2008.06.22 Neuss : Neuformierter Achter mit gelungenem Debüt

Beim Weltcup in Posen feierte der neuformierte Deutschland-Achter ein ordentliches Debüt. Der Deutsche Ruderverband präsentierte sich bei der Olympia-Generalprobe insgesamt mäßig.

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Deutschland-Achter mit gelungenem Debüt

Ordentliches Debüt für den neuformierten Deutschland-Achter beim Weltcup-Finale in Posen. 47 Tage vor Beginn der Sommerspiele in Peking hat das Flaggschiff der erfolgsverwöhnten deutschen Flotte mit einem Rückstand von 3,7 Sekunden auf den WM-Dritten Großbritannien den zweiten Platz unter drei Teilnehmern belegt. Gastgeber Polen landete weit abgeschlagen auf dem letzten Rang.

Fast komplett neue Besetzung

"Der Druck war nach den ganzen Vorfällen enorm. Man hat gemerkt, dass wir viel Potenzial im Boot haben. Wir sind auf dem richtigen Weg und müssen an der Abstimmung weiter arbeiten", sagte der Rostocker Matthias Flach, der den Weltmeister-Schlagmann von 2006, Bernd Heidicker, abgelöst hatte.

Der Verband hatte nach den enttäuschenden Leistungen in dieser Saison Anfang Juni fast den kompletten Achter aufgelöst, sechs Ex-Weltmeister aussortiert und Bundestrainer Dieter Grahn entmachtet. Der "alte" Achter hatte in Luzern 6,5 Sekunden Rückstand auf die Briten, die dort hinter den in Posen fehlenden Booten aus Kanada und China Dritte wurden.

Daher wertete DRV-Sportdirektor Michael Müller den Auftritt auf dem Maltasee in Posen als Erfolg. "Eine Medaille in Peking ist nicht ausgeschlossen. In der Mannschaft steckt genügend Grundsubstanz", meinte Müller, der sich außer über den zweiten Platz des Achters nur über zwei weitere Podestplätze freuen durfte.

Eher mäßige Bilanz der deutschen Ruderflotte

Einen souveränen Sieg feierten die Europameisterinnen Lenka Wech/Maren Derlien (Saarbrücken/Hamburg) im Zweier ohne Steuerfrau, während die WM-Dritten Berit Carow/Marie-Louise Dräger (Hamburg/Rostock) im Leichtgewichts-Doppelzweier den zweiten Platz belegten. Carow/Dräger, die in Peking ebenso wie Wech/Derlien zu den Medaillenhoffnungen zählen, gewannen auch den Disziplin-Weltcup. Den Gesamt-Weltcup sicherte sich wie schon 2007 Großbritannien vor Deutschland.

"Wir haben uns in einigen Klassen weiterentwickelt. Das Ziel bleiben vier bis sechs Medaillen in Peking", meinte Müller. Ob dieses Ziel allerdings nach dem schwachen Saisonverlauf realistisch ist, darf zumindest angezweifelt werden. Einen Gold-Kandidaten gibt es bisher jedenfalls nicht. Zudem gab es vor dem Erfolg von Wech/Derlien in diesem Jahr erst einen Sieg beim Weltcup in München durch Carow/Dräger.

Bei Olympia in fast allen Klassen dabei

In Peking ist die deutsche Flotte in 13 der 14 olympischen Klassen vertreten. Auf einen möglichen Start bei der Olympia-Qualifikation im Einer der Frauen verzichtete der Verband mangels Endlauf-Perspektive bei den Sommerspielen.

Am Montag wird der DRV dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zunächst in vier Bootsklassen Olympia-Teilnehmer vorschlagen. Der deutsche Einer-Meister Marcel Hacker, der in Posen wegen seines Trainingsrückstandes nach einem Magen-Darm-Infekt fehlte, wird zunächst als einziger Athlet im Männer-Bereich genannt. Bei den Frauen sind es der Doppelzweier, der Leichtgewichts-Doppelzweier und der Doppelvierer um die viermalige Olympiasiegerin Kathrin Boron (Potsdam). Die weiteren Athleten folgen am 15. Juli.