2008.06.16 Neuss : Ballack führt Deutschland ins Viertelfinale

Deutschland hat bei der EURO das Viertelfinale erreicht. Im letzten Gruppenspiel gegen Co-Gastgeber Österreich sorgte Kapitän Michael Ballack in Wien per Freistoß für den 1:0-Sieg.

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Michael Ballack sorgt in Wien für den Siegtreffer

"Cordoba II" ist dank Michael Ballack mit Ach und Krach abgewendet, die deutsche Nationalmannschaft steht zum ersten Mal seit dem Titelgewinn vor zwölf Jahren im Viertelfinale einer EM-Endrunde. Nach ihrem schmeichelhaften 1:0 (0:0) in Wien gegen Gastgeber Österreich trifft die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei ihrer mühsamen "Bergtour" zum europäischen Fußball-Gipfel nun auf Portugal.

Die Neuauflage des "kleinen" Finales um Platz drei bei der WM 2006 findet am kommenden Donnerstag auf dem neu verlegten Rasen des St. Jakob-Parks in Basel statt (20.45 Uhr/live in der ARD). Bis dahin muss sich der spielerisch erneut schwache dreimalige Welt- und Europameister nach einer brisanten, aber niveauarmen Begegnung gegen biedere Österreicher allerdings gewaltig steigern.

Ballack-Freistoß bringt die Entscheidung

Die deutsche Mannschaft benötigte bezeichnenderweise einen allerdings fulminanten Freistoß von Kapitän Ballack, um sich in die K.o.-Runde zu kämpfen. Nach einem Foul an Philipp Lahm erzielte er unter den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel gleich nach der Pause (48.) aus 25 Metern seinen 37. Länderspiel-Treffer. In der 80. Minute verursachte der österreichische Abwehrspieler György Garics beinahe noch ein Eigentor. Danach hatte die DFB-Auswahl bei Chancen von Andreas Ivanschitz (82.) und Erwin Hoffer (84.) dann ihrerseits ein bisschen Glück.

Diese und alle anderen Ereignisse der zweiten Halbzeit musste Bundestrainer Joachim Löw von der Tribüne aus verfolgen. Dorthin waren er und Österreichs Teamchef Josef Hickesberger wegen heftiger Diskussionen mit dem Vierten Offiziellen in der 41. Minute verbannt worden. Löw nahms gelassen, schüttelte dort erst mal Bundeskanzlerin Merkel die Hand und nahm danach zwischen dem gesperrten Bastian Schweinsteiger und Teammanager Oliver Bierhoff Platz.

Im Viertelfinale wartet auf die deutsche Auswahl nun eine Mannschaft, die sich mit Siegen gegen die Türkei (3:0) und gegen Tschechien (3:1) in die Rolle des Mitfavoriten bei der EUR0 2008 gespielt hat. Bereits vor dem 0:2 mit einem B-Team gegen die Schweiz zum Abschluss der Vorrunde hatte sich das Team um Superstar Cristiano Ronaldo als Erster der Gruppe A für die K.o-Runde qualifiziert.

Schlechte Erinnerungen an EM 2000

Die bislang letzte Begegnung gegen den EM-Zweiten von 2004 hatte Deutschland am 8. Juli 2006 in Stuttgart gewonnen (3:1). Allerdings kassierte die DFB-Auswahl bei der EURO 2000 gegen eine portugiesische B-Elf auch ihre höchste Niederlage bei einer EM-Endrunde (0:3).

Obwohl auf die Tribüne verbannt, schauten Löw und Kollege Hickersberger in der Pause in den jeweiligen Kabinen vorbei, um letzte Anweisungen zu geben. Nach dem ernüchternden 1:2 im zweiten Vorrundenspiel gegen die damit als Gruppensieger fürs Viertelfinale qualifizierten Kroaten hatte Löw aber schon die Anfangsformation wie erwartet umgestellt, wenn auch lediglich auf einer Position. Für den formschwachen und zudem verletzten Marcell Jansen (Schulterzerrung) rückte Lahm auf die linke Abwehrseite, auf rechts verteidigte dafür wie bei der WM 2006 der Berliner Arne Friedrich.

Im Angriff durften erneut Miroslav Klose und Mario Gomez ran, und im Duett hätten die beiden bislang glücklosen Stürmer auch fast für eine frühe Führung gesorgt: Nach ausgezeichneter Vorarbeit von Klose brachte Gomez allerdings nur eine "Bogenlampe" fertig, Garics köpfte den Ball mit dem Hinterkopf von der Torlinie (4.). Es blieb lange die einzige Möglichkeit gegen die international drittklassigen Österreicher (92. der Weltrangliste), deren Teamchef Hickersberger beim denkwürdigen 3:2 am 21. Juni 1978 in Cordoba beteiligt war.

Gomez nach erneut schwacher Vorstellung ausgewechselt

Die stümperhaft vergebene Chance von Gomez, der in der 60. Minute nach einer erneut miserablen Vorstellung zu Recht vom Feld genommen wurde, lief für die deutsche Mannschaft nicht mehr viel. Vielmehr hatte sie große Probleme beim Spielaufbau, es fehlte an der Passgenauigkeit und an der Abstimmung. Auch der oftmals rüde angegangene Ballack war mit Ausnahme seines Treffers nicht in der Lage, Akzente zu setzen. Es dauerte bis zur 23. Minute, ehe Lukas Podolski, mit Abstrichen und neben Lahm noch der beste deutsche Spieler, mit einem Weitschuss Austria-Keeper Jürgen Macho prüfte.

Auch in der Defensiv wirkte die deutsche Mannschaft zunächst nicht sehr harmonisch. Die Österreicher kamen mit ihren einfachen, schnörkellosen Angriffen erstaunlich einfach zu guten Chancen. In der 19. Minute pflückte der aufmerksame Jens Lehmann mit beherztem Eingreifen Hoffer gerade noch den Ball vom Fuß.

Kurz darauf parierte Lehmann auch einen Weitschuss von Rene Aufhauser (23.) Der Mittelfeldspieler aus Salzburg hätte nur drei Minuten später für eine Tätlichkeit gegen Podolski die Rote Karte sehen müssen - in dieser Situation sah sich Schiedsrichter Gonzalez allerdings nicht zum Eingreifen genötigt.