2008.06.21 Neuss : Türkei nach Elfer-Krimi im Halbfinale

Die Türkei hat nach einem Elfmeter-Krimi im EM-Viertelfinale die Runde der letzten Vier erreicht. Nach einem 4:2 (1:1, 0:0) n.E. wartet nun die deutsche Nationalmannschaft.

are1
Hamit Altintop im Zweikampf mit Luka Modric

Die Türkei ist nach einem Elfmeter-Krimi das vorletzte Hindernis der deutschen Nationalmannschaft auf ihrer Bergtour zum europäischen Fußball-Gipfel. Der kampfstarke WM-Dritte von 2002 gewann bei der EURO 2008 auch das Duell der Überraschungsteams gegen Kroatien mit 3:1 im Elfmeterschießen und trifft bei seiner ersten Halbfinalteilnahme zum ersten Mal in einer EM-Endrunde auf die DFB-Auswahl. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (0:0) gestanden.

Der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ersparten die "Halbmonde" damit am Mittwoch (20.45 Uhr/live im ZDF) in Basel ein Wiedersehen mit deren Vorrundengegner: Im zweiten Gruppenspiel hatte das deutsche Team gegen Kroatien 1:2 verloren. Für den ersten Halbfinaleinzug der Türken sorgte vor 51.428 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion von Wien Torhüter Rüstü, der den Elfmeter des Dortmunders Mladen Petric abwehrte. Zudem verfehlten Jungstar Luka Modric und der Schalker Ivan Rakitic das Tor. Den entscheidenden Treffer markierte der Münchner Hamit Altintop. In der Nachspielzeit der Verlängerung hatte der eingewechselte Semih die kroatische Führung durch den Bremer Ivan Klasnic (119.) ausgeglichen.

Bundestrainer Löw hat zwar nach dem 3:2 im Viertelfinale gegen Portugal das Endspiel als Ziel ausgegeben, der Gegner auf dem Weg dorthin flößt ihm aber Respekt ein: "Die Türken haben im bisherigen Turnierverlauf gezeigt, dass mit ihnen immer zu rechnen ist, egal wie der Spielstand ist. Sie sind sehr, sehr unberechenbar und dadurch auch gefährlich. Sie haben sehr gute Einzelspieler, die technisch auf einem hohen Niveau spielen. Ich kenne natürlich auch die Mentalität der Türken. Wenn es bei ihnen läuft, sind sie zu Außergewöhnlichem fähig."

Löw spricht aus Erfahrung: In der Saison 1998/99 war er Trainer beim türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul, 2001 noch einmal bei Adanaspor. Und auch der Respekt kommt nicht von ungefähr. Zweimal gelang es den Türken im Verlauf der EM-Vorrunde, verloren geglaubte Spiele noch aus dem Feuer zu reißen. Jeweils nach Rückständen warfen sie erst Gastgeber Schweiz aus dem Turnier (2:1), dann mit einer furiosen Aufholjagd im Vorrunden-Endspiel auch die Tschechen (3:2).

Auch gegen die überlegenen, aber nicht überzeugenden Kroaten kamen die Türken erst spät in Fahrt. Nach ereignisarmen 90 Minuten hatten sie in der Verlängerung ihre besten Szenen. Tuncay (95. und 102.) und Semih (100.) vergaben allerdings gute Chancen. Der eingewechselte Klasnic brachte Kroatien nach einem Schnitzer von Torhüter Rüstü in Führung, ehe Semih in letzter Sekunde das Elfmeterschießen erzwang.

Gegen Deutschland müssen die Türken auf ihre Mittelfeldspieler Arda und Tuncay verzichten, die gegen Kroatien ihre zweite Gelbe Karte sahen. Zudem schied Nihat, der in der Vorrunde drei Tore erzielt hatte, verletzt aus.

"Imperator" Fatih Terim hatte schon beim zweiten Viertelfinalspiel der Türken nach 2000 gleich fünf wichtige Feldspieler zu ersetzen. Weil sich außerdem Torhüter Volkan beim dramatischen letzten Gruppenspiel gegen die Tschechen eine Rote Karte eingehandelt hatte, musste für die "Halbmonde" Oldtimer Rüstü ins Tor. Der 35 Jahre alte Schlussmann von Besiktas Istanbul lief zum 117. Mal für die Nationalmannschaft aufs Spielfeld.

Rüstü wäre schon nach 18 Minuten chancenlos gewesen, doch Niko Kranjcar schoss den Ball nach einer perfekten Hereingabe von Jung-Regisseur Luka Modric nur an die Latte. In der 50. Minute hätte er durch planloses Herumirren im Strafraum beinahe dem starken Hamburger Ivica Olic den Führungstreffer der Kroaten ermöglicht, 20 Minuten später scheiterte Rakitic freistehend vor dem türkischen Schlussmann. In der 84. Minute lenkte er allerdings mit einer Glanzparade einen Freistoß von Srna noch um den Pfosten.