2008.06.15 Neuss : Audi und Kristensen haben die Nase knapp vorn

Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat Audi den fünften Triumph in Folge eingefahren. Vor mehr als 250.000 Zuschauern war der Sieg von Tom Kristensen und Co. aber denkbar knapp.

deni1
Audi feiert Sieg in Le Mans

Hauchdünner Erfolg für das Team Audi beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans: Der Däne Tom Kristensen, der den Rekord auf acht Erfolge bei dem Langstrecken-Klassiker ausbaute, triumphierte vor 258.000 Zuschauern im Audi R10 TDI zusammen mit seinen Partnern Allan McNish (Schottland) und Rinaldo Capello (Italien).

"Grandioser Zweikampf"

"Das war ein grandioser Zweikampf mit Peugeot. Wir mussten bis zur letzten Runde zittern", sagte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich und lobte die Fahrer: "Das Tempo war unglaublich hoch. Bei diesen schwierigen Bedingungen die Nerven und die Konzentration zu behalten, ist beeindruckend." Auch der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler fieberte in der Box mit und drückte die Daumen: "Es war das spannendste Rennen, an das ich mich erinnern kann." Dominator Kristensen kämpfte mit den Tränen: "Das war ein echter Audi-Tag. Es ist ein fantastischer Moment, den ich noch lange genießen werde."

Für die Ingolstädter war es der fünfte Sieg in Folge und der achte insgesamt beim wichtigsten 24-Stunden-Rennen der Welt - und das in nur neun Jahren. Das Audi-Trio hatte nach 381 Runden einen Vorsprung von einer Runde auf den ehemaligen Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve (Kanada), Nicolas Minassian (Frankreich) und Marc Gene (Spanien), die im Peugeot 908 HDI den zweiten Rang belegten.

"Alles okay, das Auto fährt noch"

Doch bis Ullrich und sein Team jubeln durften, vergingen aufregende Minuten. Zwei Stunden vor dem Rennende hing der Sieg plötzlich am seidenen Faden, nachdem ausgerechnet Kristensen beim Überrunden mit einem langsameren Konkurrenten kollidierte und sich drehte. Der Däne blieb aber cool und beruhigte sein Team über Funk: "Alles okay, das Auto fährt noch, es ist wohl nichts beschädigt."

Damit war kein zusätzlicher Boxenstopp nötig, dennoch war die Schlussphase absolut nichts für schwache Nerven. Ullrich: "Bei so einer Kollision weiß man ja nie. Es hätte jederzeit etwas am Auto kaputtgehen können. Da kann nur hoffen und beten."

Den bislang knappsten Einlauf hatte es 1966 in Le Mans gegeben, da hatten die beiden Neuseeländer Bruce McLaren und Chris Amon in ihrem Ford GT40 nach 360 Runden nur 20 Meter Vorsprung auf die Zweitplatzierten.

Audi und Peugeot setzten bei der 76. Auflage des Rennens jeweils drei 700 PS starke Diesel-Sportwagen ein. Peugeot belegte noch die Plätze drei und fünf, der deutsche Rivale folgte auf den Positionen vier und sechs. Der Peugeot war zwar wie erwartet das schnellste Auto im Feld, doch mit einsetzendem Regen am frühen Sonntagmorgen wurde der Audi nach vorne gespült.

Bisher zwei Peugeot-Heimsiege

Damit blieb den Franzosen auch im zweiten Anlauf mit einem Diesel-Auto der Erfolg beim wichtigsten 24-Stunden-Rennen der Welt verwehrt. Peugeot hat das Heimspiel bislang zweimal gewonnen: 1992 und 1993. Die beiden Diesel-Giganten haben angeblich fast 200 Millionen Euro in das Le-Mans-Abenteuer investiert.

Ebenfalls fünf Siege in Folge hatten zuvor nur Rekordsieger Porsche (16 Gesamtsiege) und Ferrari eingefahren. 2003 überließ Audi der Volkswagen-Konzerntochter Bentley - damals ebenfalls mit Audi-Technik - den Sieg.

Audi sorgte zudem für den 50. Sieg eines offenen Prototypen, Rivale Peugeot hat sich dagegen für einen geschlossenen Sportwagen entschieden. Das hat insbesondere bei Regen wegen der schlechteren Sicht Nachteile.

Regen Schlüssel des Erfolgs

Der Schlüssel zum Erfolg der Ingolstädter war der in der Nacht einsetzende Regen. Dabei beeindruckte Kristensen, der Villeneuve am frühen Morgen gegen 5.00 Uhr von der Spitze verdrängte. Dessen Teamkollege Christian Klien (Österreich), in der Formel 1 als Testfahrer bei BMW-Sauber unter Vertrag, hatte in einem weiteren Peugeot mit dem Franzosen Frank Montagny und Ricardo Zonta aus Brasilien auf Rang drei einen Rückstand von zwei Runden.

Die beiden weiteren Audi-Trios Lucas Luhr/Alexandre Premat/Mike Rockenfeller (Koblenz/Frankreich/Neuwied) und Frank Biela/Emanuele Pirro/Marco Werner (Neuss/Italien/Ermatingen) belegten mit sieben und 14 Runden Rückstand die Gesamtränge vier und sechs.

Frentzen auf Gesamtrang 16

Der ehemalige Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen verpasste den anvisierten Klassensieg nur wegen einer defekten Antriebswelle am "007" Aston Martin. Immerhin aber sah der Mönchengladbach auf Gesamtrang 16 und als Vierter der GT2-Kategorie die Zielflagge.

Mit permanenten Bestzeiten an der Spitze war der Klassiker bis zum einsetzenden Regen das schnellste Rennen in der Geschichte seit der ersten Austragung 1923. Der Rundenrekord wurde von Peugeot-Pilot Stephane Sarrazin um gleich 7,782 Sekunden unterboten.