2008.07.02 Neuss : Franzose Bost dominiert den "Preis von Europa"

Wie schon beim Auftaktspringen des CHIO in Aachen war Roger-Yves Bost auch beim "Preis von Europa" nicht zu schlagen. Der Franzose siegte mit null Fehlern vor Laura Kraut (USA).

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Roger-Yves Bost auf Idela de la Loge

Der französische Springreiter Roger-Yves Bost hat seine Erfolgsserie beim CHIO in Aachen fortgesetzt und den deutschen Reitern die Show gestohlen. Einen Tag nach seinem Sieg im Auftaktspringen triumphierte der Team-Weltmeister von 1990 auf seinem Pferd Idela de la Loge auch in dem mit 75.000 Euro dotierten "Preis von Europa".

"Ich freue mich sehr über den Sieg. Ich hatte schon im Vorfeld das Gefühl, das es klappen könnte", sagte Bost, der im Stechen in 47,63 Sekunden den schnellsten Nullfehlerritt lieferte. Zweite wurde die US-Amerikanerin Laura Kraut mit Miss Independent (0 Fehlerpunkte/48,48 Sekunden), Platz drei ging an Steve Guerdat (Schweiz) mit dem zwölf Jahre alten Hengst Tresor (0/48,54).

Ludger Beerbaum hatte sich mehr erwartet

Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) kam mit Checkmate nach drei Abwürfen im Stechen nur auf den 13. Rang. Die weiteren Olympia-Kandidaten zeigten wieder Schwächen. Christian Ahlmann (Marl) erlaubte sich mit dem elf Jahre alten Wallach Lorenzo im Umlauf einen Abwurf und verpasste genauso das Stechen wie Marco Kutscher (Hörstel/8 Fehlerpunkte) mit Cornett Obolensky und Ludger Beerbaum (Riesenbeck/8) mit Coupe de Coeur. "Ich hatte mehr erwartet. Wir müssen uns noch steigern", sagte Beerbaum, der sich beim Ausritt aus dem Stadion noch einen Streit mit einem Kameramann leistete.

In der Dressur musste Newcomer Matthias Alexander Rath einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen. Das 23 Jahre junge Talent, das Anfang Juni überraschend in Balve den deutschen Meistertitel holte, erzielte zum Nationenpreis-Auftakt mit seinem Pferd Sterntaler im Grand Prix nur 66,756 Punkte und sorgte damit für einen deutschen Fehlstart.

Kemmer springt für Rath in die Bresche

Heike Kemmer (Winsen) konnte den Fehlstart von Teamkamerad Rath (Kronberg) korrigieren und führte die deutsche Mannschaft zur Halbzeit des Grand Prix mit insgesamt 139,000 Punkten an die Spitze. Die Team-Olympiasiegerin von 2004 erzielte mit ihrem Top-Pferd Bonaparte 72,250 Punkte und lieferte das beste Ergebnis des Tages.

Rath haderte nach dem Rückschlag nicht lange mit seinem Schicksal: "Die letzten Wochen liefen sehr gut, doch die Runde heute war sehr schwierig, weil ich einige Fehler gemacht habe. Doch die Welt geht davon nicht unter. Ich muss weiter an mir arbeiten", sagte Rath.

Bundestrainer Schmezer war ratlos

Der Shooting-Star ist Stiefsohn von Ann-Kathrin Linsenhoff. Die Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe war auf Sterntaler 2005 Team-Europameisterin geworden und hatte das zwölf Jahre alte Ausnahmepferd bis zu ihrem Abschied vom Wettkampfsport im April 2007 geritten.

"Das war ein Einbruch", erklärte Bundestrainer Holger Schmezer, der ratlos wirkte. "Vor dem Ritt hat er noch einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Vielleicht war das Gefühl zu gut", fügte Schmezer zum Auftritt von Rath an. "Es gab Fehler bei der Feinabstimmung. Das ist jetzt eine schwierige Situation, doch das Paar braucht Zeit", sagte die viermalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg), die erst am Donnerstag in den Nationenpreis eingreift.

Schmezer: "Es fehlten die Höhepunkte"

Zum Auftakt der letzten und entscheidenden Olympia-Sichtung zeigte Rath vor allem in der zweiten Hälfte Schwächen. Fehler bei den Einer- und Zweierwechseln sowie Schwächen in Piaffe und Passage prägten den Auftritt. "Es fehlten die Höhepunkte, die die Fehler wettgemacht hätten", sagte Schmezer. Nach wie vor gehört Rath aber zu den Olympia-Kandidaten. "Wir warten die weiteren Prüfungen bis Sonntag ab und dann entscheiden dann", so Schmezer.

Rath ging als erster von vier deutschen Reitern ins Wettkampf-Viereck. Nach ihm startete am Mittwoch im Nationenpreis noch Team-Olympiasiegerin Heike Kemmer (Winsen) mit Bonaparte für Deutschland. Zum zweiten Block des Grand Prix am Donnerstag gehen Doppel-Weltmeisterin Werth und Ex-Weltmeisterin Nadine Capellmann (Würselen) in den Wettkampf.