2008.05.28 Neuss : Fanprojekte fordern finanzielle Sicherheit

Beim 12. Kongress der deutschen Fanprojekte in Dresden wurden die geplanten Anstoßzeiten kritisiert und ein stärkeres Zugehen auf die Fans gefordert.

tr
Die Fans sind gegen zu frühe Bundesliga-Anstoßzeiten

Auf dem 12. Bundeskongress der deutschen Fanprojekte heißen die zentralen Forderungen stärkeres Zugehen auf die Fans und bessere finanzielle Absicherung der Fanarbeit. Der Kongress, der sich an Vereine, Sportfunktionäre und Politik wendet, warnte die mehr als 100 Vertreter von 35 Projekten vor einer fortschreitenden Ausgrenzung der Jugendlichen und zeigten sich zugleich optimistisch, dass die kommende Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz ein ähnlich friedliches Fußball-Fest wird, wie die WM 2006.

"Es wird sicher einige Leute geben, die bei der EM randalieren wollen. Aber sie werden keine Gegner finden, weil alle viel zu nett sind. Das ist kein Optimismus, das ist Überzeugung", sagte Michael Gabriel. Der Leiter der Koordinierungsstelle Fan-Projeke (KOS) bei der Deutschen Sportjugend (DSJ) wird mit einer 12-köpfigen Mannschaft in Österreich und der Schweiz vor Ort sein, um die deutschen Anhänger zu betreuen.

Finanziert wird dies zu 80 Prozent vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und zu 20 Prozent von der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Zum international vorbildlichen EM-Betreuungsprogramm zählt auch eine eigene Homepage (www.fanguide-em2008.de), auf der zahlreiche Informationen zu den Gastgeberländern, den Teams und dem Turnier abrufbar sind.

Fans wollen "wie Menschen behandelt werden"

Die bevorstehende EM jedoch spielt im Alltag der Fanbetreuer eher eine untergeordnete Rolle. Unter der Überschrift: "Ein Sozialarbeiter - 1000 Polizisten. Was kann Fan-Sozialarbeit bewirken?", diskutierten in der sächsischen Hauptstadt die Vertreter auch mit der Polizei über Deeskalation und Feindbilder.

Dabei wurde ein in Niedersachsen eigentlich im Zusammenhang mit den sogenannten Castor-Transporten in der Auseinandersetzung mit Atomkraftgegnern entwickeltes Konzept gewürdigt, das im letzten Jahr erfolgreich bei Bundesliga-Heimspielen von Hannover 96 getestet wurde.

"Die Fans wollen als Menschen behandelt werden, nicht wie Verbrecher von Punkt A nach Punkt B in einem Polizei-Käfig laufen", schilderte Christian Kabs vom Dresdner Fanprojekt. Sehr wichtig sei es, die von außerhalb angereisten Zuschauer nicht wie potenzielle Gewalttäter zu begrüßen, sondern Gastfreundschaft zu zeigen. In Sachsen setzt die Polizei als Service auch ein Infomobil ein und konnte die Anzahl der benötigten Einsatzkräfte reduzieren.

In der Kritik der Kongressteilnehmer standen vor allem auch die geplanten künftigen Anstoßzeiten in den höchsten deutschen Ligen. "Eine Anstoßzeit um 12.00 Uhr erschwert für viele Anhänger die Anfahrt zu Auswärtsspielen extrem", sagte Kabs. Und Michael Gabriel forderte: "Die Bedürfnisse der Fans müssen in die Entscheidungen einfließen. Die Deutsche Fußball Liga sollte mehr mit denen reden, die ins Stadion kommen."

Kritisch ist trotz zuletzt insgesamt vier Millionen Euro jährlicher Unterstützung durch die jeweiligen Kommunen, DFB und DFL auch weiterhin die finanzielle Ausstattung der Fanprojekte. Besonders kritisierte Gabriel dabei das Land Baden-Württemberg, das als einziges Bundesland keine finanzielle Unterstützung für auch dort bestehende Fanprojekte leisten würde.