2008.06.19 Neuss : Starke DFB-Auswahl schickt Portugal nach Hause

Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der EM das Halbfinale erreicht. Nach Toren von Schweinsteiger, Klose und Ballack besiegte das DFB-Team Portugal im Viertelfinale 3:2 (2:1).

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Miroslav Klose köpft gegen Portugal das 2:0

Ohne den gesperrten Bundestrainer Joachim Löw, dafür mit einem überragenden Bastian Schweinsteiger ist die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder in ein EM-Halbfinale gestürmt. Zum Auftakt der Viertelfinalrunde besiegte die DFB-Auswahl in Basel das nach dem vorherigen Turnierverlauf favorisierte Portugal 3:2 (2:1). Am kommenden Mittwoch trifft der dreimalige Welt- und Europameister an gleicher Stätte auf den Sieger der Begegnung zwischen Kroatien und der Türkei, der am Freitagabend in Wien ermittelt wird.

"Schweini" der entscheidende Mann

Entscheidender Mann beim siebten Halbfinal-Einzug bei einer EM, den Löw in einer Loge verfolgen musste, war wie im "kleinen" Finale bei der WM 2006 gegen Portugal (3:1) Schweinsteiger. Vor 39. 374 Zuschauern im St. Jakob-Park erzielte der Münchner nach seiner Rückkehr von einer Rotsperre das 1:0 (22.), wenig später legte er Miroslav Klose per Freistoß dessen ersten Turniertreffer auf (26.). Nach dem Anschlusstreffer durch Nuno Gomes (41.) trat der 23-Jährige erneut einen Freistoß, diesmal war der starke Kapitän Michael Ballack per Kopf zur Stelle (61.). Helder Postiga (87.) traf für den EM-Vize von 2004 in der Schlussphase zum Endstand.

Ballack füllte die Rolle des Führungsspielers diesmal mit Bravour aus und war neben Schweinsteiger der auffälligste deutsche Spieler einer kämpferisch starken, taktisch zumeist diszipliniert auftretenden deutschen Mannschaft, die ihre wenigen Chancen eiskalt ausnutzte. Die Portugiesen konnten nur ansatzweise an jene starken Leistungen aus der Vorrunde anknüpfen, bei denen sie sich als einer der Turnierfavoriten präsentiert hatten. Statt dessen steht nun die DFB-Auswahl erstmals seit dem Titelgewinn 1996 im EM-Halbfinale. Bei den Turnieren 2000 und 2004 war jeweils in der Vorrunde Schluss.

Bundestrainer Löw, der 20 Minuten vor dem Abpfiff erstmals mit Sprechchören der deutschen Anhänger gefeiert wurde, hatte nach der Sperre immerhin noch an Bord des Mannschaftsbusses in das Stadion fahren dürfen - in den Katakomben war dann aber Schluss. Jeglicher Kontakt zwischen Assistent Hansi Flick und der Mannschaft sowie Löw war fortan verboten, die Offiziellen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) überwachten die Einhaltung der Funkstille. Kein Problem, so Löw: Er und Flick hätten alle Eventualitäten durchgespielt.

DFB-Team ohne Frings

Zunächst aber begann die deutsche Mannschaft so, wie Löw sie erdacht hatte: Weil Torsten Frings wegen seines Rippenbruchs nicht auflaufen konnte, rückten die "Neuzugänge" Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger vor die Abwehr. Schweinsteiger, Kapitän Michael Ballack und Lukas Podolski, der seine Wadenverletzung rechtzeitig auskuriert hatte, bildeten eine offensive Dreier-Reihe hinter Klose.

Somit spielte die deutsche Mannschaft erstmals unter Löw ein 4-2-3-1-System - ein Schachzug, auf den die Portugiesen wohl nicht vorbereitet waren. Der EM-Vize von 2004 begegnete der DFB-Auswahl zu Beginn mit gehörigem Respekt und fand erst einmal kaum Räume und Lücken, um sein gefährliches Kombinationsspiel aufzuziehen.

Nach 15 Minuten kamen die Portugiesen auf dem neu verlegten Rasen im "Joggeli", der aussah wie ein ramponierter Flickenteppich, allerdings dem deutschen Tor zwischenzeitlich gefährlich nahe. Ihre erste gute Chance besaß Simao, der nach einer Flanke von Bosingwa von Christoph Metzelder sträflich unbeobachtet aus kurzer Distanz nur knapp das Tor verfehlte (20.). Doch gerade als die Portugiesen sich begannen, sich ein wenig freizuspielen, schlug die deutsche Mannschaft souverän und kühl bis ans Herz zu.

Nach einer rasanten Ballstafette über den in der Defensive ungewohnt wackeligen Philipp Lahm, Podolski, Ballack und wieder Podolski schoss der heranstürmende Schweinsteiger die Hereingabe seines Klubkollegen ins Netz. Nur vier Minuten später folgte der zweite Streich. Nach einem Freistoß des wie aufgedreht wirkenden Schweinsteiger erzielte Klose per Kopf seinen 40. Treffer im 79. Länderspiel (26.).

Die Portugiesen legten von nun an ihren Respekt schleinig ab. Cristiano Ronaldo, der sich zunächst bei Arne Friedrich immer wieder festgelaufen hatte, zog nach dem Ausfall von Jungstar Joao Moutinho weiter in die Mitte, und prompt mit Erfolg. In der 40. Minute stahl sich der 23-Jährige im Rücken von Per Mertesacker davon, scheiterte mit seinem Schuss an Lehmann, doch Nuno Gomes staubte ab (40.). der Rettungsversuch von Metzelder auf der Linie kam zu spät.

"Wir haben uns zu sehr hinten reindrängen lassen, wir wollen jetzt versuchen, das 3:1 zu machen", sagte Torwartrainer Andreas Köpke als Assistent von Flick zur Halbzeit. Mit der Umsetzung aber haperte es zunächst: Die Angriffsbemühungen hielten sich in Grenzen, obwohl der sehr präsente Ballack sich redlich mühte, Podolski und Klose bekamen kaum einen Ball. Und so half nach einer guten Stunde erneut eine Standardsituation: Wieder trat Schweinsteiger einen Freistoß, diesmal stahl sich Ballack davon und köpfte ein.

Nach dem dritten Treffer waren die Portugiesen angezählt, schafften aber noch das Anschlusstor.