2008.06.23 Neuss : Hickersberger: "Brauche eine Auszeit"

Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM hat der österreichische Nationaltrainer Josef Hickersberger seinen Rücktritt erklärt. "Ich höre auf", sagte er der Tageszeitung Der Standard.

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Josef Hickersberger tritt zurück

Der österreichische Nationaltrainer Josef Hickersberger hat seinen Rücktritt erklärt und den nationalen Fußball-Verband damit kräftig vor den Kopf gestoßen. "Ich höre auf", sagte Hickersberger der Tageszeitung Der Standard. Einen Tag vor der Präsidiumssitzung des Österreichischen Fußball-Verbandes (ÖFB), auf der eigentlich über eine weitere Zusammenarbeit gesprochen werden sollte, ergänzte der Teamchef: "Ich bin leer und müde, ich brauche eine Auszeit, muss die Batterien aufladen. Das Kapitel ist abgeschlossen, die Mission wurde erfüllt." Nachfolger könnte der bisherige Teammanager und ehemalige Bundesliga-Profi Andreas Herzog sein.

ÖFB reagiert pikiert

Der ÖFB reagierte pikiert. "Entgegen den getroffenen Vereinbarungen", hieß es in einer offiziellen Mitteilung, habe Hickersberger gegenüber dem Präsidenten Friedrich Stickler aus "persönlichen Gründen seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung" erklärt: "Dieser Schritt kam für den Österreichischen Fußball-Bund überraschend, zumal bestehende Zusagen einseitig von Hickersberger nicht eingehalten werden." Der ÖFB habe den Rücktritt und die damit verbundene "unerwartete Vorgehensweise" zur Kenntnis genommen. Der ehemalige Bundesliga-Profi und -Trainer Hickersberger hatte seine zweite Amtszeit beim ÖFB am 1. Januar 2006 angetreten.

Er hatte nach dem Scheitern der Österreicher in der Vorrunde der EURO 2008 noch signalisiert, seine Arbeit fortsetzen zu wollen. Dies sei ein Fehler gewesen, sagte der Teamchef nun. In der Nacht nach dem letzten Gruppenspiel gegen Deutschland (0:1) habe er sich an der Bar von den Spielern zum Weitermachen überreden lassen. "Ich habe auf Emotionen gehört und bin dann mit der Willenserklärung in die Öffentlichkeit gegangen. In Wahrheit hätte ich mir eine Bedenkzeit nehmen sollen." Einen weiteren Sinneswandel werde es nicht geben, versicherte der 60-Jährige.

Beigetragen zu seinem Rücktritt hätten auch die Vorfälle beim Spiel gegen Deutschland, als er gemeinsam mit Bundestrainer Joachim Löw auf die Tribüne verwiesen worden sei, sagte Hickersberger. Ein paar Tage später habe er Löw beim Viertelfinale gegen Portugal (3: 2) gesehen, hinter einer Glaswand und von UEFA-Offiziellen bewacht. "Unwürdig", sei dies gewesen, sagte Hickersberger, "das lässt mein Gerechtigkeitssinn nicht zu. Man behandelt uns wie Tanzbären. Ich will kein Tanzbär mehr sein." Beide Trainer waren von der UEFA für jeweils ein Spiel gesperrt worden.

Eine künftige Beschäftigung als Trainer an anderer Stelle will Hickersberger allerdings nicht ausschließen: "Ich kann mir vorstellen, wieder jeden Tag auf dem Platz zu stehen. Irgendwo."