2008.06.30 Neuss : Coach Gislason wechselt von Gummersbach nach Kiel

Alfred Gislason wird neuer Trainer bei Handball-Rekordmeister THW Kiel. Der Isländer wechselt vom Liga-Konkurrenten VfL Gummersbach zu den "Zebras". Gislason beerbt Noka Serdarusic.

pst1
Alfred Gislason tritt die Nachfolge von Noka Serdarusic an

Wunschkandidat Alfred Gislason wird beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel Nachfolger von Noka Serdarusic. Vier Tage nach der Trennung des Double-Gewinners von seinem langjährigen Coach gab der THW die Verpflichtung des Isländers vom Ligarivalen VfL Gummersbach bekannt. Gilslason erhält bei den Kielern einen Drei-Jahres-Vertrag bis 2011 und kostet die Schleswig-Holsteiner die Rekordablösesumme von geschätzten 750.000 Euro.

"Wir sind froh, dass wir innerhalb kürzester Zeit eine so gute Lösung gefunden haben", sagte THW-Manager Uwe Schwenker dem sid am Montagnachmittag. Die Vertragsdetails waren am Wochenende ausgehandelt worden. Am Montag hatte dann Gislasons bisheriger Arbeitgeber dem 48-Jährigen die Freigabe erteilt. Bei den Oberbergischen übernimmt Sead Hasanefendic ab sofort das Ruder. Der Kroate hatte die Gummersbacher bereits von 2002 bis 2004 trainiert.

"Er weiß alles über Handball"

Schwenker sieht in Gislason den idealen Nachfolger für Meistercoach Serdarusic, der die Kieler in 15 Jahren zu elf Meistertiteln, fünf Pokalsiegen und dem Champions-League-Triumph 2007 geführt hatte. "Alfred war als Spieler schon sehr erfolgreich, dann hat er als Trainer in Magdeburg 2002 als Erster überhaupt mit einem deutschen Verein die Champions League gewonnen. Er weiß alles über Handball. Mit ihm können wir in der Erfolgsspur bleiben", sagte Schwenker.

Zwar wollte Schwenker die Ablösesumme nicht bestätigen, deutete aber an, dass eine größere Summe geflossen sei, um Gislason aus seinem bis 2010 laufenden Vertrag beim VfL herauszukaufen. "Über die Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart. Es wurde einiges kolportiert, was nicht stimmt. Es ist keine Phantasiesumme, aber die Ablöse liegt ungefähr im Rahmen dieser Spekulationen", meinte Schwenker.

Gislason freut sich unterdessen auf die neue Herausforderung. "Ein schwereres Erbe als das von Noka gibt es nirgendwo. Die Fußstapfen sind extrem groß, aber ich kann nicht versuchen, Noka zu imitieren. Ich muss meinen eigenen Weg fortsetzen. Ich freue mich sehr auf die Aufgabe", meinte der Isländer.

Meister als Spieler mit Essen

Als Spieler war Gislason in der Bundesliga von 1983 bis 1988 für Tusem Essen aktiv und wurde mit den Westdeutschen zweimal deutscher Meister. Anfang der 90er Jahre ließ seine aktive Karriere in seiner Heimat beim isländischen Klub KA Akureyri ausklingen. Als Trainer kehrte der studierte Historiker 1997 mit seinem Engagement beim VfL Hameln in die Bundesliga zurück. Von 1999 bis Anfang 2006 coachte er den SC Magdeburg, ehe er vor zwei Jahren nach Gummersbach wechselte.

Die Trennung des THW von Serdarusic war Ende vergangener Woche wegen unüberbrückbarer privater Differenzen zwischen dem Coach und Schwenker erfolgt. Daraufhin hatten die fünf Gesellschafter der THW-GmbH mit dem 57-Jährigen eine vorzeitige Vertragsauflösung ausgehandelt. Der Kontrakt des Bosniers mit deutschem Pass war ursprünglich noch bis zum 30. Juni 2009 datiert.