2008.06.25 Neuss : Lippi übernimmt offenbar erneut Italien

Italienischen Medienberichten zufolge kehrt Weltmeistertrainer Marcello Lippi zur italienischen Nationalmannschaft zurück und beerbt seinen Nachfolger Roberto Donadoni.

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Marcello Lippi mit dem WM-Pokal

Schon eine Woche nach dem EM-Aus soll Weltmeistertrainer Marcello Lippi wieder das Kommando bei der italienischen Nationalmannschaft übernehmen. Nach italienischen Medienberichten soll der 60-Jährige bereits am kommenden Montag die Nachfolge von Roberto Donadoni antreten, der mit der "Squadra Azzurra" im EURO-Viertelfinale im Elfmeterschießen an Spanien gescheitert war.

Schon am Freitag will Verbandschef Giancarlo Abete die Trennung von Donadoni verkünden. Der 44-Jährige soll in einem Telefongespräch mit Abete auf die Abfindung in Höhe von 550.000 Euro, sechs Monatsgehälter, verzichtet haben. "Geld interessiert mich nicht. Wenn ich nicht mehr Trainer der Nationalmannschaft bin, werde ich ohne Abfindung gehen", sagte der gescheiterte Coach, der sich nach seiner Rückkehr aus Österreich in seine Wohnung in der Nähe Mailands zurückgezogen hat.

Einen Rücktritt hat der Vize-Weltmeister von 1994 bislang abgelehnt. In seinem Vertrag bis 2010, den er kurz vor der EM aushandelte, ist eine Kündigungsklausel enthalten für den Fall, dass er das Halbfinale verpasst. "Der Vertrag hätte sich automatisch um zwei Jahre verlängert, wenn wir ins Halbfinale eingezogen wären. Das war leider nicht der Fall. Nach dem Aus haben wir zehn Tage Zeit, um eine Entscheidung über die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses zu fällen", erklärte Abete am Mittwoch.

Lippi, der nach dem WM-Triumph von Berlin vor zwei Jahren zurückgetreten war, soll am 20. August im Länderspiel gegen Österreich bereits wieder auf der Bank sitzen. Der Weltmeistertrainer hatte zuletzt alle lukrativen Angebote europäischer Spitzenklubs ausgeschlagen. Egal ob der FC Chelsea, der AC Mailand, Juventus Turin, Real Madrid oder der FC Barcelona anfragten, die Antwort lautete immer: No.

Lippi: "Sag niemals nie"

Auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr als Allenatore der Azzurri vorstellen könnte, antwortete er dagegen vielsagend: "Sag niemals nie." Nach dem EM-K.o. hat sich Lippi aber noch nicht zu Wort gemeldet. In seiner Villa im toskanischen Badeort Viareggio wartet er darauf, den Vertrag zu unterzeichnen, der schon seit längerem in Abetes Schublade liegt.

Offen sind nur noch die Finanzen. Der Toskaner verlangt zwei Millionen Euro netto pro Jahr bis 2010, doppelt so viel wie Donadoni kassiert hat. Zudem will er sein eigenes Team aus sieben Mitarbeitern einsetzen, was zusätzliche Ausgaben für den Verband bedeuten würde. Zu diesem Stab zählt auch der Sportarzt Enrico Castellacci, mit dem er schon bei der WM in Deutschland zusammengearbeitet hatte.

Lippi hat bereits konkrete Vorstellungen, wie es mit der "Squadra Azzurra" weitergehen soll. Italienische Medien berichten über Pläne des alten und neuen Trainers, das Team zu verjüngen. Talente wie der 18 Jahre alte Inter-Star Mario Balotelli sollen eingebaut werden.

Andererseits könnten zwei Stars des Weltmeisterteams von 2006 in die Nazionale zurückkehren. Roma-Superstar Francesco Totti könnte nach überstandenem Teilabriss des Kreuzbandes im rechten Knie ein Comeback feiern. Auch Abwehr-Ass Alessandro Nesta gilt als potenzieller Rückkehrer.

Die Medien fordern einen längere Amtszeit Lippis als beim ersten Mal, als er lediglich zwei Jahre lang Cheftrainer war. "Lippi könnte ideale Bedingungen haben, um mehrere Jahre mit der Nationalmannschaft zu arbeiten, zwei Jahre genügen nicht", schrieb die Sportzeitung Gazzetta dello Sport am Mittwoch: "Man kann in einem Monat keine Revolutionen in die Wege leiten, man muss aber auf Innovation setzen und junge Talente aus der Liga auswählen, um sie in ein gut funktionierendes Team zu integrieren. Die Azzurri müssen eine neue Identität aufbauen, die Kontinuität garantiert."