2008.06.08 Neuss : Kroatien reicht ein Elfmeter-Tor gegen Österreich

Kroatien hat Österreich im Auftaktspiel der "deutschen" EM-Gruppe B 1:0 (1:0) besiegt. Spielmacher Luka Modric verwandelte bereits in der vierten Minute einen Foulelfmeter.

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Jubel beim kroatischen Team

Gastgeber Österreich hat seine EM-Premiere verpatzt und steht schon nach dem ersten Gruppenspiel bei der EURO 2008 mit dem Rücken zur Wand: Im Auftaktduell kassierte die Auswahl von Teamchef Josef Hickersberger in der deutschen Gruppe B gegen Kroatien in Wien eine verdiente 0:1 (0:1)-Niederlage und blieb den Beweis der EM-Tauglichkeit lange schuldig. Der kroatische Jungstar Luka Modric (4., Foulelfmeter) erzielte das entscheidende Tor.

Stranzl: "Es geht weiter"

"Es geht weiter, nun müssen wir gegen Polen Vollgas geben und drei Punkte holen", sagte der österreichische Abwehrspieler Martin Stranzl. Über weite Strecken mussten die Österreicher als 92. der FIFA-Weltrangliste die technische und läuferische Überlegenheit des WM-Dritten von 1998 klar anerkennen.

Über weite Strecken mussten die Österreicher als 92. der FIFA-Weltrangliste die technische und läuferische Überlegenheit des WM-Dritten von 1998 klar anerkennen. Während der Mitgastgeber Schweiz am Samstag unglücklich mit 0:1 gegen Tschechien den Kürzeren gezogen hatte, ging der Erfolg der Kroaten gegen die bisweilen überforderten Österreicher in Ordnung.

Entsprechend machte sich im österreichischen Lager Ernüchterung breit: Vor den weiteren Gruppenspielen gegen Polen (12. Juni) und Deutschland (16. Juni) sind die Aussichten des Gastgebers aufs Erreichen des Viertelfinales schon auf ein Minimum geschwunden.

Vor 51.428 Zuschauern im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion mussten die Hausherren schon in der vierten Minute den ersten Schock verdauen. Nach einem Foulspiel von Rene Aufhauser am Hamburger Bundesliga-Profi Ivica Olic verwandelte Modric zum 1:0 für die Kroaten, die von 20.000 Fans frenetisch gefeiert wurden.

"Die letzten 30 Minuten haben gezeigt, dass der österreichischen Fußball besser wird. Für ihren Einsatz und ihre Leidenschaft hätte die Mannschaft mehr verdient als eine Niederlage", kommentierte Hickersberger. Entscheidend sei der frühe Rückstand gewesen, "dadurch hatte es die Mannschaft schwer, ihr eigenes Spiel durchzusetzen".

In der Anfangsphase bestätigten die Österreicher die Befürchtungen vieler Experten, dass sie bei diesem Turnier deutlich überfordert sein könnten. Die Hickersberger-Schützlinge wirkten nicht spritzig, zweikampfschwach und ohne Esprit im Spielaufbau. Die Kroaten, die mit den vier Bundesliga-Profis Olic, Mladen Petric, Robert Kovac (beide Dortmund) und Josip Simunic (Berlin) in der Anfangsformation angetreten waren, bestimmten klar das Geschehen.

Sie versäumten es aber, angetrieben vom überragenden Olic, die Führung auszubauen. Der HSV-Stürmer sorgte nicht nur immer wieder für Torgefahr, sondern war stets anspielbar und lieferte sich packende Zweikämpfe mit dem häufig überforderten England-Legionär Emanuel Pogatetz, der nach einem Foulspiel an Olic (29.) eigentlich die Gelb-Rote Karte hätte sehen müssen.

Ein Freistoß von Darijo Srna (14.), Olic (16.) und ein Volleyschuss von Petric (35.) waren die besten Offensivszenen für die Kroaten, die in der EM-Qualifikation durch ein 3:2 in London das Fußball-Mutterland England eliminiert hatten.

Erst in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit kam die rot-weiß-rote Mannschaft besser auf. Simunic (40.) musste nach einer Hereingabe des Bremers Martin Harnik in höchster Not klären. Ein Kopfball von Joachim Standfest (42.) verfehlte allerdings klar das kroatische Tor.

Immerhin konnten die Österreicher 18 Jahre nach dem letzten Sieg bei einem großen Turnier (2:1 gegen die USA bei der WM 1990 in Italien) die Partie im zweiten Durchgang offener gestalten. "Wir hatten zu Beginn etwas Pech und sind schnell in Rückstand geraten. Danach hat sich die Mannschaft aber wieder ins Spiel gekämpft", kommentierte Co-Trainer Andreas Herzog in der Halbzeit.

Vor allem die Einwechslung von Altstar Ivica Vastic (61.) wirkte belebend, ebenso die herreinnahme des künftigen Frankfurters Ümit Korkmaz (69.). Zumindest in der Schluss-Viertelstunde drängte Austria mit Leidenschaft auf den Ausgleich. Die beste Chance, ein Kopfball von Norwegen-Legionär Roman Kienast, flog in der dritten Minute der Nachspielzeit aber knapp neben das Tor von Stipe Petlikosa.