2008.06.22 Neuss : Deutsche Athleten enttäuschen in Annecy

Trotz der Siege von Danny Ecker und Ariane Friedrich war das Gesamtergebnis der deutschen Athleten enttäuschend. Die Männer wurden Vierte, die Frauen erstmals Letzte.

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Danny Ecker

Trotz des Sieges von Danny Ecker im Hochsprung reichte es für die deutschen Männer beim 29. und letzten Leichtathletik-Europacup im französischen Annecy nicht zum neunten Gesamtsieg seit 1994. Das Team des Titelverteidigers musste sich mit Rang vier (95 Punkte) hinter Großbritannien (112), Polen (98) und Frankreich (95) zufrieden geben. Für die deutschen Frauen lief es noch schlechter. Erstmals in der bis ins Jahr 1965 zurückreichenden Geschichte des Wettbewerb wurden die Athletinnen des DLV Letzte.

Auch Hochspringerin Ariane Friedrich konnte durch ihren Sieg das Debakel nicht verhindern. Die Frankfurterin steigerte sich auf 2,03m und unterstrich ihre Medaillen-Ambitionen für die Olympischen Sommerspiele. Gesamtsieger wurde Russland, das den zwölften Sieg in Serie und ihren 14. insgesamt feierte.

Disqualifikation der 4x100-m-Staffel trübt Gesamtergebnis

Die als Titelverteidiger angetretenen deutschen Männer verpassten nach der Disqualifikation der starken 4x100-m-Staffel deutlich den neunten Gesamterfolg seit 1994 und wurden beim Sieg Großbritanniens nur Vierte. 2009 wird der Wettbewerb nach 29 Auflagen von der Team-EM abgelöst.

Neben den weiteren Disziplinsiegen durch den Stab-WM-Dritten Danny Ecker (Leverkusen/5,55m), Kugelstoßer Peter Sack (Leipzig/20,41) und Speerwurf-Oldie Peter Esenwein (Kornwestheim/79,23) gab es vor zusammen 21.385 Zuschauern im Parc des Sports an den beiden Tagen zwei zweite und neun dritte Plätze. Vieles des im Leistungstief steckenden deutschen Teams war sieben Wochen vor dem Olympia-Auftakt aber nicht mal Mittelmaß, mit Ausnahme von Überfliegerin Friedrich.

"2,03 - da hat alles gepasst", sagte die Studenten-WM-Zweite nach ihrem Sprung auf Platz zwei der ewigen deutschen Bestenliste. Nur Barcelona-Olympiasiegerin Heike Henkel (Leverkusen) ist mit 2,05 noch vor ihr. "Das ist der Hammer", meinte Friedrich-Coach Günter Eisinger.

Obergföll und Heidel enttäuschen

Andere als Punktelieferanten eingeplante Leistungsträger brachen dagegen regelrecht ein. Die größten Schlappen kassierte ein Frauen-Duo, das in Peking für deutsche Medaillen sorgen soll. Die hochfavorisierte Speer-Vizeweltmeisterin Christina Obergföll (Offenburg) wurde mit schwachen 57,07m ein Jahr nach ihrem Europarekordwurf von München (70,20) lediglich Fünfte. Hammer-Weltmeisterin Betty Heidler (Frankfurt/Main) musste sich mit nur 69,67 und Rang sechs zufrieden geben.

"Ich bin mit dem Anlauf überhaupt nicht klar gekommen und immer weggerutscht", erklärte die WM-Zweite Obergföll, während Heidler den Tränen nahe sagte: "Das kann ich nicht erklären." Den erhofften Sieg verpassten auch Vize-Weltmeister Robert Harting (Berlin/65,25) als Zweiter. "Du denkst, du lässt dich nicht anstecken, aber wahrscheinlich bleiben die Misserfolge der anderen doch im Hinterkopf stecken", meinte Harting.

Hensel: "Nachdenken, ob wir alles richtig gemacht haben"

Trotzdem war DLV-Generalsekretär Frank Hensel nicht beunruhigt. "Man kann nicht von einem Wettkampf auf Olympia schließen. Aber es ist die Möglichkeit, darüber nachzudenken, ob wir bisher alles richtig gemacht haben."

Kugelstoßer Sack wiederholte seinen Vorjahreserfolg, obwohl er wegen einer leichten Zerrung im rechten Oberschenkel nach zwei von vier Versuchen die Kugel aus Sicherheitsgründen beiseite legte. Auch Ecker als zweiter deutscher Sieger kämpfte mit einer Verletzung. Ihm machen derzeit Schmerzen an der rechten Achillessehne zu schaffen: "Vielleicht muss ich jetzt erstmal eine Wettkampfpause machen."

Britischer Einspruch stoppt 4x100-m-Staffel

Unglücklichster Verlierer des Wochenendes war das 4x100-m-Quartett der Männer, das in 38,30 Sekunden den 26 Jahre alten deutschen Rekord einer DDR-Auswahl nur um eine Hundertstelsekunde verfehlt. Doch nach einem Einspruch der Briten wurde es disqualifiziert, weil der Wattenscheider Alexander Kosenkow leicht auf die Bahnmarkierung getreten hatte. "Die Staffel hat läuferisch überzeugt. Ich werte die Disqualifikation mal als missglückte Olympia-Generalprobe", sagte Cheftrainer Jürgen Mallow.

Der Leverkusener Weitspringer Nils Winter erfüllte als Dritter mit 8,05m die doppelt geforderte Olympianorm zum zweiten Mal und kann nun auf einen Peking-Start hoffen. Ansonsten gab es keine neuen Normerfüller.

Die international wertvollste Leistung waren neben den 2,03m von Friedrich die 7,04m von Russlands Weitsprung-Europameisterin Ljudmilla Koltschanowa.