2008.06.10 Neuss : Rehhagels Hellenen starten gegen Schweden

Gegen Schweden startet Europameister Griechenland heute (20.45 Uhr) ins Unternehmen Titelverteidigung. "Bei uns muss einfach alles stimmen", sagt Coach Otto Rehhagel.

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Titelverteidiger: Otto Rehhagel und Griechenland

Mit ganz breiter Brust und unerschütterlichem Vertrauen in Volksheld "Rehakles" startet Griechenland ins Unternehmen Titelverteidigung, doch Otto Rehhagel bleibt zurückhaltend. "Wir sind 2004 Europameister geworden, haben aber 2006 die WM-Qualifikation verpasst. Favoriten sind für mich Italien, Frankreich oder auch Deutschland. Bei uns muss einfach alles stimmen, dann hoffe ich, dass wir mitspielen können", sagte der Trainer der Griechen am Montag.

Vor dem ersten Auftritt bei einem großen Turnier seit dem EM-Triumph in Lissabon vor vier Jahren heute gegen Schweden (20.45 Uhr/live in der ARD) war "König Otto" bei seiner ersten Pressekonferenz seit Ankunft des Teams am 3. Juni voll in seinem Element.

Auf eine Frage nach einer möglichen Taktik gegen die Schweden antwortete Rehhagel: "Natürlich verrate ich keine Taktik oder Aufstellung, aber ich könnte es auch gar nicht. Ich trainiere immer so, dass ich selbst nicht weiß, wer spielt. Ich entscheide mich immer erst am Spieltag."

Wichtig für sein Team, wer immer auch spiele, sei ausschließlich, körperlich topfit zu sein und die Möglichkeiten zu nutzen. "Für mich war nur wichtig, dass alle Spieler gesund sind und ich die Auswahl habe. Dass es so gekommen ist, darüber bin ich froh", erklärte Rehhagel.

Angst vor dem künftig wohl bestbezahlten Fußballer der Welt, Schwedens Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic, kennen Rehhagels Spieler nicht. "Die Frage lautet nicht, wie wir Ibrahimovic stoppen, sondern wie die Schweden uns stoppen", erklärte Stürmer Georgios Samaras von Celtic Glasgow.

Den Glauben an die eigene Stärke hat Rehhagel allen seinen Spielern eingetrichtert, auch wenn der Trainer-Fuchs immer noch kein Wort Griechisch spricht. Seine Mannschaft versteht ihn und seine Handzeichen inzwischen auch so, zumal der Kern des Teams immer noch aus den EM-Helden um Siegtorschütze Angelos Charisteas besteht. Dazu holte Rehhagel in den beiden Frankfurtern Ioannis Amanatidis und Sotirios Kyrgiakos sowie Theofanis Gekas noch drei weitere Bundesliga-Profis in seinen Kader.

Seine Spieler vertrauen Rehhagel blind. "Vor uns liegt eine neue Aufgabe und ein neues Turnier. Wir sind bereit, es wieder erfolgreich zu bestreiten", sagte Abwehrchef Traianos Dellas deshalb voller Zuversicht.

Die Hellenen bauen vor allem auf ihre sichere Defensive, wie vor vier Jahren. Seit insgesamt 358 Minuten sind sie ohne EM-Gegentreffer. Und nach dem Verpassen der WM 2006 in Deutschland hatten sie sich mit den meisten Punkten aller Mannschaften (31) für die EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz qualifiziert. Personelle Probleme gibt es nicht, nachdem Georgios Karagounis, Rehhagels Schlüsselspieler im Mittelfeld, seine Knieprobleme wohl rechtzeitig auskuriert hat.

Bei den Schweden ruhen die Hoffnungen vor allem auf Ibrahimovic. Der 26 Jahre alte Superstar, der nach seiner Vertragsverlängerung bei Inter Mailand künftig zwölf Millionen Euro pro Jahr verdienen wird, wartet allerdings bei den Tre Kronor seit 13 Spielen und Oktober 2005 auf seinen 19. Treffer - was ihn aber nicht wirklich stört.

"Ich bin schließlich auch dazu da, für andere Möglichkeiten herauszuarbeiten. Und in der Nationalmannschaft zählt es in erster Linie, kompakt zu stehen. Das ist unser Spiel, und ich bin mir nicht zu schade, alles fürs Team zu geben", sagte der 1,92 Meter große Sohn jugoslawischer Einwanderer, der zum Meistertitel von Inter 17 Tore in 26 Spielen beigesteuert hatte.