2008.05.27 Neuss : Betzenberg ist "Endstation Sehnsucht" für drei

Im Testspiel gegen Weißrussland können sich Löws Wackelkandidaten zum letzten Mal bewähren, bevor der endgültige Kader benannt wird. Miroslav Klose freut sich auf die alte Heimat.

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Miroslav Klose freut sich auf die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte

So langsam nähert sich das EM-Casting seinem Ende - "Juror" Joachim Löw hat heute seine letzten Chance auf eine Beurteilung der Wackelkandidaten. Der DFB-Coach muss spätestens Mittwochmittag bei der UEFA seinen 23-köpfigen EM-Kader benennen und zuvor drei Spieler aus seinem vorläufigen 26er-Kader streichen.

"Das wird eine ganz schwere und enge Entscheidung", hatte der Bundestrainer, der den betroffenen Profis einen Tag nach dem Länderspiel heute Abend gegen Weißrussland in Kaiserslautern am (17.45 Uhr/live in der ARD) seine Entscheidung im EM-Trainingslager der DFB-Auswahl auf Mallorca persönlich mitteilen und begründen will, bereits zuvor erklärt. Zuvor können sich die Streichkandidaten im ersten Vergleich mit den Weißrussen zum Abschluss des vom Bundestrainer so genannten "Castings" noch einmal empfehlen.

Der Kreis der Spieler, die um eine EM-Fahrkarte bangen müssen, hat sich in den vergangenen Tagen erweitert. Nachdem zuvor nur die Mittelfeldspieler Jermaine Jones (Schalke 04), Piotr Trochowski (Hamburger SV) und David Odonkor (Betis Sevilla) sowie die Stürmer Patrick Helmes (1. FC Köln) und Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach) als Wackelkandidaten gehandelt wurden, hat sich dieser Kreis um drei weitere Spieler erweitert, die wegen gesundheitlicher Probleme in der ersten Trainingswoche noch gar nicht oder nur begrenzt arbeiten konnten.

Besonders schlimm hat es den künftigen Münchner Tim Borowski erwischt, der wegen eines grippalen Infekts die ganze Woche das Bett hüten musste und deshalb noch keine Eigenwerbung betreiben konnte. "Tim kann nichts dafür, dass er krank ist", bemerkte Löw, der den Noch-Bremer als mögliche Alternative für den ausgefallen Bernd Schneider (Bandscheiben-OP) auf der rechten Seite ins Spiel gebracht hatte.

Auch Friedrich und Gomez fraglich

Aber auch Abwehrspieler Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), den seit Tagen Magen-Darm-Probleme plagen, und Deutschlands Fußballer des Jahres Mario Gomez, der wegen einer Wadenblessur noch hinterherhinkt, dürfen sich plötzlich nicht mehr zu sicher sein. "Wir werden uns vor unserer Entscheidung noch einmal intensiv mit unserer medizinischen Abteilung beraten", kündigte Löw-Assistent Hans-Dieter Flick an.

"Im Training haben alle Gas gegeben, wir haben intensiv gearbeitet, sind vielleicht noch einen Schritt weiter als vor dem WM-Turnier 2006, auch wenn noch nicht in der Form sind, die wir beim Turnier haben wollen", berichtete Klose, der sich ganz besonders auf den Test in seiner alten Heimat freut.

Für den DFB-Torjäger haben in den bisherigen sechs Einheiten auf dem Rasen alle Spieler ihre EM-Tauglichkeit bewiesen, vor allem aber Neuling Marko Marin. "Er imponiert mir, weil er zum einen sein Spiel durchzieht, was ihn in Gladbach zum Superstar gemacht hat, und er sich zum anderen auch was sagen lässt. Wenn ein junger Mann aber hintereinander drei punktgenaue Flanken schlägt, dann spricht das für seine Qualität." Das dürfte auch Löw so sehen, der bereits nach wenigen Tagen von dem 19 Jahre alten Gladbacher geschwärmt hatte: "Er ist ein frecher Typ, der der Mannschaft gut tut."

20 Spieler zur Verfügung

Marin dürfte deshalb dem endgültigen Kader ebenso angehören, wie Torwart Rene Adler, Kevin Kuranyi und Simon Rolfes, die am Montag ebenfalls nicht zum DFB-Tross zählten, der via Zweibrücken nach Homburg reiste, wo am Abend das Abschlusstraining auf dem Programm stand. Anschließend gab es noch einen Regellehrgang durch Schiedsrichter-Boss Volker Roth.

Adler plagt sich mit Beckenproblemen herum, Kuranyi und Rolfes werden wegen ihrer hohen Einsatzzeiten in der vergangenen Saison noch geschont, so dass Löw im ersten Vergleich mit Weißrussland 20 Spieler zur Verfügung stehen, die in der Nacht nach dem Match wieder mit zurück auf die Sonneninsel fliegen.

In Homburg stieß auch DFB-Kapitän Michael Ballack zur Mannschaft, der wegen seines Einsatzes im Champions-League-Finale mit dem FC Chelsea gegen Manchester United am vergangenen Mittwoch noch ein paar Tage frei bekommen hatte. "Er wird die Niederlage gegen Manchester verarbeitet haben und mit neuer Motivation zur Mannschaft kommen", meinte Löw.