2008.06.23 Neuss : Ballack: "Chance ist groß, ins Finale einzuziehen"

Vor dem Halbfinale bei der EURO gegen die Türkei versprüht Michael Ballack Optimismus: "Die Chance für uns ist groß, ins Finale einzuziehen", äußerte der DFB-Kapitän.

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Michael Ballack (m.) und Co. wollen auch gegen die Türkei jubeln

Michael Ballack versprüht vor dem EM-Halbfinale des deutschen Nationalmannschaft gegen die Türkei am Mittwoch in Basel (20.45 Uhr/live im ZDF) Optimismus. "Das wird eine schwierige Aufgabe, aber die Chance für uns ist groß, ins Finale einzuziehen", sagte der Kapitän im Gespräch der Woche auf "dfb.de".

"Du wächst immer mit dem Gegner"

Der Viertelfinalerfolg gegen Portugal (3:2) habe der deutschen Mannschaft nach dem holprigen Start in das Turnier zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. "Du wächst immer mit dem Gegner und der Aufgabe. Portugal war als Topfavorit gehandelt worden. Wenn du diese Mannschaft in dieser Art und Weise aus dem Turnier wirfst, dann gibt uns das ein riesiges Selbstvertrauen. Das war genau das Spiel, das wir in dieser Turnierphase gebraucht haben", meinte der 31-Jährige weiter.

Ballack erklärte auch relativ detailliert, wie es zu der Leistungssteigerung gegen Portugal gekommen ist. "Nach dem Österreich-Spiel war eine Erleichterung da, die Vorrunde überstanden zu haben. Wir haben uns richtig gefreut auf den nächsten Gegner, haben aber auch gespürt, dass wir etwas umstellen müssen. Das 4-4-2-System hatte bislang immer sehr gut funktioniert, aber mit dem verletzten Bernd Schneider und Bastian Schweinsteiger, der zunächst nicht in der Anfangsformation gestanden und dann Rot gesehen hatte, fehlten uns zwei wichtige Männer für das Spiel nach vorne", berichtete Ballack.

Der Kapitän führte weiter aus: "Uns hat etwas Kreativität, Leidenschaft und Begeisterung gefehlt. Es wirkte alles etwas verkrampft. Wir waren gegen Österreich zwar immer Herr der Lage, aber es hat dieser begeisternde Moment gefehlt. Mit der Veränderung kam Stabilität zurück. Man hat von Anfang an gemerkt: Die Mannschaft ist damit zufrieden, sie kann damit gut umgehen. Das heißt nicht, dass man von der grundsätzlichen Philosophie abweicht. Aber wir haben die Veränderung gebraucht." Der Kapitän betonte, dass die Idee zur Systemumstellung von Bundestrainer Joachim Löw kam, er selbst diesen Vorschlag aber unterstützt habe: "Ich war auch der Meinung, dass wir etwas ändern müssen."

Ballack verteidigte auch die Mannschaftssitzung ohne den Trainer nach der 1:2-Pleite der Vorrunde gegen Kroatien: "Das war sehr wichtig. Nach dem souverän gewonnenen Spiel gegen Polen hat man gedacht, es geht so weiter. Kroatien hat zwar eine sehr gute Mannschaft, aber in Normalform hätten wir da mithalten müssen. Deshalb war es wichtig, dass man die Probleme sofort anspricht, schließlich sind wir Gefahr gelaufen, aus dem Turnier auszuscheiden. Das Spiel gegen Österreich war ja eine undankbare Aufgabe. Da bedurfte es ein paar kritischer Worte auch innerhalb der Mannschaft, um nachher nicht blöd dazustehen."

"Spüre viel Positives, aber auch eine gewisse Lockerheit"

Gegen die Türkei sei er guter Dinge, weil die schwierigste Phase des Turniers überstanden sei. "Ich spüre viel Positives, aber auch eine gewisse Lockerheit. Ich habe das Gefühl, dass wir nicht nochmal so ein Spiel wie gegen Kroatien vergeigen", sagte er und warnte zugleich vor dem Gegner: "Die Türkei ist taktisch, technisch und von den einzelnen Spielern her sicher nicht besser als wir. Aber sie ist unberechenbar, und von uns wird sie keiner unterschätzen."