2008.06.25 Neuss : China kündigt Kanu-Coach Capousek

Der langjährige deutsche Erfolgstrainer Josef Capousek ist wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Peking als Chef der chinesischen Kanu-Flotte entlassen worden.

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Chinas Kanuten sind ihren Trainer los

Wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Peking ist der langjährige deutsche Erfolgstrainer Josef Capousek als Chef der chinesischen Kanu-Flotte entlassen worden. Der 62-Jährige bewertete in einer Stellungnahme seinen Rauswurf trotz der Erfolge von Chinas Booten in den letzten Weltcups als "so überraschend nicht. Es gab schon vorher Anzeichen."

Als ausschlaggebend vermutet der Coach, unter dessen Regie zuvor deutsche Kanuten insgesamt 17 olympische Goldmedaillen erkämpften, interne Querelen um Machtpositionen in Chinas Kanusport. So habe er eine Trainerin aus Chinas Militär wegen mangelhafter Qualifikation abgesetzt und auch bei der Auswahl der Sportler für die Mannschaftsboote nicht immer im Sinne der Verbandsfunktionäre entschieden.

Entlassung sei "sportlich gesehen absoluter Blödsinn"

Bereits eine Woche vor der Ablösung hatte Capousek am Rande des Weltcups in Duisburg angekündigt, dass er nach den Olympischen Spielen seinen Job in China zur Verfügung stellen will. Zuvor beim Weltcup in Posen brachte Chinas Viererkajak der Männer sogar Weltmeister Deutschland eine viel beachtete Niederlage bei.

Seine Ablösung bezeichnete Capousek "sportlich gesehen als absoluten Blödsinn". Er habe in seiner mehr als dreijährigen Tätigkeit in China versucht, den Athleten Selbstvertrauen und Mitspracherecht zu geben. "Das kam bei den Funktionären überhaupt nicht gut an. Das entspricht nicht dem chinesischen Stil", sagte der Trainer.

Nachfolger des gebürtigen Tschechen ist nach dessen Angaben ein politischer Funktionär aus Chinas Armee-Sportgruppe. Capousek selbst hatte schon früher Interesse bekundet, auch nach dem Ende seines Engagements im Reich der Mitte weiter als Trainer arbeiten zu wollen.

Ob er bei den Wettbewerben in Peking an der Strecke sein werde, ließ er offen: "Es tut weh, dass man mir nicht angeboten hat, mich von der Mannschaft zu verabschieden. Aber es reizt mich, Freunde aus der deutschen Mannschaft wiederzusehen und die Atmosphäre zu erleben."