2008.06.15 Neuss : 1. FFC Frankfurt kämpft im Fernduell um den Titel

In der Frauen-Bundesliga kommt es heute zum Showdown. Der favorisierte Serienmeister 1. FFC Frankfurt kämpft im Fernduell gegen den FCR Duisburg um den Meistertitel.

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Der 1. FFC Frankfurt hat gute Chancen auf den Titelgewinn

Tränen werden heute bei den Fußballerinnen des aktuellen Spitzenreiters 1. FFC Frankfurt nach dem Saisonfinale gegen den Tabellensechsten SG Essen-Schönebeck (14.00 Uhr) auf jeden Fall fließen. Aus Freude über die siebte deutsche Meisterschaft, aus Enttäuschung über das verpasste "Triple" oder auch aus Traurigkeit über den Abschied von Trainer Hans-Jürgen Tritschoks.

Aus Sicht der Hessinnen stehen die Chancen nicht schlecht, dass es sich nach dem großen Showdown am letzten Bundesliga-Spieltag überwiegend um Freudentränen handeln wird. Denn der Titelverteidiger geht als Favorit mit einem Punkt Vorsprung und der um 18 Treffer besseren Tordifferenz in das spannende Fernduell um den Meistertitel gegen den FCR Duisburg, der zeitgleich beim Rangdritten Bayern München antreten muss.

"Wir müssen höllisch aufpassen, Essen hat eine gute Truppe"

Trotzdem mahnt Tritschoks vor seinem letzten Spiel als Frankfurter Coach vor dem formstarken Gegner aus Essen. "Natürlich haben wir eine gute Ausgangsposition und alles in der eigenen Hand. Es ist aber keine leichte Aufgabe, ganz im Gegenteil. Wir sind gewarnt, denn immerhin hat Essen in Duisburg mit 4:1 gewonnen", verwies Tritschoks auf die SG-Serie von zuletzt sechs Siegen in den vergangenen sieben Partien. Auch FFC-Torjägerin Conny Pohlers warnte ungeachtet des 7:1-Sieges in der Hinrunde: "Wir müssen höllisch aufpassen, die haben eine gute Truppe."

Auf Gastgeschenke kann der bei der Sporthochschule in Köln angestellte Sportmediziner Tritschoks, der den FFC nach vier Jahren aus beruflichen Gründen verlässt, nicht hoffen. "Ich möchte betonen, dass wir darauf brennen, eine Überraschung zu schaffen. Wir werden uns voll reinhängen", kündigte Essens Coach Ralf Agolli einen heißen Tanz im Stadion am Brentanobad an.

Duisburgs Trainerin Martina Voss jedenfalls muss voll auf die Schützenhilfe des Ruhrgebiets-Nachbarn setzen - und tut das auch. "Ich traue Essen einiges zu. Die waren in den letzten Wochen sehr stark. Wenn wir Meister werden, dann wird es auf jeden Fall eine gemeinsame Feier geben", versprach Voss, die abergläubisch ist und keinen Sekt nach München mitnehmen will.

Trainerin Martina Voss abergläubisch

Dafür setzt die Ex-Nationalspielerin darauf, dass sich Geschichte manchmal wiederholt. Direkt von München aus wird Voss in den Urlaub weiterfahren. "Das ist vielleicht ein gutes Omen, denn 1975 mit dem KBC Duisburg war es genau so. Der KBC hat gegen Bayern gewonnen, ist Meister geworden, und ich war tags darauf im Urlaub."

Die Duisburgerinnen würden aber mit einer Kopie des Meisterpokals vorliebnehmen müssen, dafür aber aus den Händen von DFB-Präsident Theo Zwanziger. Das Original steht am Sonntag satzungsgetreu beim Tabellenführer aus Frankfurt. Dort soll drei Wochen nach dem Gewinn des UEFA-Cups das zweite "Triple" nach 2002 bejubelt werden.

Allerdings war den Frankfurterinnen der Kräfteverschleiß aufgrund der Dreifachbelastung jüngst beim 1:1 in Duisburg deutlich anzumerken. Doch das "Triple" soll auch als Abschiedsgeschenk für Tritschoks dienen, für den bereits ein Nachfolger gefunden sein soll. "Es ist der richtige Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen", stellte Tritschoks unmissverständlich klar, verhehlte aber nicht: "Es tut schon ein bisschen weh, schließlich ist das auch mein Baby."

Und vielleicht wird sich am Sonntag eine weitere Persönlichkeit von der großen Bühne verabschieden. Zwei Wochen nach ihrem Abgang von der internationalen Bühne hat FFC-Torhüterin Silke Rottenberg ein generelles Karriereende ins Kalkül gezogen. Wegen einer Operation an der Zehe will die zweimalige Weltmeisterin mit dem Bewusstsein ins Spiel gehen, "dass es mein letztes sein könnte".