2008.06.22 Neuss : Weltmeister Italien scheitert an Casillas

Durch ein 4:2 nach Elfmeterschießen gegen Italien ist Spanien ins Halbfinale der EM eingezogen. Keeper Iker Casillas avancierte mit zwei gehaltenen Strafstößen zum Helden in Wien.

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Spaniens Iker Casillas war der Held im Elfmeterschießen

Mit einem historischen Sieg ist Spanien bei der EM nach 24 mageren Jahren wieder in das Halbfinale eines großen Turniers eingezogen. Die "Rote Furie" gewann erstmals seit 88 Jahren wieder ein Pflichtspiel gegen Italien und trifft nach einem glücklichen 4:2 im Elfmeterschießen gegen den Weltmeister am kommenden Donnerstag in Wien erneut auf die Überraschungsmannschaft aus Russland. Daniele De Rossi und Antonio Di Natale verschossen, beide scheiterten an Spaniens starkem Keeper Iker Casillas.

In der Vorrunde hatte der Europameister von 1964 die Sbornaja beim 4:1 noch an die Wand gespielt. Nach Verlängerung hatte es gegen die Italiener torlos gestanden. Nach drei Niederlagen bei großen Turnieren im Elfmeterschießen am 22. Juni wurde diese Negativserie nun beendet.

Als einziger der vier Gruppensieger hat Spanien nun aber noch die Chance auf den Titelgewinn bei der EURO 2008. Vom überzeugenden Kombinationsspiel bei den drei Vorrundensiegen war bei den Iberern in einer kampfbetonten Begegnung ohne große Höhepunkte vor 51.178 Zuschauern im Wiener Enst-Happel-Stadion jedoch nichts zu sehen. Italien verschleppte das Tempo, die Mannschaft von Trainer Luis Aragones rannte sich immer wieder am Catenaccio des ersatzgeschwächten Weltmeisters fest.

Der große Respekt der Spanier vor der "Squadra Azzurra" war allerdings auch nicht zu übersehen. Der letzte Mut zum Risiko war nicht zu erkennen, bei beiden Mannschaften nicht. Darüber hinaus hatte die "Seleccion" Pech, dass der nicht immer souveräne deutsche Schiedsrichter Herbert Fandel (Kyllburg) im letzten Turnierspiel seiner Laufbahn nach einem Foul von Massimo Ambrosini an Torjäger David Villa (16.) den durchaus angemessenen Strafstoß verweigerte.

Die erste echte Torchance ergab sich erst nach einer guten Stunde - ausgerechnet für die auf Konter lauernden Italiener. Nach einem schweren Patzer von Spaniens Torhüter Iker Casillas kam der kurz zuvor eingewechselte Mauro Camoranesi zum Schuss - Casillas machte seinen Fehler mit einer Fußabwehr aber wieder wett.

In der 81. Minute patzte Italiens Torwart Gianluigi Buffon, er ließ einen 30-m-Weitschuss von Marcos Senna aus den Händen gleiten. Die Kunststoffkugel trudelte Richtung Tor und landete schließlich am Pfosten. Erst dann bekam sie Buffon wieder zu fassen. In der 93. Minute verfehlte David Silva mit einem fulminanten Schuss aus 16m knapp das italienische Tor. In der 95. Minute prüfte Antonio Di Natale den spanischen Keeper Casillas, der mit der Faust den Ball über die Latte lenkte.

König Juan Carlos I. von Spanien und Gattin Sofia waren am Sonntag persönlich im Happel-Stadion in Wien zugegen, um den Kampf der "Seleccion", auch genannt die "Rote Furie", gegen die "Schwarze Bestie" zu verfolgen. Schwarze Bestie nennen die Spanier einen Fluch, und ihre Nationalmannschaft kämpfte vor allem gegen einen: Seit der EM 1984 und der Finalniederlage gegen Frankreich war sie nicht über das Viertelfinale eines Turniers hinausgekommen.

Der letzte Turnier-Sieg der Spanier gegen Italien lag auch schon 88 Jahre zurück (Olympia 1920), zudem verhieß das Datum nichts Gutes: Schon dreimal hatte die spanische Nationalmannschaft an einem 22. Juni das Viertelfinale bei einem großen Turnier verloren - bei der WM 1986 gegen Belgien, bei der EURO zehn Jahre später gegen England und bei der WM 2002 gegen Südkorea; und jedes Mal unterlag sie erst im Elfmeterschießen.

Die Vorzeichen für einen wahrhaft historischen Tag der selbstbewussten Spanier, die mit einer Serie von 19 Spielen ohne Niederlage nach Wien kamen, standen allen Flüchen zum Trotz nicht mal so schlecht. Die Italiener mussten auf die gesperrten Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso verzichten. In der Abwehr fehlten wegen Verletzungen Kapitän Fabio Cannavaro und der künftige Wolfsburger Andrea Barzagli. Ein Vorteil war dies für Spanien lange nicht.