2008.05.31 Neuss : DFB-Team kriegt gegen Serbien noch die Kurve

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr letztes EM-Testspiel gegen Serbien mit 2:1 (0:1) gewonnen. Nach dem Rückstand drehten Oliver Neuville und Michael Ballack die Partie.

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Es lief nicht rund bei Mario Gomez (l.) und Kevin Kuranyi

Oliver Neuville und Michael Ballack haben die deutsche Nationalmannschaft vor einer verpatzten EM-Generalprobe bewahrt. Der "Joker" und der Kapitän bescherten mit ihren späten Treffern (74. und 82.) der Elf von Bundestrainer Joachim Löw einen 2:1 (0:1)-Sieg im letzten Härtetest gegen Serbien in Gelsenkirchen. Allerdings spielte das DFB-Team acht Tage vor dem Auftaktspiel gegen Polen noch längst nicht in Bestform. Der dreimalige Welt- und Europameister offenbarte wie schon am Dienstag gegen Weißrussland (2:2) Schwächen in allen Mannschaftsteilen.

"Für die Moral, für die Sicherheit und für das Selbstbewusstsein ist es gut, wenn man so ein Spiel gewinnt. Wir mussten an unsere Grenzen gehen. Es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten im Spielverständnis und in der Abstimmung, aber ich bin mir sicher, dass wir das auch noch schaffen. Ich habe das Gefühl, dass alle Spieler in der nächsten Wochen auf den Punkt genau topfit sind", meinte Löw. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die das Spiel auf der Tribüne verfolgte, sprach gar von einem "Bilderbuch-Vorbereitungsspiel". Wenn das so weitergehe, werde es bei der EM gut, meinte die Kanzlerin.

Kalte Dusche durch Jankvic

Vor 53.951 Zuschauern in der ausverkauften Schalker WM-Arena, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, hatte Bosko Jankovic in der 18. Minute den serbischen Führungstreffer erzielt. Neuville nach Pass von Marcell Jansen und Ballack mit einem Freistoßtor aus 18 Metern drehten das Spiel noch zugunsten der Gastgeber. Damit tritt der Mitfavorit mit dem erhofften Erfolgserlebnis am Dienstagvormittag die Reise in das EM-Quartier in Ascona an. Bis dahin dürfen die 23 EM-Spieler einen kurzen Heimaturlaub einlegen.

Vom herrlichen Kombinations-Fußball wie in der EM-Qualifikation war bei der deutschen Mannschaft noch nicht viel zu sehen. Zwar zeigte sich das deutsche Team bemüht und war auch läuferisch stärker als beim müden Auftritt gegen Weißrussland, in der Feinabstimmung ließ es aber noch Einiges zu wünschen übrig.

Vor allem beim Gegentreffer machte die Hintermannschaft keinen guten Eindruck. Insbesondere Christoph Metzelder, der nach seiner langen Verletzungspause ohnehin kaum über Spielpraxis verfügt, war beim 0:1 nicht ganz unschuldig. Ansonsten wurde die deutsche Hintermannschaft, in der der Berliner Arne Friedrich den Bremer Per Mertesacker zur Pause ersetzte, nur wenig gefordert.

So konnte sich auch Schlussmann Jens Lehmann, der gegen die Weißrussen noch gepatzt hatte, kaum auszeichnen. Am Gegentreffer war der Arsenal-Keeper schuldlos. Lehmann stand auf Schalke nach seinen bescheidenen Leistungen unter besonderer Beobachtung, dürfte aber weder Plus- noch Minuspunkte gesammelt haben.

Nicht nur in der Defensive, auch in der Offensive lief im deutschen Team nicht alles rund. Kevin Kuranyi hing vor heimischer Kulisse in der Luft und wurde in der 70. Minute ausgewechselt. Auch Sturmpartner Mario Gomez konnte seine Torjäger-Qualitäten nicht unter Beweis stellen. Dabei hatte der Stuttgarter, der in der abgelaufenenen Bundesliga-Saison mit 19 Toren treffsicherster deutscher Nationalspieler war, in der ersten Halbzeit die große Chance zum Ausgleich, als er nach feinem Zuspiel von Jansen den Ball verpasste (35.). WM-Torschützenkönig Miroslav Klose musste derweil auf der Bank Platz nehmen.

Im Mittelfeld war es in erster Linie Torsten Frings, der das Spiel ankurbelte. Superstar Ballack präsentierte sich derweil mit Licht und Schatten. Der Champions-League-Finalist hatte im ersten Durchgang seine besten Aktionen bei zwei Kopfbällen (15. und 38.), mit denen er jeweils knapp scheiterte.

Pech hatte die Löw-Auswahl in der 26. Minute, als der französische Schiedsrichter Freddy Fautrel den Gastgebern einen Foulelfmeter verwehrte. Nach einem Foul von Sasa Ilic an Frings hätte der Referee durchaus auf den Punkt zeigen können. Zur zweiten Halbzeit kam Lukas Podolski für Philipp Lahm ins Spiel. Der Münchner hatte auch gleich zwei Möglichkeiten. Allerdings traf Podolski bei einem Schuss von der Strafraumgrenze (50.) wie auch acht Minuten später bei einem Versuch aus kurzer Entfernung den Ball nicht richtig.

Die Serben agierten auch im zweiten Durchgang aus einer kompakten Defensive, waren bei Kontern aber stets gefährlich. So hatte Jankovic in der 54. Minute sogar die große Chance zum 2:0, als der Mittelfeldspieler von US Palermo nach Vorlage des Dortmunders Antonio Rukavina den Ball an die Latte setzte.