2008.06.28 Neuss : Platini erhöht den Druck auf Polen und die Ukraine

UEFA-Präsident Michel Platini hat die EM-Ausrichter für 2012, Polen und die Ukraine, erneut in die Pflicht genommen und nun erstmals auch mit Entzug des Endrundenturniers gedroht.

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UEFA-Präsident Michel Platini

UEFA-Präsident Michel Platini hat den Druck auf die Gastgeberländer der Europameisterschaft 2012 erhöht: Wenn es in Warschau und Kiew kein Stadion geben wird, findet die EM-Endrunde in vier Jahren nicht in Polen und der Ukraine statt, kündigte der französischen Boss der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am Samstag an.

Auf einer Pressekonferenz am Tag vor dem EM-Endspiel zwischen Deutschland und Spanien erklärte Platini: "Wir werden alles Erdenkliche tun, um die EM in Polen und der Ukraine austragen zu können, und mehr als das. Wir denken an nichts anderes. Wir wollen die Entscheidung der UEFA-Exekutive respektieren. Aber wenn es in den Hauptstädten der Länder keine Stadien gibt, dann findet die EM dort nicht statt."

Platini startet am Mittwoch Inspektionsreise

Platini bricht am kommenden Mittwoch (2. Juli) zu einer zweitägigen Inspektionsreise nach Warschau und nach Kiew auf: "Ich habe Dossiers in verschiedenen Farben mit mir, in denen alle Probleme aufgelistet sind. Und diese Dossiers sind nicht dünn. Ich werde größere Kopfschmerzen wegen Polen und der Ukraine haben als wegen des Weingenusses."

Zum Ausgang des EM-Finales Deutschland-Spanien am Sonntag (20. 45 Uhr/live in der ARD) - die Paarung ist nebst Datum bereits auf die Spielbälle geprägt - hat Platini offiziell keine Meinung: "Ich weiß nicht, wie es ausgeht. Da treffen zwei verschiedene Stile aufeinander und ganz unterschiedliche Spielertypen. Reagieren sie unterschiedlich auf den Druck? Alles kann passieren."

Für das Turnier zieht der UEFA-Präsident eine überschwängliche Bilanz. "Sie sehen einen Präsidenten, der glücklich ist. Ich danke allen für ein wunderbares Turnier." Glücklich war Platini vor allem, weil seine Saat aufzugehen scheint. "Die UEFA hat die Aufgabe, die Menschen glücklich zu machen. Die Spieler haben dem Spiel gedient und das Image des Fußball gestärkt. Darauf bin ich stolz."

Taktisch merkte Platini an, dass Mannschaften, die mit dem Ziel angetreten sind, nicht zu verlieren, verloren haben: "Wir schützen inzwischen die Spieler so gut wir können. Jedes Team kann jetzt nach vorne spielen. Alle Mannschaften, die Fußball mit einer positiven Einstellung gespielt haben, haben gewonnen."

Auch für die Zukunft schließt die UEFA zwei Gastgeber nicht aus. Geht es nach dem Präsidenten, wird die Mindestkapazität der Stadien von 30.000 auf 35.000 angehoben. "40.000 ist für kleine Länder im Blick auf die spätere Nutzung vielleicht zu groß."

Aufstockung auf 24 Teams möglich

Sportlich kann Platini sich mit einer Aufstockung der Europameisterschaft auf 24 Teilnehmer anfreunden: "Ich denke, dass Länder wie England, Dänemark, Belgien, Bulgarien und andere die Qualität einer EM durchaus verbessern können. Die Frage, die sich stellt, ist die bezüglich Stadien, Transport, Verkehrsanbindung, Unterkunft." Noch am Samstag tagten die Generalsekretäre und Präsidenten der 53 Mitgliedsverbände. Eine endgültige Entscheidung, auch in der Frage Ukraine/Polen, fällt auf der nächsten Exekutiv-Sitzung am 24. und 25. September in Bordeaux.

Erwartungsgemäß war die EM in Österreich und der Schweiz auch ein finanzieller Erfolg. Platini: "Wir sind das Haus des Fußballs. Der Fußball ist ein gefragtes Produkt. Natürlich verdienen wir Geld. " Die Einnahmen von 1,3 Milliarden Euro bedeuten eine Steigerung des Umsatzes gegenüber Portugal um 56 Prozent. Der Gewinn stieg um fünf Prozent.

Das Schönste für Platini bei der EM waren die friedlichen, freundlichen, feiernden Fans im Stadion, in den Städten und den Fanzonen. Negative Erlebnisse hatte er angeblich nicht: "Selbst die Fragen der Journalisten waren schön." Sprachs, und verabschiedete sich: "Auf Wiedersehen in vier Jahren in Warschau."