2008.06.16 Neuss : Polen mit schlechter Ausgangslage gegen Kroatien

Nur mit geringen Chancen auf den Viertelfinaleinzug geht das polnische Team von Trainer Leo Beenhakker ins letzte Spiel gegen Kroatien. Ein hoher Sieg muss mindestens her.

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Leo Beenhakker vor dem Spiel gegen Kroatien

Viertelfinale oder Abschied, K.o.-Runde oder Kündigung: Für Polens Nationaltrainer Leo Beenhakker ist die entscheidende EM-Vorrundenpartie gegen Kroatien ein Schicksalsspiel. In den polnischen Medien wird bereits über einen möglichen Nachfolger für den Niederländer spekuliert, und Beenhakker selbst stellte seine Zukunft bei der "Kadra" vor der heutigen Begegnung (20.45 Uhr/live bei EinsFestival) öffentlich in Frage.

"Ich liebe meinen Job. Aber wenn die Verbandsverantwortlichen der Meinung sind, Janusz Wojcik sei die bessere Wahl, dann muss ich das so hinnehmen", sagte er der Tageszeitung Polska The Times. Wojcik gewann 1992 mit Polen Olympia-Silber und gilt als heißester Kandidat für die Beenhakker-Nachfolge.

Verbandspräsident Michal Listkiewicz bemühte sich jedoch, die Wogen zu glätten. "Es besteht kein Zweifel daran, dass Beenhakker bis Oktober 2009 unser Coach bleibt. Und ich hoffe, dass sich sein Vertrag dann automatisch verlängert, weil wir die WM 2010 erreicht haben", sagte er. Ob diese Jobgarantie den aufgebrachten Beenhakker beschwichtigen kann, wird bezweifelt.

Beenhakker verärgert über polnische Medien

Zu groß ist die Verärgerung des 65-Jährigen über die Reaktionen der polnischen Medien auf das bisherige Abschneiden bei der ersten EM-Teilnahme und das schlechte Klima in Mannschaft und Verband. "Ich brauche Leute, die optimistisch sind und nach Lösungen suchen. Wenn man immer nur darüber spricht, was alles schlecht und falsch läuft, kommt man nie weiter", sagte Beenhakker.

Doch vor dem entscheidenden Spiel ist er selbst nicht eben zuversichtlich. "Das einzige, was wir machen können, ist, das Spiel gegen Kroatien zu gewinnen. Und im gleichen Moment sitzen wir im Warteraum. Das ist eine schlechte Situation", sagte er. Nur bei einem hohen Sieg und einem gleichzeitigen, möglichst niedrigen Sieg der Österreicher gegen Deutschland käme Polen doch noch weiter.

"Wir haben nur geringe Chancen", sagte Mittelfeldspieler Jacek Krzynowek deshalb. Der Wolfsburger gehört zu den Spielern, die laut Beenhakker "nicht das zeigen, was sie können". Dass er auf die Bank muss, gilt aber als unwahrscheinlich. Sicher ist, dass Kapitän Maciej Zurawski ausfällt (Oberschenkelprobleme), der Einsatz des Herthaners Lukasz Piszczek (Sprunggelenksprobleme) ist fraglich.

Kroaten mit B-Elf

Kroatien wird Polen jedoch entgegenkommen und mit seiner B-Elf spielen. Aus der Startformation vom 2:1 gegen Deutschland werden nur Torwart Stipe Pletikosa sowie Ivan Rakitic und Danijel Pranjic von Beginn spielen, die leicht angeschlagenen Ivica Olic und Luka Modric werden geschont. "Wir werden kein Risiko eingehen, wir sind ja keine Idioten", sagte Trainer Slaven Bilic.

Außerdem würden die Kroaten lieber Polen als Deutschland im Viertelfinale und als möglichen Halbfinalgegner sehen. "Genauso wie ihr Polen mag ich die Deutschen nicht. Die sind hochnäsig, immer so selbstsicher und meinen, sie wären die Besten", sagte Darijo Srna. Doch egal was am Montag passiert - Kroatien träumt schon jetzt vom Durchmarsch ins Finale. "Nur die Niederländer können mithalten mit uns", tönte Verbandspräsident Vlatko Markovic.