2008.06.01 Neuss : Contador schnappt Ricco Giro-Sieg weg

Alberto Contador hat Riccardo Ricco im abschließenden Zeitfahren in Mailand den Giro-Sieg weggeschnappt. Dem Astana-Profi genügte dazu der elfte Rang beim Kampf gegen die Uhr.

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Alberto Contador im Rosa Trikot des Gesamtführenden

Alberto Contador hat sich in den erlauchten Kreis der Radprofis eingereiht, die sowohl die Tour de France als auch den Giro d'Italia gewonnen haben. Der Spanier ist der insgesamt 13. Fahrer, dem dieser Doppel-Triumph gelungen ist. Neun Monate nach seinem Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt reichte dem Astana-Profi im abschließenden Zeitfahren des 91. Giro in Mailand Rang elf, um seine zweite große Landesrundfahrt zu gewinnen. Zuletzt hatte Marco Pantani 1998 sogar innerhalb eines Jahres dieses Kunststück geschafft. Zudem durchbrach Contador die italienische Dominanz der vergangenen Jahre: Zuletzt hatte in dem Russen Pawel Tonkow 1996 ein nicht aus Italien stammender Fahrer den Giro gewonnen.

Zweiter wurde der Italiener Riccardo Ricco (Saunier) mit einem Rückstand von 1:57 Minuten auf Contador, Dritter Riccos Landsmann Marzio Bruseghin (Lampre/2:54 Minuten zurück). Die 21. und letzte Etappe der 91. Auflage über 28,5km gewann der Italiener Marco Pinotti in 32:45 Minuten vor dem Cottbuser Tony Martin (beide High Road/32:42) und dem Russen Michail Ignatiew (Tinkoff/32:55). Am Samstag hatte Bergkönig Emanuele Sella (Italien/Navigare) seinen dritten Tageserfolg erreicht.

Der mit großen Erwartungen gestartete Andreas Klöden (Cottbus/Astana) war auf der vorletzten Etappe am Samstag völlig entkräftet vom Rad gestiegen. Bereits in der Nacht hatte er unter Fieber und Schüttelfrost gelitten. Für die einzigen beiden deutschen Etappensiege sorgten zwei bei ausländischen Rennställen aktive Profis: Andre Greipel (Hürth/High Road) gewann den Sprint der 17. Etappe, einen Tag später setzte sich der Berliner Jens Voigt (CSC) nach einer fast 40km langen Soloflucht durch.

Holczer: "Man muss sich überlegen, was man den Fahrern zumuten kann"

Die deutschen Teams Milram und Gerolsteiner beendeten die Rundfahrt daher mit gemischten Gefühlen. Während Milram-Teamchef Gerry van Gerwen den Einsatz seiner Fahrer lobte, schimpfte Hans-Michael Holczer vom Team Gerolsteiner auf die Rennorganisatoren. "Man muss sich wirklich überlegen, was man den Fahrern in drei Wochen alles zumuten kann", sagte Holczer mit Blick auf die sehr schwere Strecke und die Transfers nach den Etappen.

Die Eifel-Equipe, von der lediglich Johannes Fröhlinger (Gerolstein) und Sven Krauß (Herrenberg) das Ziel in Mailand erreichten, sei dennoch eine klasse erste Hälfte gefahren und habe das Rosa Trikot etwas unglücklich verpasst. Matthias Ruß (Oberried) hatte als Zweiter der Gesamtwertung einige Tage an der Gesamtführung geschnuppert. "In der zweiten Hälfte haben wir dann dem mörderischen Parcours Tribut gezollt", meinte Holczer.

Auch der Fall Moletta habe nicht zur Steigerung der Teammoral beigetragen. Bei einer Polizeikontrolle wurden in einem Auto, in dem der Vater von Gerolsteiner-Profi Andrea Moletta saß, 82 Packungen des Potenzmittels Viagra gefunden. Das Mittel steht zwar nicht auf der Dopingliste, dennoch suspendierte der Rennstall seinen Fahrer bis zur Klärung des Falles. Trotz des Wirbels standen am Ende zwei zweite Plätze durch Robert Förster (Markkleeberg) und Fröhlinger zu Buche.

Milram-Manager lobt Zabel

Van Gerwen lobte vor allem seinen Routinier Erik Zabel (Unna), der auf der dritte Etappe auf Platz zwei gesprintet war. Zabel war nach der Trennung des Rennstalls von Alessandro Petacchi ohne spezielle Vorbereitung und noch von den Blessuren der Frühjahrsklassiker geplagt an den Start gegangen. "Erik war eigentlich noch nicht fit für einen Renneinsatz, doch er hat es sehr professionell gemacht. Chapeau."