2008.07.03 Neuss : Heidfelds Tage bei BMW könnten gezählt sein

Im August wird das BMW-Team über die Fahrer-Besetzung und den Verbleib von Nick Heidfeld entscheiden. Als mögliche Nachfolger gelten Fernando Alonso, Nico Rosberg und Bruno Senna.

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Nick Heidfeld kämpft um seinen Platz im Team

Das Fahrerkarussell bei BMW dreht sich immer schneller. Dabei sitzt Nick Heidfeld auf dem Schleudersitz. Als mögliche Nachfolger des Mönchengladbachers gelten Fernando Alonso, Nico Rosberg und Bruno Senna.Eine Entscheidung über die Fahrer-Besetzung für 2009 will BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen im August treffen. Bis dahin fährt "Quick Nick" auf Bewährung, der 31-Jährige hat maximal vier Rennen, um sich für die Weiß-Blauen zu empfehlen.

Heidfeld müsse sich in den nächsten Wochen steigern, speziell im Qualifying, fordert Theissen: "Die Situation ist natürlich nicht einfach, denn er muss versuchen, auf dem gleichen Niveau wie Robert Kubica zu fahren." Dem Polen gelinge es immer, das Auto perfekt abzustimmen, er sei in jeder Situation schnell. "Nick muss speziell das Thema Aufwärmen der Reifen in den Griff bekommen", meint Theissen, dessen Geduld mit Heidfeld langsam erschöpft ist: "Wir haben ihm in den vergangenen Wochen sehr viel Unterstützung gegeben."

Kubica sitzt bei BMW fest im "Sattel"

Heidfelds pfeilschneller Teamkollege Robert Kubica scheint für die nächste Saison gesetzt. Der Pole entschied die bisherigen acht Qualifying-Duelle für sich, er fuhr in Kanada auch den ersten Sieg für das junge BMW-Sauber-Team ein, und er steht in der WM-Wertung besser da als sein deutscher Kollege. Der 23-jährige Kubica liegt nur zwei Punkte hinter WM-Spitzenreiter Felipe Massa (Brasilien), Heidfelds Rückstand auf den Ferrari-Piloten ist auf 20 Zähler angewachsen.

Der Deutsche, der nach 141 Grand-Prix-Starts noch immer ohne Sieg dasteht, macht sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz. "Ich genieße die Unterstützung des ganzen Teams und freue mich über die gemeinsamen Fortschritte, die wir in den vergangenen drei Jahren gemacht haben", meint Heidfeld vor dem Halbzeitrennen am Sonntag (14.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) in Silverstone.

Nicht ohne Stolz verweist er darauf, dass BMW mit ihm bislang alle Ziele erreicht hat, und die seien sehr hoch angesetzt gewesen. Heidfeld: "Wir haben ein Fünfjahresprogramm, das am Ende den Gewinn des WM-Titels vorsieht." Bei den meisten Teams gehe das fürchterlich schief, so der 31-Jährige, aber BMW fahre noch immer voll auf Kurs: "Es ist großartig, ein Teil davon zu sein."

"Wenn er nicht die Kurve kriegt hat er ein Problem"

Nach Meinung des ehemaligen deutschen Formel-1-Fahrers Christian Danner hat Heidfeld viel für BMW getan, "doch wenn er jetzt nicht schnell die Kurve kriegt, hat er ein Problem". Dass BMW sich offenbar nach Alternativen umsieht, ist laut Danner legitim: "Wenn ein Alonso zu kriegen ist, sollte man sich um ihn bemühen." Der Münchner träumt aber von einer anderen Kombination. "Mein Wunsch ist es, dass Nico Rosberg für BMW fährt, das wäre für Deutschland vielleicht das heißeste Team überhaupt", sagte der RTL-Experte dem sid.

Seit einigen Tagen wird bei BMW auch der Name Bruno Senna gehandelt. "Natürlich will ich so schnell wie möglich in die Formel 1. Ich habe da auch schon ein Team im Auge, mehr verrate ich jetzt aber nicht", sagte der Neffe des legendären Ayrton Senna dem sid. Von BMW sei allerdings noch niemand an ihn herangetreten, sagt der Brasilianer weiter: "Ich weiß nicht, wo die Stories herkommen. Im Moment passiert da wirklich nichts."

Senna fährt in dieser Saison in der GP2-Serie im Rahmenprogramm der Königsklasse. Der 24-Jährige weiß: "Der Titel wäre die Fahrkarte in die Formel 1." Doch in der Sprungbrett-Liga liegt Senna in der Gesamtwertung derzeit auf Platz zwei, sieben Punkte hinter dem Italiener Giorgio Pantano.