2008.06.07 Neuss : Schweiz fiebert "historischem Moment" entgegen

Das Warten hat ein Ende: Mit der Begegnung zwischen Gastgeber Schweiz und Tschechien beginnt heute die EM. "Wir sind bestens vorbereitet", versprach Trainer Köbi Kuhn den Fans.

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Alexander Frei (l.), Kapitän der Schweiz, freut sich auf den Auftakt

"Hopp Schwiiz" lautet der eindeutige Appell zum Sturm auf Europas Fußball-Gipfel. Die 7,6 Millionen Einwohner der Alpenrepublik fiebern mit ihrer "Nati", denn der erste Sieg bei einer EM im Eröffnungsspiel am heutigen Samstag (18.00 Uhr/live im ZDF) in Basel gegen Tschechien soll der Beginn von ihrem "Sommermärli" und Initialzündung für die ersehnte EURO-Euphorie sein. "Wir sind bereit für ein großes Spiel und historischen Moment für unser Land, von dem wir noch unseren Kindern und Enkeln erzählen werden", sagte Kapitän Alexander Frei.

Die Motivation des eidgenössischen Nationalteams vor dem ersten Auftritt beim weltweit drittgrößten Sportereignis könnte größer kaum sein - aber auch der Druck. Denn bei den bisherigen EM-Teilnahmen 1996 und 2004 bekleckerten sich die Schweizer nicht mit Ruhm. Zwei Unentschieden, vier Niederlagen bei 2:10 Toren lautet die bescheidene Bilanz aus insgesamt sechs Vorrundenspielen. Und angesichts der übrigen Gruppengegner Türkei (11. Juni) und Portugal (15. Juni) stehen die Chancen des derzeit Weltranglisten-44. allenfalls 50:50.

"Der Funke muss von uns rüberspringen"

"Wir haben keine Weltstars, aber ein gut funktionierendes Team. Wir sind bestens vorbereitet, um unseren besten Fußball zu spielen", sagte Trainer Köbi Kuhn vor seinem letzten großen Turnier. Dabei hoffen die Schweizer auf ihren Heimvorteil und die Fans in Basel, der fußball-verrücktesten Schweizer Stadt. "Der Funke muss jedoch von uns rüberspringen", erklärte der "Nati"-Rekordtorjäger Frei (35 Treffer) von Borussia Dortmund vor seinem 60. Länderspiel.

Der 29-Jährige strotzt wie seine Teamkollegen vor Selbstbewusstsein. Trotz der holprigen Vorbereitung mit zahlreichen Verletzungen, dem überraschend angekündigten Rücktritt von Marco Streller nach der EM und der schweren Erkrankung von Kuhns Ehefrau Alice am vergangenen Montag geben sich die EM-Gastgeber gelassen. "Solche Vorkommnisse wecken Solidarität und können auch zusammenschweißen", meinte der 64-Jahre alte "Nati"-Coach.

Alle Mann an Bord

Kuhn verbreitet vor dem Auftaktspiel des zweitjüngsten Turnierteams (26,3 Jahre im Schnitt) - hinter Russland (26,1) - grenzenlosen Optimismus und ließ sich für ein Boulevard-Blatt mit dem Pokal der Europäischen Fußball-Union (UEFA) fotografieren. Zumal sich zumindest seine sportlichen Sorgen im Laufe der Woche erledigten. Denn sowohl der angeschlagene Publikumsliebling Tranquillo Barnetta (Bayer Leverkusen) als auch Frankreich-Legionär Patrick Müller (Olympique Lyon) gaben rechtzeitig grünes Licht für ihren Einsatz.

Ohne den dauerverletzten Mittelfeld-Star Tomas Rosicky (FC Arsenal) ist Tschechiens Trainer-Fuchs Karel Brückner zur Improvisation gezwungen. "Rosicky ist nicht eins zu eins zu ersetzen. Wir müssen versuchen, den Verlust so gut wie möglich aufzufangen", sagte der 68-Jährige. Darüber hinaus meldete sich Zdenek Pospech (FC Kopenhagen) während der Woche mit einer Virusinfektion und hohem Fieber krank.

Koller soll es richten

Die Tschechen, die in der Qualifikation Platz eins vor Deutschland belegten, vertrauen ihrer eingespielten Defensive und Torjäger Jan Koller. Der 2,02m lange und 100kg schwere Stürmer vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg erzielte bislang in 87 Länderspielen 54 Tore und bereitet den Schweizern die meisten Kopfschmerzen. Dazu Kuhn: "Eine Manndeckung wird es für ihn dennoch nicht geben."

Auf der Gegenseite warnt der Nürnberger Tomas Galasek vor Frei, "weil er so ungemein torgefährlich ist". Kapitän Tomas Ujfalusi lässt sich nicht beirren und erinnert an die eigenen Stärken: "Die Siege in den Tests gegen die Slowakei und Schottland haben es gezeigt: Wir haben es drauf." Und auch der Hexenkessel im mit 42.500 Zuschauern ausverkauften St. Jakob-Park lässt den Routinier vom AC Florenz kalt. "Denn der Druck lastet vor eigenem Publikum auf den Schweizern."