2008.06.22 Neuss : Der wacklige Weltmeister will Spanien stoppen

Trotz der starken Vorstellung in der Vorrunde geht Spanien heute nicht als Favorit in seine Viertelfinal-Partie. Denn Gegner ist der in der Bringschuld stehende Weltmeister Italien.

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Alle Augen ruhen auf David Villa und Luca Toni

Italiens Trainer Roberto Donadoni kämpft um seinen Job, die spanische Nationalmannschaft gegen einen Fluch und beide Teams um den Halbfinaleinzug bei der EM: Wenn es heute in Wien (20.45 Uhr/live im ZDF) zum Duell zwischen dem Weltmeister und dem ewigen Geheimfavoriten kommt, geht es um mehr als einen Platz in der Runde der letzten Vier. Die "Squadra Azzurra" kann ihren Coach nur mit einem Sieg im Amt halten, die "Seleccion" will hingegen ihre chronische Turnierschwäche ablegen und erstmals seit 1984 auch nach der ersten K.o.-Runde im Rennen bleiben.

"Dieses Spiel ist wohl noch wichtiger als ein normales Viertelfinale - Italien ist der Weltmeister, und wir haben bei großen Turnieren zuletzt nie unser Optimum abgerufen", sagt Spaniens Nationaltrainer Luis Aragones.

Der 22. Juni ist kein gutes Omen für Spanien

Das Spieldatum steht für die Iberer allerdings unter keinem guten Stern - besonders, wenn es zum Elfmeterschießen kommen sollte. Schon dreimal bedeutete ein solches Nervenspiel in einem Viertelfinale am 22. Juni das Aus. Bei der WM 1986 gegen Belgien, bei der EURO zehn Jahre später gegen England und bei der WM 2002 gegen Südkorea.

"Wir dürfen keine negativen Gedanken zulassen. Vielleicht bin ich auch ein bisschen als Psychologe gefragt. Aber meine Spieler sind die besten der Welt. Wenn ich das nicht glauben würde, wäre ich ein schlechter Nationaltrainer. Wir haben sicherlich keine Angst vor Italien", meint Aragones, der hofft, mit einem Sieg einen weiteren Schritt auf dem Weg zum ersten Titelgewinn seit der EM 1964 im eigenen Land zurücklegen zu können. Doch der Respekt vor dem Weltmeister ist trotz dessen mittelmäßiger Vorstellung in der Vorrunde groß.

Besonders Bundesliga-Torschützenkönig Luca Toni wird im Lager der Spanier gefürchtet. "Es wird hart, ihn zu stoppen. Wir müssen als Mannschaft eine starke und kompakte Defensivleistung zeigen", sagt Aragones, der mit seinem Team bei einem Erfolg gegen Italien den zehnten Sieg in Folge feiern und einen Uralt-Rekord brechen könnte. Vor 81 Jahren gewann die "Seleccion" zwischen 1924 und 1927 neunmal nacheinander.

Iberer sind seit 19 Partien ohne Niederlage

Die Vorzeichen für das Erreichen der Bestmarke stehen nicht schlecht. Während die seit 19 Spielen in Folge ungeschlagenen Spanier in Bestbesetzung antreten, muss Italien auf die gesperrten Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso verzichten. In der Abwehr fällt zudem nach Kapitän Fabio Cannavaro nun auch der Neu-Wolfbsurger Andrea Barzagli verletzungsbedingt aus. Und der vermeintliche Spanien-Schreck Toni steckt in der Krise.

416 Minuten ist der Torjäger von Rekordmeister Bayern München vor dem Viertelfinale, das von Schiedsrichter Herbert Fandel (Kyllburg) geleitet wird, schon ohne Tor. "Wenn wir Europameister werden wollen, muss sich das ändern", meint Toni und weiß, dass er der Hoffnungsträger einer ganzen Nation ist.

So forderte der Corriere dello Sport am Freitag in großen Lettern: "Toni soll uns das Halbfinale schenken." Erst dreimal trafen die Italiener in ihrem bisher holprigen Turnierverlauf, ein Stürmer war nicht unter den Torschützen.

Italien im Testspiel 1:0 geschlagen

Die Spanier, die mit drei Siegen souverän durch die Gruppenphase marschierten, haben in dem bei der EM allein schon viermal erfolgreichen David Villa hingegen einen echten Goalgetter in ihren Reihen. Der Stürmer erzielte auch das einzige Tor, als die "Seleccion" Italien im vergangenen März in einem Länderspiel mit 1:0 bezwang.

Donadoni ist trotzdem vom Erfolg seiner Mannschaft überzeugt. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir bei diesem Turnier jede Mannschaft schlagen können", sagt Italiens Nationaltrainer, der seinen Vertrag bis 2010 nur im Falle eines Weiterkommens erfüllen darf. Sollte der Weltmeister scheitern und erstmals bei einem großen Turnier gegen Spanien verlieren, kann der italienische Verband binnen zehn Tagen aus dem Kontrakt aussteigen.