2008.05.28 Neuss : Streichkandidaten vor Entscheidung gelassen

Die Reduzierung des DFB-Kaders von 26 auf 23 Akteure hat im deutschen Lager für wenig Aufregung gesorgt. Auch die Streichkandidaten sehen die anstehende Entscheidung gelassen.

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Sieht der Entscheidung gelassen entgegen: Jermaine Jones

Trotz der heutigen Entscheidung, welche drei Kandidaten die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kurz vor Beginn der Europameisterschaft verlassen müssen, ist die Stimmung bei den möglichen Streichkandidaten keineswegs angespannt.

"Ich sehe es nicht so als Problem, dass noch drei nach Hause müssen. Das spielt für mich keine Rolle, denn ich hatte ja überhaupt nicht damit gerechnet, zum vorläufigen Kader zu zählen. Für mich war die Teilnahme am Trainingslager schon eine große Belohnung für meine gute Saison auf Schalke", sagte der Mittelfeldspieler Jermaine Jones im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Jones könnte von Borowski-Erkrankung profitieren

Dass Jones bei der Ziehung "23 aus 26" auf der Strecke bleiben könnte, scheint derzeit aber trotz seiner Neigung zum Foulspiel im Mittelfeld unwahrscheinlich. Denn durch das krankheitsbedingte Fehlen des Bremers Tim Borowski bei den Einheiten im Trainingslager auf Mallorca konnte sich der gebürtige Frankfurter, der bisher zwei Länderspiele für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) absolvierte, in der vergangenen Woche bei Bundestrainer Joachim Löw täglich anbieten.

Doch nicht nur Jones würde sich einem negativen Bescheid seitens des Trainerstabs, der am Mittwoch bis 12.00 Uhr den endgültige EM-Kader bei der UEFA einreichen muss, ohne Murren fügen. Auch Spanien-Legionär David Odonkor, der in Hamburg zuletzt nur als Ergänzungsspieler mitwirkende Piotr Trochwoski oder die beiden sich duellierenden Angreifer Patrick Helmes und Oliver Neuville wollen sich für den Fall einer Absage dezent zurückhalten, um sich nicht mit unbedachten Aussagen eine weitere Karriere im DFB-Team zu verbauen.

"Situation für mich kein Problem"

"Die Situation ist für mich kein Problem. Denn ich weiß, dass es auf einen Zweikampf zwischen mir und Olli Neuville hinausläuft. Ich kann die Entscheidung der Trainer nur mit meiner Leistung auf dem Platz beeinflussen", sagte Helmes, dessen direkter Konkurrent Neuville bereits zweimal kurz vor einer EM aus dem Kader geworfen worden war: "Ich bin zweimal kurz vor einer EM aus dem Kader geflogen. 2000 war es ganz brutal, als mir Erich Ribbeck zwei Stunden vor Bekanntgabe des Aufgebotes mitgeteilt hat, dass ich nicht mitfahre, obwohl ich zuvor bei allen Länderspielen dabei war."

Die Frage, ob der Noch-Bremer Borowski mit zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) fährt, werden wohl die Ärzte um den Team-Internisten Tim Meyer entscheiden. Entscheidend wird sein, ob die Mediziner Borowski zutrauen, den Rückstand bis zum ersten Spiel des WM-Dritten am 8. Juni gegen Polen in Klagenfurt wieder aufzuholen.

Dass die komplizierte Endausscheidung im EURO-Casting für die Trainer schwer zu treffen sein wird, weiß auch WM-Torschützenkönig Miroslav Klose. "Ich möchte nicht in der Haut des Trainers stecken. Ich habe in den Trainingseinheiten gesehen, dass es sehr schwer werden wird für ihn. Alle spielen einen riesen Ball", meinte der 29-Jährige.

Bundestrainer Löw wird am Mittwochmorgen auf Mallorca den drei zu streichenden Spielern seine Entscheidung bekanntgeben. Nicht direkt nach dem Spiel gegen Weißrussland in Kaiserslautern zwischen Tür und Angel, sondern wie Co-Trainer Hansi Flick berichtete, "in einer stilvollen Atmosphäre." Und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff stellte klar: "Sie werden auch nicht ausgebootet, sie haben eine Zukunft in der Nationalmannschaft."