2008.06.14 Neuss : Titelverteidiger Griechenland gescheitert

Der Europameister ist entthront. Titelverteidiger Griechenland hat auch sein zweites Gruppenspiel mit 0:1 (0:1) gegen Russland verloren und damit das Viertelfinale verpasst.

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Jubel bei den Russen, Griechen gescheitert

"König Otto" Rehhagel und seine griechischen Europameister haben ihre EM-Krone verloren. Nach dem Fußball-Wunder 2004 in Portugal ist der Titelverteidiger bei der EURO 2008 bereits nach dem zweiten Spiel der Vorrundengruppe D kläglich gescheitert. Die Griechen unterlagen Russland durch einen Treffer von Konstantin Syrjanow (33.) in Salzburg mit 0:1 (0:1) und haben damit auch theoretisch keine Chance mehr auf den Einzug ins Viertelfinale. Raus schon nach dem zweiten Gruppenspiel - so früh wie die Hellenen hat bei einer Endrunde noch kein Europameister seinen Titel verspielt.

Endspiel gegen Schweden

Die junge russische Mannschaft hat dagegen noch alle Chancen auf das Erreichen der K.o.-Runde und ein echtes Endspiel vor sich: Am kommenden Mittwoch trifft die "Sbornaja" zum Abschluss der Gruppe D auf die Schweden, die nach einem 1:2 (1:1) gegen Spanien ebenfalls drei Punkte aufweisen. Spanien steht vor der Begegnung mit Griechenland bereits als Gruppensieger fest und trifft im Viertelfinale am 22. Juni in Wien auf den Zweitplatzierten der Gruppe C: auf Rumänien, Weltmeister Italien oder Vizeweltmeister Frankreich.

In der Qualifikation für die EURO 2008 waren die Griechen mit 31 Punkten noch so erfolgreich gewesen wie keine andere Mannschaft - nach dem frühen Fiasko steht nun die Arbeit von Rehhagel, der nach dem Triumph von Lissabon vor vier Jahren schon die Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland verpasst hatte, auf dem Prüfstand. Der griechische Verband hatte den Vertrag mit dem 69-Jährigen erst kurz vor der EM bis 2010 verlängert.

Nach dem 0:2 des Titelverteidigers im Auftaktspiel gegen Russland hatte "Rehakles" reagiert und seine Mannschaft umgestellt. Paraskevas Antzas musste seinen Platz in der von fünf auf vier Spielern reduzierten Abwehr räumen, dazu Giorgios Karagounis die zentrale Mittelfeldposition und Theofanis Gekas von Bayer Leverkusen die Sturmmitte. Dafür kamen Christos Patsatzoglou für das rechte Mittelfeld und Nikolas Liberopoulos sowie Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt für den Angriff.

Die Russen, bei denen Sergej Ignatschewitsch und Dimitrij Torbinski in der Startelf Roman Schirokow und Dimitrij Sytschew verdrängten, setzten die Griechen zunächst stark unter Druck. Roman Pawljutschenko zwang Torhüter Antonis Nikopolidis bereits nach 14 Minuten zu einer ersten Glanzparade, kurz darauf schoss Dimitrij Schirkow nur knapp am Tor vorbei. Pawljutschenkos Einsatz war nach dem 1:4 im ersten Gruppenspiel gegen Spanien fraglich gewesen, den Angreifer von Spartak Moskau hatten Adduktorenproblemen geplagt.

Pawljutschenkow als Unruheherd und Chancentod

Bei Pawljutschenko war von Verletzungsproblemen allerdings vor 31.063 Zuschauern nichts zu sehen, der bullige Angreifer stiftete auch mit ständigem Ausweichen auf die Flügel stets Verwirrung bei den Griechen. In Führung gingen die Russen aber durch einen Treffer von Syrjanow (33.), nachdem ihm der starke Sergej Semak mit einem Fallrückzieher von der Torauslinie aufgelegt hatte.

Nach dem Rückstand reagierte Rehhagel ein weiteres Mal und schickte in der 40. Minute Spielmacher Karagounis für Abwehrspieler Georgios Seitaridis aufs Feld. Zielstrebiger waren aber weiterhin die Russen: Pawljutschenkow vergab in der 47., 48. und 52. Minute weitere Großchancen.

Die Griechen kämpften eher mit dem Mut der Verzweiflung um den Ausgleich. Rehhagel brachte nach einer Stunde dann doch noch Gekas als Angreifer anstelle von Liberopoulos, doch die klaren Aktionen fehlten. Amanatidis wurde in der 80. Minute ausgewechselt.