2008.05.29 Neuss : Kuranyi hat Mitgefühl und Interesse an England

Stürmer Kevin Kuranyi kann aus eigener Erfahrung den Frust seiner drei für die EURO gestrichenen Nationalmannschaftskollegen nachvollziehen und träumt von der Premier League.

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England und Spanien ein Thema: Kevin Kuranyi

Nationalstürmer Kevin Kuranyi von Bundesligist Schalke 04 zeigt Mitgefühl für die am Mittwoch von Bundestrainer Joachim Löw aussortierten Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes. "Ich kann ihre Gefühle gut nachempfinden. Das ist kein schöner Augenblick. Für sie ist es bitter", sagte der 26-Jährige im Interview mit dem Fachmagazin kicker.

Kuranyi weiß, wovon er spricht. Der 46-malige Nationalspieler war vor der WM 2006 vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann überraschend nicht für das Turnier in Deutschland nominiert worden. "Ich hätte auf diese Erfahrung gerne verzichtet. Fakt ist: Es hat mich weitergebracht, denn ich habe gelernt aus einem Loch herauszukommen", meinte Kuranyi.

Dass sich das Trainerteam um Löw bei der Nominierung für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) auf der Zugspitze am 16. Mai dazu entschieden hatte, 26 anstatt 23 Spieler mitzunehmen, hält Kuranyi mit Blick auf die nun gestrichenen Akteure für äußerst problematisch.

"Noch ein Stück härter"

"Ohne Kritik an den Trainern üben zu wollen. Meine Meinung ist: Es wäre für die drei besser gewesen, gar nicht erst nominiert zu werden. Erst mitzugehen und dann nach Hause geschickt zu werden, ist noch ein Stück härter. Denn die drei müssen mit dem Gefühl die Heimreise antreten, dass sie einen Kampf verloren haben. Vielleicht denken sie sogar, sie haben den Kampf zu Unrecht verloren", erklärte Kuranyi.

Den persönlichen Kampf um einen Stammplatz wird Kuranyi am Samstag beim letzten EM-Test in Gelsenkirchen gegen Serbien (17.30 Uhr/live in der ARD) aufnehmen. "Niemand ist gesetzt. Der Trainer hat gesagt, es ist völlig offen. Das ist gut so, denn es belegt, dass wir in der Nationalmannschaft kein Sturmproblem haben", meinte Kuranyi, der beim Spiel gegen Weißrussland (2:2) am Dienstag von Löw geschont wurde: "Die Trainer haben das so entschieden, weil ich so viele Einsätze hatte in dieser Saison und fast immer über 90 Minuten gespielt habe."

Bei der EM hofft Kuranyi trotz der starken Konkurrenten Miroslav Klose, Mario Gomez, Lukas Podolski und Oliver Neuville, auf den internationalen Durchbruch. Der Angreifer, der bei den "Knappen" noch bis 2010 unter Vertrag steht, kann sich einen Wechsel in die Primera Division oder in die Premier League gut vorstellen.

"Vielleicht spiele ich eine sehr gute EM und es kommen Vereine, die zig Millionen bieten. Spanien ist das Land, in dem ich mich wohlfühle, es ist warm und ich spreche die Sprache. Aber fußballerisch gefällt mir die Premier League. Von meiner Spielweise her bin ich ein Typ für den englischen Fußball", sagte Kuranyi.