2008.06.26 Neuss : Erfolgstrainer Serdarusic verlässt THW Kiel

Der THW Kiel hat überraschend die sofortige Trennung von Trainer Noka Serdarusic bekanntgegeben. Unter dem Erfolgscoach holte der Handball-Bundesligist in 15 Jahren 25 Titel.

usc1
Abschied nach 15 Jahren voller Erfolge: Noka Serdarusic

Zur Geisterstunde wurde offiziell, was Insider an der Ostsee längst geahnt hatten. "Der THW Kiel und Trainer Noka Serdarusic gehen mit sofortiger Wirkung einvernehmlich getrennte Wege", hieß es in der Donnerstag genau um Mitternacht versandten Pressemitteilung des deutschen Handball-Meisters: Der THW-Trainer verlässt die "Zebras" damit ein Jahr vor Auslaufen seines bis zum Saisonende 2008/2009 geltenden Vertrages.

15 Jahre war Serdarusic für den Verein als Trainer tätig, in dieser Zeit sammelte er insgesamt 25 Titel. Unter Serdarusic wurde der THW zum Bayern München des Handballs: elf Meisterschaften, fünf DHB-Pokalsiege, drei EHF-Pokalsiege, vier Supercup-Titel, einmal die Champions-Trophy und 2007 die Champions League.

Stilloser Rauswurf ohne Abschied von den Fans

Kränze für den Bosnier mit deutschem Pass wurden aber nicht geflochten, stattdessen gab es einen stillosen Rauswurf des Ex-Nationalspielers. Kein Abschied von den Fans in der Ostseehalle mehr möglich, keine Begründung für die Trennung, und Geschäftsführer Uwe Schwenker, seit 15 Jahren der Weggefährte von Serdarusic, konnte sich nicht mal zu einem Dank durchringen.

Das überlässt er Dr. Georg Wegner, einem der fünf Gesellschafter des THW, die am Donnerstagabend ohne Schwenker die Trennung endgültig beschlossen haben. Nachdem die Anwälte beider Seiten über Modus und Wortwahl verhandelt haben, war das erfolgreichste Kapitel eines Trainers in der deutschen Handballgeschichte beendet. "Wir hoffen, in Kürze einen Nachfolger präsentieren zu können", wird Schwenker zitiert und macht damit seine oberste Priorität deutlich.

Mit dem Kapitel Serdarusic hatte der THW-Manager innerlich schon länger abgeschlossen. Einst waren beide dicke Freunde, jetzt reden sie kein Wort mehr privat miteinander. Seit etwa einem Jahr geht das so - private Gründe sind für den Zwist ausschlaggebend. Eigentlich unglaublich für ein Wirtschaftsunternehmen mit einem Saisonetat von offiziell 6,5 Millionen Euro.

Kiel war am Ende nicht mehr groß genug für beide. Hier der knorrige, undiplomatische, konsequente und manchmal diktatorisch auftretende Coach - dort der offene, medienkompatible und stets freundlich wirkende Manager. Bei der Wahl zwischen Sympathie und Antipathie haben sich die Gesellschafter entschieden. Serdarusic war in diesem Kreis schon öfter angeeckt, wurde aber lange von Schwenker verteidigt. Jetzt eben nicht mehr.

Amtsmüde war der 57-Jährige jedenfalls nicht. "Aus meiner jetzigen Sicht behaupte ich, noch genügend Feuer zu besitzen, um mit dieser Mannschaft 15 weitere Jahre erfolgreich zu arbeiten", sagte Serdarusic vor wenigen Wochen: "Ich liebe meine Mannschaft und die Vorstellung, mit ihr nicht mehr arbeiten zu können, bricht mir das Herz."

Weite Teile der Mannschaft geschockt

Wie das All-Star-Ensemble von der Förde mit der neuen Situation umgeht, ist unklar. Die Mannschaft ist zum größten Teil schockiert. Weltstar Nikola Karabatic begründete seine Vertragsverlängerung im letzten Jahr bis 2012 mit dem Trainer: "Er ist der beste, den es gibt." Kreisläufer Markus Ahlm, dem ein Angebot der Rhein-Neckar Löwen vorliegt, sagte: "Noka ist ein großartiger Trainer". Die Entscheidung über seine Zukunft werde er von der Qualität des Nachfolgers abhängig machen.

Schwenker hat ganz sicher schon vorgearbeitet. Ex-Spieler Staffan Olsson ist ebenso im Gespräch wie Magnus Andersson oder Ola Lindgren aus Nordhorn. Als Favorit gilt derzeit Alfred Gislason vom Liga-Kontrahenten VfL Gummersbach. Der Isländer steht noch unter Vertrag, doch der VfL hat Geldprobleme, und der THW könnte eine Ablösesumme bezahlen.