-League-Finale mit Bayer Leverkusen denke ich nicht mehr so oft, es liegt ja auch schon sechs Jahre zurück. Das ist alles Geschichte. Aber ich weiß natürlich genau, wie schwer es ist, in ein solches Finale zu kommen. Ich stehe jetzt zum zweiten Mal im Endspiel und will es diesmal gewinnen. Man weiß ja nie, ob man es noch einmal schafft, um den Titel zu spielen. Dementsprechend bin ich motiviert", erklärte der Chelsea-Star.

Auch in den Augen von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hätte ein Sieg für Ballack eine riesige Bedeutung: "Dies wäre trotz der Titel, die er beim FC Bayern gewonnen hat, der Höhepunkt seiner Karriere im Verein." Im Fall eines Triumphes erhofft sich Bierhoff auch einen positiven Effekt für die Nationalmannschaft: "Dann würde er mit noch breiterer Brust zur EM fahren. Es wäre noch einmal ein wichtiger Schub für ihn und unser Team."

Nach dem Finale darf Ballack einige Tage ausruhen, ehe er am Wochenende zur deutschen Mannschaft ins Vorbereitungslager auf Mallorca stößt. Für die Zeit nach der EM hat sich der Chelsea-Star die Vollendung seines privaten Glücks aufgehoben. Dann will er seine langjährige Freundin Simone heiraten.

"ManU" sieht sich im Vorteil

Chelseas Teammanager Avram Grant weiß, was auf dem Spiel steht. Dreimal schied der Klub in den letzten vier Jahren im Halbfinale der Königsklasse aus. Abramowitsch erwartet den Titel. Dafür hat Kapitän John Terry auf die Zähne gebissen und ist nach seiner Verletzung am Ellenbogen fit. Auch Didier Drogba kann trotz einer leichten Knieblessur stürmen.

Manchester sieht sich nach dem Gewinn des 17. Meistertitels psychologisch im Vorteil und will nach 1968 und 1999 zum dritten Mal die Krone des europäischen Klub-Fußballs. Teammanager Sir Alex Ferguson, schon seit 22 Jahren im Amt, spricht von einer "britischen Affäre" und sieht die erfahreneren Spieler beim Gegner. "Aber ich weiß nicht, ob das in so einem Spiel wichtig ist. Auf jeden Fall haben wir die richtige Einstellung."

Im Jahr 1999 gewannen die "Red Devils" im legendären Champions-League-Finale von Barcelona mit dem 2:1 gegen Bayern München durch Tore von Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solksjaer in den letzten Minuten sogar das Triple. Cristiano Ronaldo führt mit sieben Treffern die Torschützenliste an und will wie schon in der Meisterschaft auch in der Königsklasse Torschützenkönig werden. Der ehemalige Bayern-Spieler Owen Hargreaves sowie Routinier Ryan Giggs müssen wohl zunächst auf die Bank.