2008.06.05 Neuss : Löw zufrieden und voller Zuversicht

Joachim Löw ist mit dem Leistungsstand der deutschen Nationalspieler drei Tage vor dem EM-Auftakt gegen Polen sehr zufrieden und spürt bereits, "dass die Konzentration wächst".

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Joachim Löw verbreitet Vorfreude und Optimismus

Seit acht Jahren hat die deutsche Nationalmannschaft bei Europameisterschaften nur Blamagen erlebt - am Sonntag soll die schwarze EM-Serie nun endlich der Vergangenheit angehören. Bundestrainer Joachim Löw und sein Team strotzen vor dem Auftaktspiel in Klagenfurt gegen Polen (Sonntag, 20.45 Uhr/live im ZDF) vor Selbstvertrauen, den ersten Erfolg seit dem 30. Juni 1996 zu landen.

Löw sieht "Hartnäckigkeit und Leidenschaft"

"Die Mannschaft macht einen sehr guten Eindruck. Der Optimismus bei uns ist absolut vorhanden. Unser erstes Ziel ist ein guter Auftakt mit einem Sieg. Man spürt, dass die Konzentration förmlich auf dieses Spiel ausgerichtet ist und wächst", sagte Löw am Donnerstag im Trainingsquartier in Ascona und fügte vor "dem schwersten Turnier, das es gibt" an: "Ich spüre bei den Spielern, die Hartnäckigkeit und Leidenschaft, etwas erreichen zu wollen." Dies habe man selbst beim 8:0 in einem Trainingsspielchen am Mittwochabend gegen eine Tessiner Jugendauswahl deutlich gesehen.

Seine Zuversicht gründet Löw darauf, dass "die Mischung stimmt" und dass bei seinen Leistungsträgern in den letzten Tagen "eine enorme Steigerung" zu sehen gewesen sei: "Einige machen einen hervorragenden Eindruck." Allerdings habe man nur dann Chancen auf den vierten EM-Titel, "wenn wir auf einem ganz hohen Niveau spielen".

Sonderlob für Klose und Frings

Dies sieht der Bundestrainer bereits bei seinem Kapitän Michael Ballack ("Er ist in sehr guter Form"), zudem stellte er Torsten Frings und Miroslav Klose heraus: "Ich muss Torsten ein Kompliment machen, mit welcher Kraft er nach einer schwierigen Saison die Einheiten bewältigt. Auch Miro ist in einer hervorragenden körperlichen Verfassung, wie ich sie bei ihm schon lange nicht mehr gesehen habe. Man spürt seine Dynamik und Zielstrebigkeit."

Auch beim im Trainingslager auf Mallorca angeschlagenen Mario Gomez und bei Christoph Metzelder hat Löw Fortschritte beobachtet: "Christoph macht einen guten Eindruck, da sehe ich keine Probleme." Deshalb ist auch davon auszugehen, dass der lange Zeit verletzte Profi von Real Madrid, der wegen seiner mangelnden Spielpraxis zuletzt ein Unsicherheits-Faktor in der deutschen Abwehr war, zusammen mit Per Mertesacker die Innenverteidigung bildet.

Grundsätzlich wollte Löw, dem alle Spieler seines 23-köpfigen EM-Kaders zur Verfügung stehen, am Donnerstag noch nichts zur Aufstellung sagen. "Wir werden in den nächsten Tagen noch einmal alles genau beobachten. Die Entscheidung wird dann am Samstagabend fallen", meinte er lapidar. Momentan scheinen aber nur noch zwei Plätze umkämpft - einer im Angriff, einer im Mittelfeld. Dabei hängt wohl viel von Lukas Podolski ab.

Podolski "eine sehr gute Option"

Bildet der Münchner Stürmer zusammen mit Klose den schon bei der WM erprobten Angriff, dann würde zunächst Mario Gomez auf der Bank bleiben. Aber es sei auch "eine sehr gute Option" (Löw), Podolski im linken Mittelfeld aufzubieten. Dann würde möglicherweise Bastian Schweinsteiger, den der Coach jedoch noch nicht in allerbester Form sieht, nach rechts rücken und Clemens Fritz aus der Startelf fallen. Eventuell ist Podolski aber selbst zunächst nur Ersatz und Gomez stürmt stattdessen.

Offen wollte Löw auch noch lassen, wie hinter seiner Nummer eins Jens Lehmann die Rangfolge aussieht, ob Rene Adler und Robert Enke der erste Ersatzkeeper ist: "Alle können auf der Bank sitzen, und alle können auch eingewechselt werden. Ich werde das noch mit Andreas Köpke besprechen, wie und wann wir eine Rangliste festlegen."

Zwar hat Löw bei den Polen seit dem 1:0-Vorrundenerfolg bei der WM 2006 "eindeutige Fortschritte" ausgemacht, doch allzu sehr will er sein Team nicht mit dem Gegner belasten. In den kommenden Tagen stehen noch einige Videosequenzen über das Verhalten in Abwehr, Mittelfeld und Angriff an, berichtete er. Bis Freitag werden Ballack und Co. dann mit allen notwendigen Infos über die Polen versorgt, "danach beschäftigen wir uns aber fast ausschließlich mit unserer Mannschaft und damit, wie wir unsere eigene Marschroute durchziehen".

Spielanlage und Spielweise verbessert

Sein Team sieht er seit der WM 2006 mit "Fortschritten in der Spielanlage und Spielweise. Ich habe das Gefühl, dass wir die taktischen Vorgaben durchbringen können und in der Lage sind, zu agieren und nicht nur zu reagieren."

Dies hat auch Philipp Lahm vor seinem dritten Turnier festgestellt: "Wir haben uns sehr weiterentwickelt. Unser Spiel ist reifer, organisierter und mit mehr Ordnung. Der Anschluss zu den Topnationen ist kleiner geworden."