2008.06.19 Neuss : Zehnkämpfer Niklaus kämpft um letzte Olympiachance

In Ratingen kämpft Deutschlands Vorzeige-Zehnkämpfer um die letzte Chance auf das Olympia-Ticket. Trotz zuletzt enttäuschender Leistungen gibt sich der 26-Jährige aber optimistisch.

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Will auch in Peking jubeln - Zehnkämpfer Andre Niklaus

Der Traum von einer Olympiamedaille könnte für Deutschlands Vorzeige-Zehnkämpfer an diesem Wochenende jäh zerplatzen. Nach seinem Scheitern in Götzis kämpft Andre Niklaus bei der Peking-Qualifikation im rheinischen Ratingen um seine letzte Chance. "Ich bin nicht verunsichert, ich kann ein hohes Potenzial abrufen. Auch bei Katastrophenwetter werde ich mich am Sonntag für Olympia qualifizieren", sagt der WM-Fünfte von 2007 und Hallen-Weltmeister von 2006.

Aufgabe beim Wettkampf im österreichischen Götzis

Der 26-jährige Berliner hatte sich auch vor dem Wettkampf im österreichischen Götzis forsch gegeben und einen Angriff auf seine Bestleistung von 8371 Punkten (Osaka 2007) signalisiert. Doch nach verpatztem Auftakt mit 11,24 Sekunden über 100m und 7,24m im Weitsprung resignierte er, gab vor dem 1500-m-Lauf sogar auf.

Die WM-Norm (8050) schafften bisher der EM-Fünfte Pascal Behrenbruch (Frankfurt/8242 Punkte) und der WM-Neunte Arthur Abele (Ulm/8220). Zuvor schon war dies schon dem Uerdinger Michael Schrader (8194) geglückt. Für Olympia qualifiziert sich bei Männern und Frauen jeweils der Ratingen-Sieger, auf die Nominierung hoffen dürfen die beiden Punktbesten der Saison.

Auf seinen Ausstieg in Götzis angesprochen sagt der 1,90m große 88-Kilo-Mann: "In Götzis habe ich mich nicht mit Ruhm bekleckert. 8200 Punkte wären auch nach dem ersten Tag noch möglich gewesen. Aber ich war mehr auf eine persönliche Bestleistung im Bereich von 8400 Punkten als auf die Norm fixiert und konnte mit der unerwarteten Situation nicht umgehen".

Schwache Leistung mit Sportpsychologen aufgearbeitet

Den Betriebsunfall hat er inzwischen mit dem Sportpsychologen aufgearbeitet und spricht von einem Lerneffekt. Künftig könne er solche Fehlschläge besser wegstecken, sagt Niklaus, der im Winter als Titelverteidiger schon die Qualifikation für die Hallen-WM verpasst hatte. Selbst von Wind und Regen lasse er sich nicht irritieren, das habe er beim vierten WM-Rang 2005 mit 8316 Punkten im nassen Helsinki bereits bewiesen.

Zu viel an Einzelleistungen denken will Andre Niklaus vor Ratingen nicht. Dies könne verwirren, sagt er. Im Gegensatz zu Götzis wäre er beim 100-m-Auftakt diesmal mit 11,24 Sekunden zufrieden. Im Weitsprung sei alles möglich "zwischen 7,20 und 7,50", mit der Kugel (13,41) habe er kürzlich im Training 14,60 gestoßen.

Nur Peking zählt

"Egal, ob ich Erster, Zweiter oder Dritter werde - ich will nach Peking. An andere Punktzahlen kann ich später denken. 8500 halte ich in diesem Jahr für möglich. Das muss man auch mindestens machen, um eine Olympia-Medaille zu holen", sagt Andre Niklaus und verspricht: "Spätestens bei Olympia werde ich zeigen, dass ich der beste Deutsche bin."

Mit Behrenbruch und Abele rechnet er erneut stark, ist gespannt auf den ebenfalls in Götzis gescheiterten Norman Müller (Halle/Saale) und den Wahl-Erfurter Dennis Leyckes. Weniger erwartet er von Stefan Drews (Leverkusen) und Jacob Minah (Göttingen). In Götzis meinte er zu den Norm-Erfüllern: "Die können es jetzt lockerer angehen, aber vielleicht wird diese Lockerheit zum Genickbruch."

Auch im Siebenkampf steht Entscheidung an

Im Siebenkampf hat die EM-Dritte Lilli Schwarzkopf (Paderborn) nach 6316 Zählern in Götzis gute Karten für Olympia. Mit der Norm in der Tasche (6130) streben auch das Neubrandenburger Duo Julia Mächtig (6282) und Sonja Kesselschläger (6134) sowie die EM-Vierte Jennifer Oeser (Leverkusen/6189) nach dem Ticket. Außenseiterinnen sind Christine Schulz (Leverkusen/6070) und Claudia Tonn (Paderborn).