2008.06.28 Neuss : Sprint-Trio zittert erster Gold-Hürde entgegen

Für die Top-Leichtathleten aus Jamaika und den USA geht es ab heute um die Olympia-Tickets. Bei den Trials steht das Fernduell der Sprintstars Bolt, Powell und Gay im Mittelpunkt.

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Auf Goldjagd: Tyson Gay (l.) und Asafa Powell

Vorhang auf zum vorolympischen Duell der schnellsten Männer der Welt: 100m-Weltrekordler Usain Bolt und sein Vorgänger Asafa Powell treffen am Wochenende bei den jamaikanischen Meisterschaften direkt aufeinander, Weltmeister Tyson Gay läuft fast zeitgleich bei den bis 6. Juli dauernden US-Olympiatrials in Eugene/US-Bundesstaat Oregon um sein Peking-Ticket.

Waren in der Vergangenheit die Trials der US-Amerikaner einer der vorolympischen Höhepunkte, so steht das Auftakt-Wochenende 2008 im Schatten des Duells Bolt-Powell in Kingston. Doch der von einer Brustmuskel-Zerrung genesene WM-Dritte Powell warnte nach seinem Saisoneinstand am Wochenende in Port of Spain/Trinidad (9,96 Sekunde) vor überzogenen Erwartungen. "Das wird kein Showdown. Ich will mich nur für Olympia qualifizieren", sagte der 25-Jährige, dessen 9,74-Sekunden-Weltrekord am 31. Mai von Bolt in New York auf 9,72 gedrückt worden war.

Auch Bolt hatte sich im Anschluss an seinen Sturmlauf ähnlich geäußert: "Ich denke nicht, dass wir bei den Meisterschaften etwas beweisen müssen. Es geht nur um die Peking-Qualifikation." Aber mindestens ein Fingerzeig Richtung Peking ist das Fernduell gegen den 2008 schon mit 9,85 Sekunden zu Buche stehenden Gay, der 2007 in Osaka drei WM-Titel (100, 200 und 4x100m) abgeräumt hatte und sich wegen der geballten US-Konkurrenz keine Schlappe bei den Trials erlauben kann.

Gay wirft Bolt den Fehdehandschuh hin

"Ich will gewinnen und schnell sein", meint Gay. Nur die ersten Drei qualifizieren sich für die Sommerspiele, bei denen der US-Boy erneut das Triple anstrebt. Dagegen entscheidet der 200-m-WM-Zweite Bolt erst nach den Jamaika-Meisterschaften, ob er den Doppelstart über 100 und 200m wagt. "Nach Usains Weltrekord war ich ein wenig niedergeschlagen und musste mich auf mein Ziel neu konzentrieren - den Sieg in Peking", berichtete Gay im Vorfeld der US-Trials.

Bei den Trials will die US-Leichtathletik auch den Doping-Schlagzeilen davonlaufen, die die ehemaligen Sprint-Könige Marion Jones und Justin Gatlin sowie der frühere 400-m-Weltmeister Antonio Pettigrew lieferten. In Peking, davon ist Frauen-Cheftrainerin Jeanette Bolden überzeugt, "werden wir das beste US-Olympiateam der Geschichte stellen". Die 25 Medaillen von Athen 2004 (8/12/5) und die 26 WM-Medaillen von 2007 (14/4/8) sollen übertroffen werden. "Wir werden einen guten Mix aus Erfahrenen und Athleten mit Zukunft haben", sagt Bolden.

Zu den fest eingeplanten Goldkandidaten zählen neben Gay und seinem weiblichen Pendant, Dreifach-Sprintweltmeisterin Allyson Felix, 400-m-Weltmeister Jeremy Wariner, Stab-Weltmeister Brad Walker, sowie Doppel-Weltmeister Bernard Lagat (1500m/5000m).

Einen Ausrutscher dürfen sich aber selbst die Goldkandidaten in Eugene nicht erlauben, denn nur die drei Erstplatzierten werden für Olympia vorgeschlagen. Da ist der US-Leichtathletik-Verband strikt. Im Vorjahr machte 400-m-Star Sanya Richards diese Erfahrung. Als Vierte verpasste sie die Einzelqualifikation für Osaka und kam in Japan nur über 200 und 4x400m zum Einsatz.