2008.06.04 Neuss : Vier Metropolen im "Ringkampf" um Olympia 2016

Chicago, Madrid, Rio de Janeiro und Tokio gehen als offizielle Kandidaten ins Finale um die Olympischen Sommerspiele 2016. Das gab das Internationale Olympische Komitee bekannt.

pk
Vier Städte wollen die olympischen Ringe 2016 beheimaten

Der "Ringkampf" um Olympia 2016 geht in die Endrunde: Chicago, Madrid, Rio de Janeiro und Tokio gehen als offizielle Kandidaten ins Finale um die Sommerspiele. Von den sieben Bewerbern sind dagegen Baku (Aserbaidschan), Doha (Katar) und Prag in der "technischen Vorauswahl" gescheitert. Diesen Beschluss der Exekutive gab IOC-Pressechefin Giselle Davies am Mittwoch in Athen bekannt. Ursprünglich hatte IOC-Präsident Jacques Rogge persönlich vor die Mikrofone treten wollen.

Vorausgegangen waren heiße Diskussionen in der 15-köpfigen IOC-Exekutive, darunter auch IOC-Vize Thomas Bach, die offensichtlich Spuren hinterlassen hatten. Es ging um die Zulassung von Doha, der Hauptstadt des Ölscheichtums Katar.

In der Bewertung einer Arbeitsgruppe unter IOC-Direktor Gilbert Felli hatte Doha hinter Tokio und Madrid Platz drei gemeinsam mit Chicago und vor Rio belegt. Doch die Mehrheit der Exekutive wollte das IOC nicht dem Verdacht aussetzen, man könne "die Spiele kaufen". Im arabischen Lager war die Enttäuschung riesig.

Im Gegensatz zu den Spielen 2012, als sich London gegen Paris, Madrid, New York und Moskau durchsetzte, kommt es damit für 2016 nur zu einem Vierkampf um das größte Sportereignis der Welt. Die Entscheidung fällt auf der 121. IOC-Session am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen.

Am Weiterkommen von Chicago, Madrid und Tokio bestanden schon zuvor keine Zweifel. Rio hatte sich als Ausrichter der PanAm-Games 2007 besser als erwartet geschlagen. Zudem steigt die Zahl der IOC-Mitglieder, die Südamerika erstmals als Olympia-Schauplatz sehen wollen.

Während Baku und Prag erwartungsgemäß auf der Strecke blieben, war das Aus für Doha bis zuletzt umstritten. Baku scheiterte mangels nötiger Infrastruktur, die tschechische Metropole an der Weigerung ihrer Regierung zur Abgabe finanzieller Garantien. An der ersten Hürde war auch Leipzig beim Anlauf für 2012 gescheitert.

Europas Chancen sind eher gering

Für Doha sprach die erfolgreiche Ausrichtung der Asien-Spiele 2006, dagegen das geringe Zuschauerpotenzial. Nur 400.000 Einwohner leben in der Metropole, in ganz Katar nur eine Million. Zudem hätte der vorgeschlagene Oktober-Termin für die Spiele - um der größten Hitze zu entgehen - viele Weltverbände aus dem Wettkampfrhythmus gebracht.

Als Favorit für 2016 gilt weiter Chicago, weil die USA zuletzt 1996 mit Atlanta Gastgeber von Sommerspielen waren. Europas Chancen scheinen nach London 2012 gering. Deshalb hatte sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auch zur Konzentration auf eine Bewerbung um die Winterspiele 2018 mit München entschlossen.

Für Tokio (Gastgeber 1964) dürfte es ebenfalls schwer werden, acht Jahre nach Peking die Spiele erneut nach Asien zu holen. Dagegen trauen immer mehr Beobachter Rio eine Überraschung zu.