2008.05.29 Neuss : DFB-Team verabschiedet Rottenberg mit 4:0-Sieg

Die deutschen Frauen haben ihr EM-Qualifikationsspiel in Kassel gegen Wales sicher mit 4:0 (3:0) gewonnen. Es war zugleich das Abschiedsspiel für Torhüterin Silke Rottenberg.

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Grund zum Jubel zum Abschluss einer großen Karriere: Silke Rottenberg (l.)

Deutschlands Fußball-Weltmeisterinnen haben ihrer Torhüterin Silke Rottenberg zum Karriereende ein kleines Torfestival gegen Wales beschert und ihre weiße Weste in der EM-Qualifikation souverän verteidigt. Die bereits seit einem Monat für die kontinentale Endrunde qualifizierten Titelverteidigerinnen feierten unter DFB-Trainerin Silvia Neid beim 4:0 (3:0) gegen den Außenseiter in Kassel den siebten Erfolg im siebten Gruppenspiel zur Europameisterschaft 2009 in Finnland.

Vor 16.283 Zuschauern im Auestadion erzielten Schweden-Legionärin Ariane Hingst (9./Djurgarden), Conny Pohlers (12./Frankfurt) und Annike Krahn (30./Duisburg) bereits vor der Pause drei Tore beim Kantersieg. In der zweiten Halbzeit erhöhte Melanie Behringer (77./Freiburg) auf 4:0.

"Standing Ovations" beim Abschied

Silke Rottenberg, die auf der Gegenseite ihren Kasten sauber hielt, räumte ihren Platz zwischen den Posten sechs Minuten später (83.) unter "Standing Ovations" nahezu aller Zuschauer für Nachfolgerin Nadine Angerer.

Gegen die vor allen Dingen in der ersten Halbzeit völlig überforderten Gäste spielte sich die DFB-Auswahl bei schwülen Witterungsbedingungen schon bald viele Chancen heraus, nutzte die klaren Gelegenheiten aber über weite Strecken nicht konsequent aus. Doch auch aus der Tatsache, dass Silvia Neid mit Blick auf die anstehenden Olympischen Spiele in Peking (8. bis 24. August) einige personelle Varianten ausprobierte, konnte Wales kein Kapital schlagen. Neid beorderte unter anderem die Wolfsburgerin Navina Omilade in die Innenverteidigung und dafür Abwehrchefin Hingst ins Mittelfeld, was gut funktionierte. Allerdings baute der Europameister nach dem Wechsel stark ab. Der Spielfluss ging zeitweise sogar völlig verloren.

Ruhiger letzter Auftritt für Rottenberg

Keeperin Rottenberg wurde in ihrem 126. und letzten Länderspiel indes kaum geprüft. Vor der Partie wurde die 36-Jährige vom UEFA-Cup-Sieger 1. FFC Frankfurt, die zwei Tage zuvor ihren Rückzug nach 15 Jahren im DFB-Team bekannt gegeben hatte, offiziell verabschiedet von DFB-Präsident Theo Zwanziger, der eine Träne im Knopfloch hatte. "Silke ist eine großartige Sportlerin, ein echtes Vorbild. Alle Titel der Nationalmannschaft sind eng mit ihrem Namen verbunden", lobte Zwanziger Doppel-Weltmeisterin Rottenberg, die ihrem Verein bis nach der Saison 2008/2009 erhalten bleiben wird.

Auch Rottenberg hatte gemischte Gefühle. "Der Abschied tut weh, aber der Zeitpunkt ist der Richtige", meinte die Wahl-Frankfurterin, die als Botschafterin im OK für die Heim-WM 2011 im Gespräch ist. "Das kann ich mir sehr gut vorstellen, Silke ist eine meiner Wunschkandidatinnen. Ich hoffe, dass sie uns tatkräftig unterstützt", meinte OK-Chefin Steffi Jones in Kassel.

Fehlende Perspektive für die Keeperin

Die dreimalige Europameisterin und Welttorhüterin Rottenberg hatte ihre Entscheidung aufgrund von Verletzungsproblemen und fehlender Perspektiven gefällt, nachdem sie ihren Stammplatz vor der WM 2007 an die spätere Gold-Heldin Nadine Angerer (Djurgardens IF/Schweden) verloren hatte.

Für Silvia Neid stand das eigentlich bedeutungslose Qualispiel nicht nur wegen des Rottenberg-Abschieds unter einem ganz besonderen Stern. Schließlich muss sich die 44-Jährige bald entscheiden, mit welchen Spielerinnen sie in die Vorbereitung auf Peking geht. Für den ersten Olympia-Lehrgang am 26. Juni will Neid nur noch maximal 25 Frauen nominieren, derzeit umfasst der Kader rund 30 Akteurinnen. Im Verlauf der weiteren Vorbereitung mit Länderspielen gegen England in Unterhaching (17. Juli) und in Norwegen (23. Juli) muss das Aufgebot auf 18 Spielerinnen für Peking verkleinert werden.