2008.06.16 Neuss : Löw: "Habe die Coaching-Zone nicht verlassen"

Verwundert über seinen "Platzverweis" hat sich Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:0 der DFB-Auswahl über Österreich und dem damit verbundenen EM-Viertelfinaleinzug geäußert.

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Trainer im Abseits: Joachim Löw und Josef Hickersberger (r.)

Durch ein 1:0 (0:0) gegen Co-Gastgeber Österreich hat die deutsche Nationalmannschaft bei der EURO den Einzug ins Viertelfinale perfekt gemacht. Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat die Stimmen zur Partie zusammengestellt:

Joachim Löw (Bundestrainer Deutschland):

"Ich fühle mich gut und bin über den Sieg zufrieden. Es war eine enorme Drucksituation, aber man freut sich auch, wenn man solche Spiele mit Druck und Emotion hat. Ich habe dem vierten Offiziellen gesagt, dass Josef Hickersberger und ich in der Coaching-Zone unserem Job nachgehen wollen. Daraufhin sind wir des Feldes verwiesen worden. Ich habe die Coaching-Zone nicht verlassen. Beide Trainer haben das Recht, Anweisungen zu geben. Es entzieht sich meiner Kenntnis, was die UEFA jetzt tut. Die Mannschaft hat sich zu 100 Prozent dem Teamgedanken verschrieben. Wenn wir unser erklärtes Ziel erreichen wollen, müssen wir auf das Niveau kommen, das wir in den letzten zwei Jahren manchmal erreicht haben."

Michael Ballack (Deutschland):

"Es stand heute viel auf dem Spiel. Es war schwer zu überzeugen, die Mannschaft hat einen großen Fight geliefert. Es war das erwartet schwere Spiel heute. Wir haben uns mit dem Kroatien-Spiel in diese Situation gebracht. Es war klar, dass wir nicht locker und gelöst auftreten würden. Wichtig war, dass wir fighten und als Team auftreten. Wir haben hohe Ziele formuliert, die haben wir immer noch, treffen aber jetzt auf eine sehr, sehr starke Mannschaft."

Philipp Lahm (Deutschland):

"Man muss die richtige Mischung finden. Es geht ums Viertelfinale, da kann man nicht alles auf eine Karte setzen. Wir waren diszipliniert und organisiert, haben im richtigen Moment das 1:0 gemacht. Wir haben uns in der ersten Halbzeit Sicherheit erarbeitet und dann in der zweiten Halbzeit mehr riskiert. Überall kann man sich aber noch verbessern."

Josef Hickersberger (Teamchef Österreich):

"Wir sind hier bei der EM angetreten, gesteckte Ziele zu erreichen. Wir wollten unter die besten Acht kommen. Das ist uns nicht gelungen. Wir haben heute durch einen sensationellen Freistoß von Michael Ballack verloren. Das muss man anerkennen. Wir haben im ganzen Turnier ganz gut gespielt. Ich weiß noch nicht, was ich jetzt mache."

Martin Harnik (Österreich):

"Im Großen und Ganzen haben wir eine gute Leistung gezeigt. Natürlich haben wir daran geglaubt, heute zu gewinnen. Wir haben gut mitgespielt. Mit ein bisschen Glück, hätten wir auch ein Tor schießen können. Es hat nicht sollen sein. In Zukunft ist aber noch einiges von Österreich zu erwarten."

Andreas Herzog (Teammanager Österreich):

"Diese Schiedsrichter sind alle Selbstdarsteller. Die Schiedsrichter-Entscheidung hat uns und auch die Deutschen vor Probleme gestellt und viel Unruhe gebracht."

Alfred Ludwig (Generalsekretär Österreichischer Fußball-Bund):

"Das ist abstrus, was die Schiedsrichter da aufführen. Wir spielen eine EM. Was da passiert, ist unglaublich. Kein Mensch weiß, was eigentlich los war."

Franz Beckenbauer:

"Im ersten Spiel war noch alles in Ordnung, im zweiten gegen Kroatien war nichts mehr in Ordnung. Heute haben sie phasenweise im Spiel gezeigt, was sie können. Dann sind sie aber wieder zurückgefallen, in ein Niemandsland. Sie spielen nicht befreit, sind gehemmt. Wie man da rauskommt, das weiß ich nicht. Gegen Portugal müssen sie besser spielen, sonst ist das letzte Spiel. Sie müssen eine Schippe drauflegen, sonst scheiden sie aus."

Angela Merkel (Bundeskanzlerin):

"Ich bin natürlich erleichtert. Manchmal hat man ein bisschen gebangt, aber Ende gut, alles gut. Das Ergebnis stimmt. Das gibt Kraft und Mut für die nächste Runde."