2008.06.15 Neuss : Ballack: "Jeder 100-prozentig vom Sieg überzeugt"

Am Montag trifft Deutschland im dritten EM-Gruppenspiel auf Österreich. Vor dem entscheidenden Match um den Viertelfinaleinzug äußert sich Michael Ballack im Interview.

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Michael Ballack

Vor dem entscheidenden dritten Gruppenspiel um den Viertelfinaleinzug bei der EURO am Montag gegen Gastgeber Österreich äußert sich DFB-Kapitän Michael Ballack im Interview.

Frage: "Am Montag geht es für die deutsche Mannschaft gegen Österreich um alles oder nichts. Wie ist die Stimmung im Team?"

Ballack: "Die Situation ist angespannt. Das ist nach einem Spiel wie gegen Kroatien aber normal. Wir wissen, dass es ein heißer Tanz in einem vollen Stadion wird, in dem die Heimmannschaft frenetisch angefeuert wird. Wir sind uns auch der Gefahr bewusst, dass wir mit einer Niederlage ausscheiden. Dieser Druck ist vielleicht sogar positiv, weil er bei jedem noch ein paar Prozent mehr herauskitzelt. Wir wollen gewinnen - und jeder von uns ist davon auch hundertprozentig überzeugt. Es gibt bei einer EM zwar kein Achtelfinale, aber für uns ist das wie ein Achtelfinale. Wir müssen jetzt jedes Spiel gewinnen. Wenn wir unsere fußballerischen Vorteile ausspielen, gehen wir als Sieger vom Platz."

Frage: "Warum hat sich die Mannschaft ohne den Trainer zu einem Gespräch getroffen?"

Ballack: "Das ist nichts Besonderes. Bei solchen Gesprächen sagen auch die mal was, die sich sonst nicht zu Wort melden. Es gibt einfach gewisse Dinge, die muss man auch mal ohne den Trainer ansprechen. Fußball ist nicht immer Harmonie. Fußballersprache ist laut und auch mal unsachlich. Aber wichtig ist, dass eine Reaktion kommt. Zudem hat es ja auch Gespräche mit dem Trainer gegeben."

Frage: "Bei einer Niederlage würde auch das gesamte System Löw in Frage gestellt. Sind Sie sich darüber bewusst, dass es gegen Österreich womöglich auch um die Zukunft des Bundestrainers geht?"

Ballack: "Natürlich wissen wir, dass alles in Frage gestellt wird, wenn wir verlieren. Tatsache ist aber auch, dass die Entwicklung der Mannschaft in den vergangenen vier Jahren sehr positiv war. Die Rückschläge haben sich in Grenzen gehalten. Aber damit beschäftigen wir uns im Moment nicht, auch nicht mit der Trainerfrage."

Frage: "Sie selbst sind bei dem Turnier auch noch nicht so in Erscheinung getreten, wie man es von Ihnen erwartet hat. Sind sind möglicherweise wegen dieser hohen Erwartungshaltung an Ihre Person verkrampft?"

Ballack: "Ich spüre bei mir keine Verkrampfung. Nach einem solchen Spiel wie gegen Kroatien muss sich jeder Kritik gefallen lassen, auch ich. Wir sind alle noch nicht an unsere Leistungsgrenze angelangt und müssen uns kritisch hinterfragen. Aber man darf jetzt auch nicht alles verdammen. Gegen Polen war trotz des Sieges nicht alles toll und gegen Kroatien war auch nicht alles schlecht. Gut für uns ist, dass wir noch reichlich Luft nach oben haben."

Frage: "Sie sind mit einer Gelben Karte vorbelastet. Ist das ein Handicap für Sie?"

Ballack: "Nein. Ich werde trotzdem aggressiv in die Zweikämpfe gehen. Im Hinterkopf achte ich aber schon darauf, dass ich keine zweite Karte bekomme. Ich bin erfahren genug, um das hinzubekommen."

Frage: "Nach dem Match gegen Kroatien soll es Ärger um die Einladung der Spielerfrauen ins Mannschaftshotel gegeben haben, die angeblich die Vorbereitung auf das Österreich-Spiel stören..."

Ballack: "Wenn man gewinnt, stören solche Dinge niemand, wenn man verliert, wird so etwas ein Thema. Für uns ist das nebensächlich und völlig unwichtig."