2008.06.08 Neuss : Ümit Korkmaz: "Werden einschlagen wie eine Bombe"

Beim EM-Auftaktspiel glaubt Österreich an seine Chance und will Gegner Kroatien überraschen: "Wir werden einschlagen wie eine Bombe", versprach der Neu-Frankfurter Ümit Korkmaz.

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Vor dem EM-Auftakt gegen Kroatien teilt Ümit Korkmaz beim Säbelrasseln kräftig aus

Optimismus beim Bundeskanzler, große Zuversicht bei der Mannschaft und verhaltene Euphorie bei den Fans: Der krasseste Außenseiter der EM-Geschichte wird frech. "Ich stehe hinter unserer Nationalmannschaft", sagt der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer stellvertretend für 8,4 Millionen urplötzlich doch noch hoffnungsvolle Landsleute. Das neue Selbstvertrauen des einstigen Prügelknaben soll am heutigen Sonntag in Wien der erste Gegner Kroatien zu spüren bekommen (18.00 Uhr/live im ZDF).

"Die brauchen nicht glauben, dass sie nach Wien kommen und da einfach so drei Punkte abholen werden. Das wird ein ganz heißer Kampf. Die Kroaten haben eine gute, aber keine Wundermannschaft", sagt Teammanager Andreas Herzog am Samstag und heizte die Stimmung damit weiter an. Die internen Querelen um Disziplinlosigkeiten und die lange offene Torwartfrage scheinen ebenso vergessen wie die landestypischen Selbstzweifel.

"Wir wissen, wie die Kroaten zu knacken sind, und sind bei der EM für eine Überraschung gut. Die Siegchance liegt bei 40 Prozent", sagte Trainer Josef Hickersberger. Der Kirchenbesuch vor dem Spiel habe nichts mit Angst zu tun: "Ich brauche keine Stoßgebete." Auch die Mannschaft glaubt an sich, der künftige Frankfurter Ümit Korkmaz versprach den Fans: "Wir werden einschlagen wie eine Bombe."

Die Hoffnung auf einen EURO-Coup wird sich wahrscheinlich auch in der Mannschaftsaufstellung niederschlagen. Trainer Hickersberger lässt sich zwar nicht in die Karten schauen, doch Kapitän Andreas Ivanschitz hat sich vor der Abreise in die Hauptstadt verplappert. Natürlich gehe er "fest davon aus", dass "Hicke" mit zwei Spitzen beginnen wird, also im mutigen 3-5-2-System. Neben Roland Linz wird wohl der 21 Jahre alte Senkrechtstarter "Jimmy" Hoffer stürmen.

Bilic: "Wir sind stark genug, um das Turnier zu gewinnen"

Auch die Torhüterfrage ist geklärt, die Öffentlichkeit wollte Hickersberger von seiner Entscheidung aber nicht unterrichten. In den Medien gilt Jürgen Macho als Gewinner des Duells mit Alexander Manninger.

Die Kroaten lässt die Vernebelungstaktik allerdings kalt. "Das interessiert mich nicht, das ist mir alles egal. Die sollen sich mal nach uns richten", sagte Trainer Slaven Bilic. Die Aufstellung seiner Mannschaft hat er am Samstag bei der Pressekonferenz verlesen.

Das Ego des selbsternannten Titelfavoriten ist groß. "Wir sind stark genug, um das Turnier zu gewinnen", sagt Bilic. Daran änderten weder die schwachen Testspiele noch der Ausfall von Topstürmer Eduardo etwas. "Auch ohne ihn sind wir besser als Österreich und gut genug, um große Dinge zu verrichten", sagt er.

Die Hoffnungen der Österreicher, mit dem pfeilschnellen Hoffer durch die "unbewegliche kroatische Innenverteidigung" (Ivanschitz) pflügen zu können, ernteten nur Spott. "Wenn es einen Österreicher gibt, der ein besserer Techniker ist als ich, soll er sich bei mir melden", höhnte Abwehrspieler Josip Simunic.

Vergessen sind die Warnungen, die Bilic vor einigen Tagen noch aussprach ("Österreich kann dich massakrieren, sie springen dir auf den Kopf"), vergessen die Negativserie bei Turnieren mit zuletzt drei vorzeitigen Heimreisen. "Gegen Kroatien ist keine Mannschaft favorisiert", sagte Mittelfeldstar Luka Modric und Simunic meinte noch: "Österreich hat keine Chance."