2008.05.28 Neuss : Revolutionäre Reformen in der Trainerausbildung

Der Fußballlehrer-Lehrgang unterliegt ab sofort höheren Ansprüchen. Ausbildungsleiter Frank Wormuth will "Theorie und Praxis verbinden und alle Seiten des Fußballs betrachten."

tr
Beim DFB wird die Trainerausbildung demnächst höheren Ansprüchen unterliegen

Die Zeiten, in denen Trainer-Lizenz-Anwärter Kurse fast im Vorbeigehen absolvierten, sind endgültig vorbei. Mit elf statt bisher sechs Monaten Ausbildung, schwierigeren Prüfungen, insgesamt neun Wochen Praktikum bei einem Bundesligaklub und einem deutlich erweiterten Unterrichtsstoff startet der 55. Fußballlehrer-Lehrgang am kommenden Samstag an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln.

"Es darf kein Mangel vorhanden sein. Es wird mehr Prüfungsstoff und bedeutend höhere Ansprüche geben. Schon die Eingangsprüfung für den anstehenden Lehrgang hat der ein oder andere Co-Trainer der zweiten Liga nicht geschafft", sagte Frank Wormuth, der neue Leiter der Fußballlehrer-Ausbildung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Nachfolger von Erich Rutemöller, bei der Vorstellung seiner Arbeitsweise in Kaiserslautern.

Abstimmungen mit Bundestrainer Löw dauerten fast sechs Wochen

Der Ex-Zweitligaprofi Wormuth, der das Amt des Chefausbilders am 15. November des vergangenen Jahres übernommen hat, betonte zwar mehrfach, dass sein 55 Seiten starkes Reformkonzept lediglich als Optimierung der bisherigen Ausbildung zur verstehen sei, doch die Neuerungen sind schon fast revolutionär.

Nicht umsonst dauerten die Gespräche zwischen Bundestrainer Joachim Löw und dem Diplom-Sportlehrer, Diplom-Betriebswirt sowie Fußballlehrer Wormuth im Vorfeld seiner Einstellung beim DFB trotz der guten Beziehungen zwischen beiden sechs Wochen. "In dieser Zeit haben wir einen gemeinsamen Nenner gefunden", meinte Wormuth, der ehrgeizige Ziele verfolgt.

"Mein persönliches Ziel ist es, dass irgendwann alle deutschen Klubs einen deutschen Trainer haben. Außerdem möchte ich, dass eine Trainerfindungskartei entsteht. Dann muss der Manager eines Bundesligaklubs nur anrufen und angeben, welchen Typ Trainer er braucht - und ich sage ihm dann einen Namen", erklärte Wormuth.

Wormuth will "weites Spektrum bieten"

Beim Erreichen dieser Ziele will der 47-Jährige, dessen Ausbildung sich an der Grundphilosophie der Nationalmannschaft orientieren wird, keine Kompromisse machen. "In 23 Vorlesungswochen wird von Montagmittag bis Donnerstagabend unterrichtet. Uns ist die Problematik für manche Trainer bewusst. Aber wenn ein Arbeitgeber einen Co-Trainer ohne Schein eingestellt hat, dann wusste er, was auf ihn zukommen wird", sagte Wormuth.

Besonders schmerzlich wird die härtere Gangart ab Samstag für die Zweitligisten FC St. Pauli und SV Wehen Wiesbaden. Deren Trainer Holger Stanislawski und Christian Hock gehören wie die ehemaligen Nationalspieler Christian Ziege und Steffen Freund zu den Teilnehmern des Lehrgangs. Auch frühere Bundesliga-Profis wie Manfred Bender und Matthias Hamann nehmen teil. Die einzige Schülerin ist Anouschka Bernhard, die Kleinfeld-Koordinatorin des Bundesligisten Hertha BSC Berlin.

Für sie alle gilt das Credo Wortmuths: "Wir wollen die Verbindung zwischen Theorie und Praxis herstellen und alle Seiten des Fußballs betrachten. Unsere Dozenten werden immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft sein, denn wir wollen ein weites Spektrum bieten."