2008.07.03 Neuss : Domenech bleibt Coach der "Equipe Tricolore"

Trotz des frühen Ausscheidens bei der EM bleibt Raymond Domenech Trainer der französischen Nationalmannschaft. Diese Entscheidung gab der Verband am Donnerstag bekannt.

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Raymond Domenech

Große Überraschung in Frankreich: Entgegen den Erwartungen der meisten Experten bleibt Raymond Domenech trotz des Vorrunden-Aus der französischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich Trainer des Vize-Weltmeisters. Diese Entscheidung gab Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes am Donnerstag bekannt.

Entscheidung ohne Gegenstimme

"Das Präsidium hat den Trainer in seinem Posten bestätigt und ihm den Auftrag erteilt, die Mannschaft auf die WM 2010 vorzubereiten", erklärte Escalettes. Die Entscheidung wurde von 18 Mitgliedern des Gremiums mitgetragen, Gegenstimmen gab es bei nur einer Enthaltung keine.

Allerdings soll Domenech, der einen Vertrag bis 2010 besitzt und der sich vor dem Votum dem Präsidium in einer Aussprache stellte, laut Escalettes seine Aufgaben in Zukunft gemäß einer "neuen Definition seiner Pflichten" erfüllen.

Konkret bedeutet dies, dass Domenech stärker kontrolliert wird. Ein neues Gremium ("Klub Frankreich 2010"), dem Escalettes, FFF-Sportdirektor Gerard Houllier und Vertreter der Liga angehören sollen, wird die Arbeit Domenechs überwachen.

Zudem sollen Trainer und Spieler ihre Öffentlichkeitsarbeit, die von Escalettes als "manchmal desaströs" bezeichnete wurde, verbessern. "Dies alles soll als Rückendeckung unter bestimmten Voraussetzungen verstanden werden", sagte Escalettes: "Der Trainer hat alle diese Neuerungen akzeptiert."

Domenech hatte das Amt des Nationaltrainers im Jahr 2004 von Jacques Santini übernommen und das Team im Jahr 2006 ins WM-Finale geführt. Dort unterlag die Mannschaft Domenechs, der in 54 Spielen unter seiner Leitung nur sieben Niederlagen hinnehmen musste, im Elfmeterschießen gegen Italien. In der anstehenden WM-Qualifikation muss die "Equipe Tricolore" zum ersten Mal am 6. September in Wien gegen Österreich antreten.

Nach dem frühen Scheitern bei der EM nach Niederlagen gegen die Niederlande (1:4) und Weltmeister Italien (0:2) sowie einem Unentschieden gegen Rumänien (0:0) hatten die französischen Fans zuletzt mehrheitlich die Entlassung von Domenech gefordert. Welt- und Europameister Didier Deschamps wurde bereits als Nachfolger gehandelt. In einer für die Sporttageszeitung L'Equipe durchgeführten Umfrage sprachen sich 52 Prozent für eine Ablösung Domenechs aus, nur 41 Prozent für den Verbleib des umstrittenen Coachs. Die Frage nach dem Wunsch-Nachfolger sah Deschamps mit 43 Prozent der Stimmen weit vorne.

Derweil hatte der frühere französische Superstar und heutige UEFA-Präsident Michel Platini Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit Domenechs geübt, ihm aber dennoch den Rücken gestärkt. "Als ich Spieler war, habe ich auch nicht mit den Journalisten gesprochen, als Nationaltrainer habe ich dann verstanden, dass man sich mit den Leuten unterhalten muss", sagte der Europameister von 1984: "Es ist die Mannschaft der Franzosen und nicht die Mannschaft eines Mannes."

Platini steht zu Domenech

Allerdings bezeichnet Platini Domenech weiter als die beste Lösung für die "Equipe Tricolore". "Es bringt niemandem etwas, den Trainer zu ersetzen", so Platini: "Alles was zählt, ist die Mannschaft wieder aufzubauen und zur WM 2010 zu führen. Und der Beste dafür ist Raymond. Er kennt die Spieler."

Als weitere mögliche Nachfolge-Kandidaten nach Deschamps wurden in der Umfrage der französische Teammanager des FC Arsenal, Arsene Wenger, sowie Laurent Blanc (beide 17 Prozent) und Jean Tigana (10) genannt.