2008.06.05 Neuss : Harnik: "Gegner nicht schlecht, aber machbar"

Der österreichische Stürmer Martin Harnik hat seine Probleme überwunden und geht selbstbewusst in die EURO. "Mindestens ins Viertelfinale" will der Profi von Werder Bremen kommen.

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Martin Harnik

Stürmer Martin Harnik sieht für Co-Gastgeber Österreich durchaus Chancen auf eine erfolgreiche EURO. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) äußert sich der Profi von Bundesligist Werder Bremen zu seinen Schwierigkeiten im Training, seiner persönlichen Zukunft und den Aussichten für die Österreicher.

sid: "Martin Harnik, noch zu Wochenbeginn sah man Sie schlecht gelaunt beim Training über den Platz schleichen. Was war los?"

Martin Harnik: "Ich war unzufrieden mit mir. Die Einstellung war da und ich wusste, worum es geht. Aber ich hatte Probleme, zum Beispiel beim Torabschluss. Ich musste mich steigern."

sid: "Hat das geklappt?"

Harnik: "Ja. Vor dem Tor bin ich wieder konsequenter. Das hat schon im letzten Testspiel gegen Malta mit dem Treffer und dem Elfmeter, den ich rausgeholt habe, wieder gut funktioniert. Nur im Training lief es gar nicht, und ich wusste auch nicht, warum."

sid: "Was hat die Wende gebracht?"

Harnik: "Ich hatte ein Gespräch mit unserem Teamchef Josef Hickersberger, der zurecht meine Trainingseinstellung bemängelt hat. Ich habe ihn gefragt: 'Was soll ich tun?' Aber ich habe ihm auch gesagt: 'Im Spiel können Sie sich auf mich verlassen - hundertprozentig'."

sid: "Wie wichtig ist es für Sie, am Sonntag beim EM-Auftakt gegen Kroatien in Wien zu spielen?"

Harnik: "Für meine Position im Klub wäre es wichtig, wenn ich mich hier durchsetze. Aber letztlich ist es auch egal, ob ich mich für Werder oder einen anderen Klub empfehle."

sid: "Gibt es denn Angebote?"

Harnik: "Dazu kann ich nichts sagen. Vom Interesse von Neapel habe ich beispielsweise nur aus der Zeitung erfahren. Aber es hört sich für mich schon sehr attraktiv an."

sid: "Heißt das, Sie wollen Bremen verlassen?"

Harnik: "Ich muss abwarten, ob Werder noch einen Angreifer holt. Wenn das nicht der Fall ist, ist meine Situation als vierter Stürmer durchaus in Ordnung. Wir sind in drei Wettbewerben, da werde ich schon genügend Spielpraxis bekommen."

sid: "Zunächst steht für Sie die EM an. Spüren Sie Vorfreude?"

Harnik: "Ja, die Stimmung ist super und wir können kaum noch erwarten, dass es endlich losgeht. Aber ich bin auch froh, wenn der ganze Trubel vorbei ist und ich in den Urlaub darf, um abschalten zu können. Die EM macht dich kaputt - physisch und psychisch."

sid: "Kroatien ist Ihr erster Gegner. Haben Sie überhaupt eine Chance?"

Harnik: "Kroatien hat eine sehr gute Mannschaft, aber bestimmt keine bessere als wir. Unsere Gegner sind alle nicht schlecht, aber auch alle machbar. Ich hoffe, dass wir mindestens ins Viertelfinale kommen."

sid: "Trainer Hickersberger sprach von Disziplinlosigkeiten in der Mannschaft. Könnten diese den Erfolg gefährden?"

Harnik: "Es ist einmal ein Spieler zu spät gekommen. Das kann passieren, darüber sollte man hinwegsehen. Der Teamchef hat ein Signal an die Mannschaft gesendet, und wir werden seine Vorgaben jetzt alle einhalten."

sid: "Die Vertagung der Torhüter-Entscheidung sorgte in den Medien für Unruhe. Gilt das auch für die Mannschaft?"

Harnik: "Nein, das ist überhaupt kein Problem für uns. Alle drei Keeper stehen voll im Saft und sind bereit zu spielen. Da könnte sich der Teamchef auch erst unmittelbar vor dem ersten Spiel entscheiden."

sid: "Sie könnten am Sonntag auf Ihren Bremer Teamkollegen Ivan Klasnic treffen, am letzten Spieltag ist ein Duell gegen Per Mertesacker möglich. Gibt es schon Frotzeleien?"

Harnik: "Ivan hat schon mal zwei Tore gegen uns geschossen und erzählt auch zwei Jahre danach noch ständig davon. Wir versuchen, ihm am Sonntag ein Bein zu stellen. Mit Per habe ich diese Woche schon telefoniert, da ging es aber nur um Privates. Wenn wir gegen Deutschland spielen, hoffe ich, dass wir beide schon in der nächsten Runde sind. Dann wird das ein lockeres Unentschieden."