2008.06.20 Neuss : Premiere für neuen Deutschland-Achter

Knapp zwei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking muss Deutschlands Ruder-Achter beim Weltcup-Finale im polnischen Posen seine Stärke unter Beweis stellen.

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Der Deutschland-Achter

Der neuformierte Deutschland-Achter gibt heute beim Weltcup-Finale der Ruderer in Posen sein Debüt und muss knapp sieben Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele seine Leistungsfähigkeit nachweisen. "Das sind die besten Sportler, die wir haben. Jetzt werden wir sehen, wie groß die Substanz im Boot ist", sagte der Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes (DRV), Michael Müller, dem sid.

Auf dem Maltasee steht aber nicht nur das DRV-Flaggschiff bei der Olympia-Generalprobe unter Druck. Der Verband um Präsident Siegfried Kaidel und Sportdirektor Müller musste nach der Aussortierung von sechs Ex-Weltmeistern aus dem Achter und der Entmachtung von Bundestrainer Dieter Grahn heftige Kritik einstecken. "Die Maßnahme war trotzdem richtig und dringend notwendig. Wir haben keine Hoffnung mehr gesehen", erklärte Müller.

Nur gegen Polen und Großbritannien

In Posen trifft der Achter um Schlagmann Matthias Flach (Rostock) allerings nur auf Polen und den WM-Dritten Großbritannien. "Die Briten sind ein hervorragender Maßstab", meint Müller, und auch der neue Achter-Trainer Christian Viedt ist optimistisch: "Im Training war Biss und Wille drin. Unser Ziel bleibt eine Medaille in Peking."

Für das übersichtliche Feld in Posen gibt es zwei Gründe. Zum einen sind die starken Achter aus Kanada, Australien und China zur Olympia-Vorbereitung schon wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, zum anderen fand vor dem am Freitag beginnenden Weltcup in Posen noch die Olympia-Qualifikation an gleicher Stelle statt.

Selbstvertrauen tanken

In Peking will auch der DRV groß auftrumpfen, Müller hat vier bis sechs Medaillen als Ziel ausgegeben. Doch beim letzten Weltcup in Luzern ruderten die DRV-Athleten der Weltspitze bedenklich hinterher. In Posen will die deutsche Flotte daher neues Selbstvertrauen tanken. "Einige Bootsklassen sind qualitativ hochwertig besetzt. Da wollen wir unsere Klasse zeigen", so Müller. In anderen Bootsklassen wie dem Frauen-Doppelvierer hatte lediglich der DRV ein Boot gemeldet, das Rennen fällt jetzt komplett aus.

Fehlen wird auch der deutsche Einer-Meister Marcel Hacker, der aus gesundheitlichen Gründen zuletzt pausiert hatte und nun noch Trainingsrückstand aufweist. Trotzdem wird der DRV den WM-Fünften am Montag beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als ersten Ruderer für die Sommerspiele vorschlagen. Aus dem Frauen-Bereich werden zunächst der Doppelzweier, der Leichtgewichts-Doppelzweier und der Doppelvierer um die viermalige Olympiasiegerin Kathrin Boron (Potsdam) vorgeschlagen.

Insgesamt wird der DRV nach der Qualifikation des Leichtgewichts-Vierers ohne Steuermann in Peking in 13 der 14 Klassen vertreten sein. Lediglich im Frauen-Einer geht kein deutsches Boot an den Start.