2008.06.19 Neuss : Löw: "Wir mussten ein Zeichen setzen"

Joachim Löw war nach dem 3:2 gegen Portugal voll des Lobes für sein Team: "Wir wollten die Räume eng machen und schnell von Abwehr auf Angriff umschalten, das ist uns gelungen."

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Bundestrainer Joachim Löw

Nach dem Viertelfinal-Krimi gegen Portugal waren bei der deutschen Nationalmannschaft alle Protagonisten vollauf zufrieden. "Heute hat man gesehen, was in der Mannschaft steckt, wenn sie befreit aufspielt", sagte Kapitän Michael Ballack, der einen Treffer zum 3:2 (2:1)-Sieg im Viertelfinale beisteuerte. Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat die Stimmen zum Spiel zusammengestellt.

Joachim Löw (Bundestrainer): "Es war hinter der Glasscheibe ganz schlimm. Ich war weit weg. Man sieht einiges von oben sehr gut, aber die Distanz war nervend. Nach unserer Leistung gegen Österreich war klar: Es muss Veränderungen geben. Wir haben gegen Österreich und Kroatien spielerisch nicht gut ausgesehen. Deshalb mussten wir ein Zeichen setzen. Wir wollten die Räume eng machen und schnell von Abwehr auf Angriff umschalten, das ist uns gelungen."

Michael Ballack (Kapitän Deutschland): "Nach dem Kroatien-Spiel hatten wir ein kleines Tief. Wir waren alle nicht zufrieden, es gab kritische Töne. Die Mannschaft hat schon gegen Österreich hervorragend reagiert, obwohl der Druck immens war. Heute hat man gesehen, was in der Mannschaft steckt, wenn sie befreit aufspielt."

Bastian Schweinsteiger (Deutschland): "Ich bin überglücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben. Wir sind unter den Top 4. Wir haben die beste Mannschaft aus dem Turnier gekegelt. Heute haben wir für den Trainer gespielt. Ich wusste, dass ich gegen Kroatien einen Fehler gemacht habe. Ich wollte der Mannschaft so gut wie möglich helfen. Im Fußball ist immer was möglich, wir haben heute deutsche Tugenden gezeigt."

Philipp Lahm (Deutschland): "Glaube ist alles, und die Mannschaft hat an sich geglaubt, das hat man gesehen. Hansi Flick hat das sehr gut gemacht. Gewonnen gegen Portugal, Halbfinale erreicht, was will man mehr? Jeder war für den anderen da, das ist das Wichtigste bei so einem Turnier."

Hansi Flick (Co-Trainer): "Das Endspiel ist unser Ziel. Der Druck gegen Österreich war groß, aber dann hatten wir unser Minimalziel erreicht. Heute waren wir hungrig und heiß. Wir wollen jetzt mehr. Ich hatte mit Joachim Löw keinen Kontakt. Wir haben wie immer alles geplant. Und heute hat alles funktioniert."

Franz Beckenbauer: "Es war ein tolles Spiel, es ging die ganze Zeit rauf und runter. Wir haben fünf Tore gesehen, alles war so, wie man sich ein spannendes Spiel vorstellt."

Luiz Felipe Scolari (Trainer Portugal): "Ich bin natürlich enttäuscht und frustriert. Ich habe versagt und nicht das gehalten, was ich dem Verband versprochen habe: das Halbfinale! Deutschland war in den entscheidenden Szenen einfach die bessere Mannschaft."