2008.06.10 Neuss : Überragendes "Oranje" zerlegt Weltmeister Italien

Italien hat bei der EM einen kapitalen Fehlstart hingelegt. Der Weltmeister unterlag grandiosen Niederländern nach Toren von van Nistelrooy, Sneijder und van Bronckhorst 0:3 (0:2).

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Wesley Sneijder dreht nach dem Treffer zum 2:0 ab

Die entfesselt aufspielenden niederländischen "Oranje"-Stars haben Weltmeister Italien bei der EM entzaubert und sich selbst in die Rolle des Titelfavoriten geschossen. Mit einer Weltklasseleistung und einem wahren Angriffswirbel bezwang der Europameister von 1988 die Squadra Azzurra mit 3:0 (2:0) und feierte den ersten Sieg gegen Italien seit 30 Jahren. Für den dreimaligen Weltmeister war es die höchste EM-Pleite aller Zeiten.

Toptorjäger Ruud van Nistelrooy (26.), Geburtstagskind Wesley Sneijder (31.) und Giovanni van Bronckhorst (79.) trafen im neuen Berner Wankdorfstadion für die Holländer, die den Italienern die höchste Niederlage seit dem 15. Oktober 1983 zufügten (0:3 gegen Schweden). Die Kombinationssicherheit und Zielstrebigkeit der Niederländer erinnerte phasenweise an den "totaal voetbal" der 70er Jahre.

Matchwinner Sneijder, der am Montag 24 wurde und das 1:0 vorbereitete, war folgerichtig hochzufrieden. "Ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass wir so ins Turnier starten. Der Sieg gibt viel Selbstvertrauen. Wir haben gezeigt, welches Potenzial wir haben. Es ist aber noch nicht vorbei", sagte der Mittelfeldspieler.

Italien dagegen steht bereits mit dem Rücken zur Wand. "Wir haben dumme Tore kassiert und haben uns ziemlich naiv angestellt. Wir haben dafür teuer bezahlt", sagte Trainer Roberto Donadoni. Um noch eine Chance auf das Titel-Double und den zweiten EM-Titel nach 1968 zu haben, ist am Freitagabend (18.00 Uhr) im zweiten Gruppenspiel gegen Rumänien ein Sieg Pflicht. "Wir geben nicht auf", sagte der Coach. Rumänien und Frankreich hatten sich in der "Todesgruppe" C zuvor 0:0 getrennt.

Italiener gegen Rumänien in der Pflicht

Italien dagegen steht mit dem Rücken zur Wand. Um noch eine Chance auf das Titel-Double und den zweiten EM-Titel nach 1968 zu haben, ist am Freitagabend (18.00 Uhr) gegen Rumänien ein Sieg Pflicht. Rumänien und Frankreich hatten sich in der "Todesgruppe" C zuvor 0:0 getrennt.

Das Offensivtrio Sneijder, Dirk Kuyt und Rafael van der Vaart (Hamburger SV) und der stets gefährliche van Nistelrooy stellten die nach dem EM-Aus für Fabio Cannavaro neu formierte italienische Innenverteidigung in der ersten Halbzeit vor unlösbare Probleme. Die Niederlande boten Fußball der Extraklasse, kombinierten flüssig und spielten schnell in die Spitze. Der Gegner wirkte teilweise hilflos und kam erst in der Schlussphase zu klaren Torchancen.

Bayern-Star Luca Toni (11./12.) hatte zwar die ersten Möglichkeiten für Italien, das mit neun Weltmeistern von 2006 auflief. Oranje übernahm jedoch vor den Augen von Kronprinz Willem Alexander das Kommando. Van Nistelrooy scheiterte noch freistehend (18.), acht Minuten später aber fiel das 1:0.

Sneijder, der am Montag 24 wurde, zog ab, van Nistelrooy spitzelte den Ball ins Tor. Scheinbar aus Abseitsposition, doch Schiedsrichter Peter Fröjdfeldt behielt den Überblick: Christian Panucci hob das Abseits auf, obwohl er angeschlagen hinter der Torlinie lag.

Vor 31.783 Zuschauern erholte sich Italien schnell vom ersten Schock und hätte das 1:1 erzielen können, van Bronckhorst köpfte eine Ecke von Andrea Pirlo noch von der Torlinie. Im Gegenzug jedoch folgte schon der nächste Tiefschlag, Sneijder schlug eiskalt zu. Er überwand den neuen Kapitän Buffon aus kurzer Distanz, nachdem Kuyt den Ball per Kopf in den Strafraum abgelegt hatte.

Torhüter-Routinier Edwin van der Sar hatte mit dem Anpfiff bereits ein Kapitel niederländischer Fußball-Geschichte geschrieben. Der Champions-League-Sieger stellte in seinem 126. Länderspiel nationale Bestmarken für die meisten EM-Endrunden-Teilnahmen (4) und EM-Spiele (14) auf und ist nun auch der älteste niederländische EM-Spieler.

Italien brachte zunächst wenig mehr als harmlose Fernschüsse von Gianluca Zambrotta (54.) und dem recht blassen Toni (54.) zustande. Etwas mehr Offensivdrang brachte die Einwechslung von Alessandro Del Piero, der wenigstens ab und an für Unruhe sorgte (66./70). Doch der Funke sprang nicht auf seine Mitspieler über. In der 76. Minute vergab Toni völlig frei vor van der Sar.