2008.06.18 Neuss : Jubel bei Alba: "Es war Zeit"

Nach der achten Meisterschaft hat Bundesligist Alba Berlin die Korken knallen lassen. "Wir haben uns geholt was uns gehört", tönte Trainer und Geburtstagskind Luka Pavicevic.

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Alba Berlins Trainer Luka Pavicevic (l.) mit Julius Jenkins

Fünf Jahre musste Alba Berlin auf die achte Meisterschaft warten - als die quälend lange Durststrecke durch das 88:79 (71:71, 33:40) nach Verlängerung bei den Telekom Baskets Bonn ein Ende fand, spiegelte das eilig hervorgeholte Meister-Shirt den Anspruch der "Albatrosse" wieder: "Es war Zeit."

"Ich bin sehr stolz auf mein Team, das vom Saisonbeginn an einen sehr steinigen Weg mit vielen Verletzungen gegangen ist", sagte Pavicevic, der an seinem 40. Geburtstag keinen Platz für persönliche Eitelkeiten ließ. "Es war in erster Linie ein Mannschaftserfolg. Wir haben uns geholt, von dem wir von Anfang an überzeugt waren, das es uns gehört." Der sonst so gefasst und angespannt wirkende Serbe ließ sich nach seinem ersten Jahr in Berlin freudestrahlend von den Fans hochleben.

"Danke für die Unterstützung! Ohne Fans wie Euch könnten wir eine so schwierige Saison nicht schaffen", rief Pavicevic der am Ausgang wartenden Party-Gesellschaft zu - und setzte die Feier mit seinem zu Saisonbeginn neu zusammengestellten Kader im Bonner Club "Nachtrauschen" bis in die frühen Morgenstunden fort. Am Mittwochmorgen ging es dann per Flugzeug in die Hauptstadt, wo am Abend die Feierlichkeiten mit mehreren Tausend Fans in der Max-Schmeling-Halle weitergingen.

Bonns Trainer Koch: "Wir hatten eine Traumsaison"

Nach der ersten Heimniederlage der Play-offs musste sich jedoch auch Bonns Coach Michael Koch nicht durch den Hinterausgang davonschleichen. "Berlin hat uns in eigener Halle nach Verlängerung geschlagen und ist damit verdient Meister. Wir hatten eine Traumsaison", bilanzierte der frühere Nationalspieler nachdem die Baskets im vierten Anlauf auf den ersten Titel wieder an Berlin gescheitert waren. "Für uns ist ein toller Traum zu Ende gegangen, meine Spieler werden noch verstehen, was sie alles geleistet haben."

Denn im Bonner Hexenkessel mussten sich die Berliner den Erfolg im vierten Spiel der Play-off-Serie hart erarbeiten, erst in der Verlängerung rangen sie die frenetisch angefeuerten Gastgeber nieder. Angeführt vom unermüdlichen Bobby Brown und Topscorer Julius Jenkins (30 Punkte), der nach der Wahl zum "MVP" der Hauptrunde auch noch zum wertvollsten Spieler der Finals ausgezeichnet wurde. Unter den Jubelgesängen der 300 mitgereisten Berliner Fans nahm schließlich Kapitän Patrick Femerling die riesige Trophäe entgegen.

Besonders gerührt war auch Aleksandar Nadjfeji, der von 2001 bis 2005 für die Baskets spielte. "Es ist großartig für mich und auch für Bonn. Ich hatte so gehofft, dass sie es in die Play-offs schaffen und wir uns im Finale treffen", sagte der Serbe und war sich ebenso wie Sportdirektor Henning Harnisch bewusst, dass "der Sieg am seidenen Faden hing".

Auch wenn die Fans anschließend schon vom "Europapokal" sangen und das Final Four der Euroleague im nächsten Jahr in Berlin stattfindet, hat Geschäftsführer Baldi trotz Tränen die Realität nicht aus den Augen verloren: "Wir dürfen keine Traumtänzer sein. Sicher wollen wir eine gute Rolle spielen. Aber ganz ehrlich, wir sind kein Anwärter auf die Finalspiele", sagte Baldi. Noch nicht, denn Alba will in "fünf bis zehn Jahren" in der Liga der ganz Großen mitmischen.